Es ist eine Aussage, die ihn auf eine gewisse Weise getroffen haben muss. „Das wird eh nichts mehr.“ Ein Satz den sich Kärntens Speed-Spezialist Max Franz nach seinem Horrorsturz, bei dem er sich 2022 beide Unterschenkel gebrochen hatte, der Nerv zu 80 Prozent durchtrennt, sowie das Gewebe stark beschädigt war – seine OP-Narben sind inzwischen über 114 Zentimeter lang, mehrfach anhören musste. „Ich habe schnell gesagt, okay, das ist eure Meinung, ich zeig‘s euch. Es wird niemand anderes entscheiden, dass ich fertig bin. Ich habe schon einiges erreicht und manche haben sich richtig getäuscht. Es gab Phasen, in denen ich überlegt habe, ob es noch was wird, aber aufgeben war nie eine Option“, verdeutlicht Franz, der sich an jede Einzelheit des Sturzes erinnern kann.
„Es ist so schnell gegangen und plötzlich hat es getuscht. Ich hatte unglaublich brutale Schmerzen, bekam einiges an Zeug, damit ich das alles überstehen konnte. Mir wurde im Nachhinein erzählt, dass ich oft gut gelallt habe. Da kann man sich vorstellen, was ich bekommen habe, wobei das hat es auch gebraucht. Beim Kompartmentsyndrom bei der zweiten OP waren die Schmerzen kaum auszuhalten.“
Anfangs konnte der 35-Jährige seine Beine nur teilbelasten und „ich bin quasi vom Rollstuhl irgendwie auf die Couch. Auf den Stufen bin ich herumgekrabbelt. Es war viel, was der Körper mitmachen musste. Und klar gab es Momente, in denen ich absolut keine Lust mehr hatte. Schmerzen sind Motivationsdämpfer. Ich musste aufpassen, nicht in ein Loch zu fallen.“ Dass der Weg zurück kein einfacher sein wird, bekam Franz, der insgesamt schon acht schwere Verletzungen hatte, immer wieder zu spüren.
„Der Fuß ist noch taub“
Doch nach bald drei Jahren, zahlreicher Therapien und diversen Rückschlägen nehmen die Comeback-Pläne des WM-Bronzemedaillengewinners von 2017 immer konkretere Formen an. „Es ist noch immer der Wunsch, der Traum und Schritt für Schritt. Die letzten Wochen lag der Fokus im Kraftbereich und ich hatte einige Intervalltrainings am Rad. Es hat gut funktioniert, ich bin glücklich, wie es läuft“, erzählt der 35-Jährige, der kürzlich an den Unglücksort Copper Mountain, wo kommende Saison ein Weltcup-Super-G stattfindet, zurückgekehrt ist. „Ich habe im Vorfeld nicht gewusst, was auf mich zukommen wird, wobei ich dort alles gut verarbeitet habe. Ich bin aber gespannt, was es in mir auslöst, wenn ich das erste Mal wieder mit den Ski drüberfahre, aber ich habe ein gutes Gefühl. Der Fuß ist noch taub, aber im Skischuh ist das kein Problem“, meint der Weißbriacher, der mit seiner Frau Marina und den Hunden Maddox und Mary Lou im idyllischen Scheffau lebt.
Am Sonntag reist er mit dem Speedteam für eine Woche nach Saas-Fee und am 27. August hebt der Flieger ins Schneetrainingslager nach Chile ab. „Ja, mein Ziel ist es, heuer Weltcuprennen zu bestreiten und konkurrenzfähig zu sein. Dafür brauche ich noch viele Rennkilometer sowie Sicherheit, die ich mir nur über die Fahrten holen kann.“ Franz muss sich schließlich auf sein Material „Van Deer“ und auf seinen Körper verlassen können.
Mit Superstar Marcel Hirscher verbindet ihn eine langjährige Freundschaft, „was im Skizirkus sehr selten ist. Anfangs sind wir gegeneinander gefahren und dann waren wir uns nicht im Weg. Dann kam seine Verletzung, seine erste wirklich, und da waren wir immer füreinander da. Ski ist halt unser Leben und ich bin nach wie vor der Meinung, dass alles schaffbar ist.“