Die 2404 Meter lange Pelješac-Brücke ist das größte, jemals umgesetzte Infrastruktur-Projekt Kroatiens. 420 Millionen Euro kostete die Umfahrung Bosniens in den Süden Kroatiens in Richtung Dubrovnik. Zu 85 Prozent aus EU-Mitteln finanziert wurde der Megabau 2022 von der „China and Bridge Corporation“ (CRBC) fertiggestellt. Seit bald zwei Jahren hat der Stolz des kroatischen Straßenbetreibers Hrvatske cesta allerdings Risse bekommen und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

Im Sommer 2024 wurden bei routinemäßigen Kontrollen Schäden an den Stützpfeilern entdeckt. Die Risse sollen auf das Schwinden von Beton zurückzuführen sein. Dabei entweiche bei Neubauten Feuchtigkeit aus dem Beton und dadurch sinke das Volumen des Baustoffs, solche Schäden seien laut Experten zu erwarten gewesen. Heute wie damals betonen Hrvatske ceste, dass die Sicherheit der Brücke dadurch nicht gefährdet sei: „Es ist wichtig zu betonen, dass es sich nicht um strukturelle Schäden handelt, sondern um das Auftreten von Oberflächenrissen, die keinen Einfluss auf die Sicherheit und Stabilität des Bauwerks und damit auf den sicheren Verkehrsfluss haben“, erklärten Ingenieure des kroatischen Straßenbetreibers.

Gefahr durch Meersalz

Die Pelješac-Brücke wurde von der „China and Bridge Corporation“ (CRBC) errichtet
Die Pelješac-Brücke wurde von der „China and Bridge Corporation“ (CRBC) errichtet © IMAGO / Milan Sabic/pixsell Via Www.imago-images.de

Das bestätigten zwar auch unabhängige Bausachverständige, mahnten aber bereits 2024 ein, dass man die aggressive Umgebung nicht außer Acht lassen dürfe. Durch die exponierte Position des Bauwerks in der Adria würde Wind permanent Salz in die Risse drücken. Das Meersalz könne mit fortschreitender Zeit bis zur Bewehrung durchdringen und die Lebensdauer der Brücke deutlich verkürzen. Dass bis heute – zumal solche Schäden zu erwarten waren – keine Ausbesserungen stattgefunden haben, darf also verwundern.

Gewährleistungsfragen

Der Stillstand dürfte aber nicht nur an der Frage der technischen Umsetzung, sondern vielmehr in rechtlicher und finanzieller Natur liegen. Hrvatske ceste erklären, dass es sich um keine Arbeiten handeln würde, die im Rahmen der regulären Instandhaltung durchgeführt werden dürfen. Laut dem kroatischen Straßenbetreiber handle es sich um bauliche Mängel, die nicht auf Kosten der kroatischen Steuerzahler, sondern vom Errichter behoben werden müssen. Die chinesische CRBC müsse im Rahmen des zehnjährigen Gewährleistungsvertrags diese Leistung erbringen. Als Absicherung seien zehn Prozent der Errichtungskosten, bis 2032 als Bankgarantie hinterlegt, dem Steuerzahler werden keine zusätzlichen Kosten für die Sanierung entstehen, wird versichert.

Termin offen

Inwieweit die Verantwortungen für die Sanierung bereits geklärt wurden, teilt Hrvatske ceste derzeit nicht mit, man arbeite aber bereits an der Projektierung der Sanierung. Über Kosten, Umfang der Arbeiten und Termin zum Baustart gibt es noch keine Informationen. Dass die Brücke wegen der kommenden Sanierungsarbeiten gesperrt werden müsse, dementiert der kroatische Straßenbauer aber bereits. Es könne möglicherweise zu Behinderungen im Straßenverkehr kommen, die Brücke werde aber weiterhin befahrbar sein, ein Ausweichen über das bosnische Neum werde nicht nötig werden.