„Der Gesamtweltcup ist ein großes Thema“, grinst Vincent Kriechmayr und deutet auf Raphael Haaser. Jenen Mann, der sich bei der alpinen Ski-Weltmeisterschaft in Saalbach 2025 sensationell zum Weltmeister im Riesentorlauf krönte. Dieser kontert jedoch prompt: „Vince weiß ja selber, dass er von uns der größte Favorit auf den Gesamtweltcup ist.“ „Da haben wir aber schlechte Karten“, meint Kriechmayr. Eines ist unbestritten, der Schmäh rennt zwischen den beiden ÖSV-Assen. Wobei die Aussage des Oberösterreichers gar nicht so abwegig ist, denn dem Tiroler schwebt es vor, künftig im RTL ähnlich konstant zu performen, wie im Super-G und dann will er schließlich noch in der Abfahrt attackieren. „Aber alles Schritt für Schritt.“

Bis dahin wird allerdings noch etwas Zeit verstreichen. Die letzten Wochen und Monate waren nach der erfolgreichen WM äußerst intensiv und durchgetaktet. „Es wäre gut, wenn es drei, vier von meiner Person geben würde“, kann sich der 27-Jährige ein Schmunzeln nicht verkneifen. Der „Iceman“, Haaser ist ja nicht gerade bekannt als Mann großer Emotionen, ticke sportlich, wie auch privat, ziemlich ähnlich.

ABD0089_20250723 - SALZBURG - ÖSTERREICH: (v.l.) Raphael Haaser und Daniel Hemetsberger bei einem Eishockey-Spiel anlässlich eines Medientermins des ÖSV-Männer Speed-Teams am Mittwoch, 23. Juli 2025, in Salzburg. - FOTO: APA/BARBARA GINDL
Raphael Haaser (links) und Daniel Hemetsberger bei einem Eishockey-Spiel mit „Bullen“ © APA

Der Markenwechsel von Fischer zu Atomic sei dem Tiroler alles andere als leicht gefallen. „Es war ein großer Schritt, aber ich bin von Anfang an gut aufgenommen worden, wir waren gleich auf Augenhöhe. Sie wollen, dass dieses Projekt funktioniert. Ich hoffe, dass es die richtige Entscheidung gewesen ist.“ Haaser selbst müsse sowieso schauen, dass er seine „sieben Zwetschken“ bis zum Saisonauftakt beisammen hat, „aber wenn alles so klappt, wie ich es mir vorstelle, ist einiges möglich.“

„Das war nicht einfach zum Ansehen“

Angesprochen auf seine Schwester Ricarda, die sich in Saalbach einen Kreuzband- und Innenmeniskusriss zugezogen hatte, verriet der dreifache WM-Medaillengewinner, dass es auch für ihn nicht immer einfach gewesen ist. „Es war aufgrund ihrer Vorgeschichte richtig schwierig für mich. Sie hatte ja den Bandscheibenvorfall, war immer wieder verletzt, dann kommt sie im Winter echt gut ins Fahren und dann bekommt sie den nächsten oben drauf. Das war nicht einfach zum Ansehen für mich. Aber inzwischen ist sie wieder voll motiviert, um zurückzukehren und, dass sie dort anknüpfen kann, wo sie aufgehört hat“, verdeutlicht Haaser, ein Familienmensch durch und durch. „Wenn jemand für einen da ist, ist das sehr viel wert.“

SAALBACH,AUSTRIA,14.FEB.25 - ALPINE SKIING - FIS Alpine World Ski Championships Saalbach 2025, ORF WM Studio. Image shows Raphael Haaser (AUT). Keywords: medals.
Photo: GEPA pictures/ Harald Steiner
Raphael Haaser, zweifacher Medaillengewinner von Saalbach © GEPA

Während viele Sportler im Sommer beispielsweise das Meer herbeisehnen, erkundete Haaser Schottland. „Ich habe mir das Land angesehen, ich mag das Herumreisen. Wir waren mit Auto inklusive Dachzelt unterwegs. Es war sehr, sehr schön. Ich habe es nach diesem Winter sehr genossen, vor allem weil man es irgendwann einfach braucht.“