Schon Tage vor dem eigentlichen Jahreswechsel hört man sie teilweise knallen, die Böller und Raketen. Um den Jahreswechsel gehört es für viele Menschen zur Tradition, das neue Jahr mit Feuerwerkskörpern einzuläuten, der Gefahr, die von der Pyrotechnik ausgeht, sind sich die Anwendenden aber häufig nicht bewusst. Aus diesem Grund appelliert Rene Kornberger, sprengstoffkundiges Organ der Landespolizeidirektion Steiermark, zu Silvester Vorsicht walten zu lassen. „Wenn man Pyrotechnik verwenden will, sollte diese wirklich nur beim Fachhändler gekauft werden, der den Käufern erklären kann, wie sie sachgemäß angewendet wird“, so der Experte.
Pyrotechnik wird grundsätzlich in vier Kategorien eingeteilt, bei der Gruppe F1 handelt es sich um kleine Feuerwerke, die an Silvester meist keine großen Probleme darstellen, wie Kornberger erfahrungsgemäß weiß. Dazu gehören unter anderem Knallerbsen, Wunder- und Leuchtkerzen und Tischfeuerwerke. „Eine größere Gefahr geht von der Kategorie F2 aus“, sagt Kornberger, in diese Kategorie fallen unter anderem klassische Feuerwerkskörper wie Leuchtbatterien und Doppelschlagraketen, die ab 16 Jahren gekauft werden dürfen. Zusätzlich werden immer wieder Raketen aus dem Ausland nach Österreich importiert und verkauft, so der Experte. „Erst kürzlich haben wir 170 Kilogramm Feuerwerkskörper sichergestellt, die meisten kommen aus Tschechien und der Slowakei.“ Raketen der Kategorien F3 und 4 bedürfen eines Pyrotechnikausweises. „Diese Raketen haben auch keine Zeitverzögerung.“
Deutsche Anleitung und CE-Kennzeichnung
Falsche Anwendung führt jedes Jahr aufs Neue zu gefährlichen Situationen, Unfällen und auch Todesfällen. „Letztes Jahr sind Menschen in Gralla und Neunkirchen wegen Böllern und Raketen ums Leben gekommen“, ruft Kornberger die Silvester-Tragödien in Erinnerung. Erst vor Kurzem berichtete ein 17-Jähriger der Kleinen Zeitung über seinen Überlebenskampf, nachdem ein Böller sein Herz zerfetzt hatte. „Es kann so schnell etwas passieren, deswegen ist es so wichtig, dass bei den Raketen beim Kauf nicht nur die Kategorie angegeben ist, sondern auch eine Anleitung in deutscher Sprache verfügbar ist. Außerdem muss die Pyrotechnik eine CE-Kennzeichnung haben“, so Kornberger.
Im Stadtgebiet ist das Abschießen von Raketen ohnedies verboten, seit Jahren gibt es für die Silvesternacht auch keine Ausnahmeerlaubnis mehr. „Nur in Kärnten haben es ein paar Bürgermeister gestattet.“ Die Polizei ist mit erhöhter Präsenz auf die Silvesternacht vorbereitet, man werde bei Verstößen rigoros einschreiten, so Kornberger. „Die Leute müssen mit Anzeigen rechnen.“
Damit Raketen sicher abgeschossen werden können, ist es wichtig, auf einige Punkte zu achten, betont Kohlberger. „Die Pyrotechnik muss sachgemäß gelagert werden, es darf keine Feuchtigkeit an die Produkte gelangen, das kann das Auslösen bei der Anwendung verzögern.“ Raketen mit Holzstab sollen außerdem nur aus fest verankerten Rohren abgeschossen werden, Flaschen im Schnee können schnell zum Sicherheitsrisiko werden. „Sie kann sich beim Abfeuern bewegen und dann Menschen treffen“, so Kornberger. In der Rakete befinde sich zudem ein Treibsatz, im Schnee kann die Rakete in weiterer Folge einfrieren. „Der Treibsatz ist dafür zuständig, dass die Rakete die richtige Höhe erreicht. Ist sie festgefroren, braucht sie beim Start schon zu viel Energie und kann dadurch beim Aufsteigen kippen und wieder herunterfallen, bevor sie explodiert.“
Rakete geht nicht ab? Nicht berühren.
Batteriefeuerwerke sollen nur auf hartem und festem Untergrund abgeschossen werden, auf Schnee kann die Box aufgrund der Wärmeentwicklung kippen. „Die Schachtel wird auch immer leichter, wenn sie kippt, können Personen getroffen werden.“ Grundsätzlich sollen Feuerwerkskörper keinesfalls in der Nähe von Menschenmengen abgeschossen werden, auch in Kinderhänden haben Böller und Ähnliches nichts verloren, betont der Experte. „Die Person, die die Pyrotechnik weitergibt, haftet.“ Was tun, wenn eine Rakete nicht abgeht? „Ja nicht angreifen oder in den Mistkübel werfen“, warnt Kornberger. „Es kann sein, dass die Zündschnur nicht richtig glost und die Rakete erst nach Minuten oder auch Stunden abgeht. So entstehen oft schwere bis tödliche Verletzungen an Händen, Gesicht und Augen, auch das Gehör kann geschädigt werden.“ Abschreckende Beispiele müssen laut Kornberger aufgezeigt werden, auch um tragische Fälle zu verhindern, so der Experte. „Denn schließlich soll der Jahreswechsel passend schön sein und nicht in einer Tragödie enden.“