Reflektieren, verarbeiten, neu sortieren. Über „Arbeitsmangel“ konnte Snowboarder Alex Payer nicht klagen. „Ich habe oft zur falschen Zeit die richtigen Fehler gemacht. Aber was mir länger nachgehängt, ist der WM-Slalom mit der Disqualifikation im zweiten Qualilauf, nachdem ich ihn wiederholen musste, da der Italiener in mich reingefahren ist und mein Brettl kaputt war. Das lief nicht nach Plan“, verriet der 35-Jährige, dessen Grundspeed nach seinen schweren Verletzungen (Kreuzbandriss, Bandscheibenvorfall) wieder voll gegeben ist. Seine Frau Sabine Payer jubelte quasi in Dauerschleife – die 33-Jährige performte mit vier Siegen und drei zweiten Plätzen äußerst stark.
So vollgespickt der Winter gewesen ist, kamen auch die Sommeraktivitäten nicht zu kurz. Nach der Saison ging‘s ans Materialtesten– das aktuell gebaut wird – mit den Kanadiern und Italienern. Anschließend sorgte ein dreiwöchiger Griechenlandtrip mit dem Wohnmobil für die nötige Erholung – beim Klettern, Radfahren und Sightseeing war teilweise Action vorprogrammiert. „Wir haben die tote Zeit genutzt, in der Testen nicht mehr ideal und das Training noch nicht voll im Gang war“, sagt der Heeressportler, der daraufhin beim FIS-Kongress in Portugal als Athletensprecher Augen und Ohren offen hielt.
„Du musst über Jahre hinweg präsent sein“
„Im alpinen Snowboard läuft es ganz gut. Grundsätzlich hört man auch immer wieder, dass die FIS ein wenig mit den Verbänden streitet. Aber das tangiert uns nur peripher.“ Ein Thema sei Aserbaidschan als Hauptsponsor gewesen, das Diskussionen auslöste. „Für uns ist es wichtig, sichere und hochwertige Bewerbe für die Athleten zu haben und dass jeder möglichst die gleichen fairen Chancen bekommt. Da steckt viel Arbeit dahinter, aber es läuft“, meint Payer, der auch beim IOC-Athletenforum in Lausanne sowie bei den ÖSV-Sitzungen vertreten war.
„Ich will die Athletenrolle besser in den Fokus rücken und dafür muss man einmal gehört werden. Du musst über Jahre hinweg präsent sein, versuchen, Ideen umzusetzen und Meinungen zu teilen, denn da bringt es nichts, nur laut herumzuschreien. Da sind andere Länder weiter als wir, wo Athletenstimmen mehr wahrgenommen werden. Im ÖSV sind wir mit Christian Scherer und Mario Stecher auf einem sehr guten Weg.“
Zurück in der Heimat absolvierte der WM-Bronzemedaillengewinner von 2023 reichlich viele Trainingseinheiten – noch enger und koordinierter mit seinem Konditionstrainer Harald Hudetz. „Trotz meines Rippenbruches bin ich körperlich selten so gut beieinander gewesen, wie derzeit“, betont der Kärntner, der zwischendurch für Weitensfeld in der Tennis-Landesliga serviert – und auch ein Abstecher zur Tour de France brachte Abwechslung.
„Der Weg ist ein steiniger“
Kommende Woche wartet Cervinia, wo die ersten Schwünge in den Schnee gezogen werden, gefolgt vom Stilfserjoch, bis es in die belgische Skihalle nach Peer geht. Die Olympischen Spiele 2026, mit dem Snowboard-Schauplatz in Livigno, sind im Hinterkopf, „wobei der Weg im österreichischen Team ein sehr weiter und steiniger ist“.
Dass bei den Herren der eine oder andere nicht mehr ewig carven wird, ist keine Überraschung (“ich glaube nicht, dass alle bis zur Heim-WM 2027 in Montafon fahren werden“), doch Payer sieht in den Jungen „großes Potenzial“ und vermisst nach wie vor „Daniela Ulbing, die ein großer Verlust ist, und auch Ina Meschik geht mir sehr ab, da uns Geschichten verbunden haben.“