Riesentorlauf-Weltmeister Raphael Haaser traf, angesprochen auf den ehemaligen Coach von Superstar Hermann Maier, den Nagel direkt auf den Kopf: „Er ist ein Topmann.“ Wohin soll also künftig die Reise mit „unserem“ ÖSV-Speedteam gehen? Dieser Frage musste sich der neue Herren-Speedchef Andreas Evers stellen. „Zuerst müssen wir trainieren, hart arbeiten und die optimalen Wege finden, um wieder schneller zu werden. Es war ja nicht völlig schlecht, aber natürlich müssen wir an Schrauben drehen, um wieder ganz vorne mitzumischen. Wir hatten im Frühjahr Trainingskurse mit ziemlich guten Bedingungen. Im Sommer wird es nicht einfacher, da hast du ja quasi nur mehr Zermatt und Saas Fee, wo die Lifte gehen“, sagt Evers, dessen Arbeit am Schnee schließlich erst jetzt beginnt.

Der Reiz an der Aufgabe ist für den erfahrenen Salzburger schnell gefunden: „Dass wir wieder Siege feiern, Kugeln und Olympiamedaillen holen. Das ist unser Ziel und auch unser Anspruch, den man im Skisport haben muss. Vielleicht ist zuletzt auf mehreren Seiten die Leidenschaft abgeflacht. Aber wenn man zurückdenkt, war gerade der Abfahrtssport das, was für Österreich gezählt hat oder direkt heraussagt, es war das Wichtigste. Viele heimische Athleten haben den Abfahrtssport geprägt. Das wollen wir zurückhaben und ich bin optimistisch, dass wir das schnell schaffen können“, konkretisiert der 57-Jährige, der das Amt von Sepp Brunner, der in den wohlverdienten Ruhestand gegangen ist, übernommen hat. Sein Team, bestehend aus Vincent Kriechmayr, Raphael Haaser, Lukas Feurstein, Stefan Babinsky, Daniel Danklmaier, Daniel Hemetsberger und Andreas Ploier, will kommende Saison schließlich durchstarten.

„Am Ende des Tages sind sie Konkurrenten“

Kriechmayr, Doppel-Weltmeister von 2021, ist freilich immer für Siege gut, doch wie formt man an sich einen Siegesläufer? „Manche werden vielleicht geboren, es gibt spezielle Typen. Gut Skifahren können aber viele, nur ist das Eitzerl dann noch der Kopf, aber das hat man ja in jeder Sportart.“ Evers ist vom Potenzial seines Kollektivs überzeugt – es müsse sozusagen beim ein oder anderen nur Klick machen. Er selbst legt größten Wert darauf, „dass sich die Athleten gegenseitig unterstützen und pushen, wobei sie am Ende des Tages Konkurrenten sind. Dazu kommt ein respektvoller Umgang, der mir wichtig ist.“

Und eines ist für den Chef auch klar: „Als Touristen wollen wir nicht auftreten“, unterstreicht Evers, der nicht in der Vergangenheit herumwühlen will, sondern es muss nach vorne gehen. „Aber die anderen Nationen schlafen auch nicht.“

Im Februar 2026 steht ein Großereignis, die Olympischen Winterspiele in Italien 2026, bevor. Dementsprechend essenziell wird die Vorbereitung der ÖSV-Asse sein. Ende August hebt der Flieger ins Schneetrainingslager nach Chile ab. Und Evers weiß: