Es sind zweifelsfrei Aussagen, die Leistungssportler von Ärzten partout nicht hören: „Wenn Sie sich das Kreuzband noch einmal reißen, dann ist Ihre Karriere wohl vorbei.“ Genau dieser eine Satz wurde ÖSV-Riesentorlauf-Spezialistin Stephanie Brunner direkt vermittelt – ein völliger Schlag ins Gesicht. Dazu kommt, dass sie sich innerhalb von 17 Monaten drei Kreuzbandrisse zugezogen hat. „Ja, ich war wirklich viel in Krankenhäusern.“

Doch trotz des Appells der Ärzte war Aufgeben für sie zu keinem Zeitpunkt eine Alternative. „Es war zwar ein richtiger Schock, das muss ich zugeben, aber ich wollte mich damit nicht länger beschäftigen, ich konnte es zum Glück gut ausblenden. Ich glaube, das muss man als Sportler in sich haben“, erzählt Brunner im Rahmen des Trainingslagers mit den ÖSV-Damen in Hermagor.

„Es war nicht nur ein Wellental“

Die vergangenen Saisonen waren für die Technikerin teilweise gar keine leichte Kost. Gedankenkino, vor allem im Sommer spielte dabei eine Rolle. Die Tirolerin macht dementsprechend kein Geheimnis daraus, „dass es nicht das gewesen ist, was ich selber von mir erwarte. Es war nicht nur ein Wellental. Ich weiß, dass ich mehr könnte, aber es ist leichter gesagt als getan.“

Demnach lautet die Devise „viel an mir selbst zu arbeiten, auch im taktischen Bereich in den Rennen und dann jeden Tag einen Schritt weiterdenken“, sagt Brunner, die ein Faible für Tattoos, längere Duschsessions und actionreiche Sportarten, wie Motocross, hat.

Die ÖSV-Damen nutzten die perfekten Trainingsbedingungen in Hermagor
Die ÖSV-Damen nutzten die perfekten Trainingsbedingungen in Hermagor © ÖSV

Die Olympischen Winterspiele 2026 in Italien sind für die 31-Jährige allerdings noch „meilenweit weg, davor habe ich andere Ziele. Ich will mit der Startnummer zurück in die 15“, konkretisiert die Team-Silbermedaillengewinnerin von Olympia 2018, die in Dubai wieder ihre Batterien für die intensive Sommervorbereitung aufgeladen hat.

„Ich feuer halt gerne alles raus“

Die Naturliebhaberin ist jener Charakter, der sich kaum ein Blatt vor den Mund nimmt und die sich nie verstellt. „Nur ist das leider auch öfters mein Problem. Manchmal wäre es g‘scheiter, wenn ich meine Pappn halten würde, aber ich feuer halt gerne alles raus. Ob es gut oder schlecht ist, ist eine andere Sache. Mir persönlich ist es lieber zu wissen, woran ich bei jemandem bin“, verdeutlicht Brunner, die ihrer Meinung nach auch mal schwierig sein kann.

„Es ist nicht immer einfach, mit mir zusammenzuarbeiten, weil ich extrem akribisch bin und wenn etwas nicht gleich funktioniert, rege ich mich schnell auf. Ich bin schon sehr ungeduldig, aber ich schaffe es mittlerweile, mich schneller zu beruhigen.“