Poltern in Wien mit ihrer künftigen Schwägerin (“Mein Bruder heiratet Anfang Oktober“), Kurztrip nach Laibach, Ausflüge an den Faaker- und Wörthersee oder ausgiebige Frühstückssessions mit den Liebsten – Österreichs Langlauf-Ass Teresa Stadlober genießt die wenigen Momente, die ihr neben mehrwöchigen Höhentrainingskursen und intensiven Einheiten bleiben. „Mir ist das sehr wichtig. Der Sport nimmt im ganzen Leben so viel ein, deshalb braucht es solche Phasen“, erklärt sie.

Zurückblickend auf die vergangene Saison erzählt die 32-Jährige, „dass ich sehr zufrieden war, da ich die ganze Zeit über konstant und stabil gewesen bin. Das ist mir die letzten Jahre nie so gelungen. Nur der vierte Rang bei der WM hat mich etwas gewurmt, aber dafür waren die zwei Podiumsplätze umso schöner.“ Fehlt eigentlich nur noch der Sieg?

Direkt nach der Saison hatte Stadlober mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. „Die Pause im April habe ich gebraucht, da ich wirklich fertig gewesen bin. Es hat gedauert, bis ich mich da erholt habe.“ Wiedergenesen ging‘s in die Polizeischule nach Graz, „was eine coole Abwechslung gewesen ist“, gepaart mit Trainingseinheiten, ehe sie im Juni im französischen Font-Romeu, das zwischen 1300 und 2200 Metern Seehöhe liegt, ihre Einheiten abspulte: „Es gibt da ein lässiges Trainingszentrum für uns Nordische, der Ort ist aber auch bei Läufern und Triathleten sehr beliebt.“

Olympia-Flair aufschnappen

Anschließend „lockte“ der Ski-Tunnel in Oberhof, der mit 1,8 Kilometern pro Runde perfekte Bedingungen bietet. „Es hat zwar nur minus vier Grad drinnen, aber gefühlt ist es viel kälter. Das war eine Umstellung, aber es ist ideal, um ein Skigefühl zu bekommen“, erklärt die Wintersportlerin, die am Sonntag ihre Koffer packte und ins nächste Höhentrainingslager nach Martell (Italien) reiste – aber auch der Passo di Lavazè nahe dem Olympia-Schauplatz Val di Fiemme darf nicht fehlen.

In der Oberhofer Skihalle wurde fleißig trainiert
In der Oberhofer Skihalle wurde fleißig trainiert © Privat

Den Winterspielen 2026 blickt die Salzburgerin mit Vorfreude entgegen, aber ihr ist bewusst, wie hart der Weg bis dorthin noch sein wird. Angesprochen auf Peking 2022 bleibt ein Augenblick freilich in ewiger Erinnerung. „Das war, als ich im ersten Rennen Bronze geholt habe. Das kam für mich ziemlich unerwartet, war aber eine echte Erlösung.“ Die Vorzeichen standen alles andere als gut. Stadlober durfte zunächst nicht mit in den ÖOC-Charterflug – aufgrund eines positiven Coronatests, „der vermutlich ein falscher gewesen ist.“

Als es doch nach Peking gehen durfte, „hatte ich Eindrücke ohne Ende und nur zwei Tage Zeit, um mich anzupassen. Aber ich hab‘s trotzdem geschafft. Es hat mir gezeigt, dass man nie aufgeben darf, so aussichtslos etwas auch scheinen mag. Ich wollte es mir unbedingt beweisen und das ist schon irgendwie so meine Geschichte.“ Diesbezüglich plaudert sie aus, „dass mich immer noch mehr Menschen auf das Verlaufen 2018 – und ja, das hat mich letztlich sehr geprägt – ansprechen als auf die Olympia-Medaille. Ich kann darüber aber längst lachen.“

Die ständige Rechtfertigung nach Seefeld 2019

Ihr das Lachen aus dem Gesicht zu zaubern ist eine Kunst, doch 2019 stand ihr die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben, als just bei der Heim-WM in Seefeld ein Dopingskandal Österreichs Langlaufszene erschütterte. Stadlober selbst war nicht involviert, doch „es war ein Tiefpunkt für den heimischen Langlaufsport. Es hat lange gedauert, bis wir uns da rausgekämpft haben und das Vertrauen zurückgekehrt ist. Dazu kam die ständige Rechtfertigung – viele haben einen einfach in einen Topf geworfen“, erzählt Stadlober und macht kein Geheimnis daraus, „dass manche Nationen damals nicht mehr mit mir geredet haben. Das war extrem hart und hat sich über Jahre gezogen.“