Es war ein lehrreiches Erlebnis der besonderen Art, denn wer kann schon von sich behaupten mit zwei Ex-Darts-Profis wie Jamie Caven und Devon Petersen Trainingssessions zu absolvieren. „Die zwei machen einen Superjob. Daneben stehen zu dürfen und mitzutrainieren war genial. Sie haben Kleinigkeiten bei meinem Wurf korrigiert und mir sogar bezüglich meiner Dartitis weitergeholfen. Sie sind selbst durch Höhen und Tiefen gegangen und beschäftigen sich extrem mit der Materie. Sie haben mir die Augen geöffnet, dass ich aus dieser Negativspirale raus bin und mehr an mich glaube“, erzählt Dominik Ortner, der ein jahrelanges Tief durchlebte.
Er hatte eine mentale Wurfblockade, sodass er den Pfeil nicht mehr auslassen konnte. Der Klagenfurter zog sich völlig zurück, da es ihm sportlich, schulisch und auch privat nicht gut gegangen ist. „Bei der WDF International Youth Challenge in Dänemark waren wirklich nur im Doppel-Finale ganz wenige Zitterer dabei, das ist ein gutes Zeichen.“
Er hält nichts davon, auf die gegnerische Schrift zu schauen
Die gesamte Kärntner Jugend der Dartrunde Bimbuschi, die aktiv intensive Jugendarbeit betreibt, ließ in Dänemark aufhorchen. In der U23- und U18-Klasse waren Podestplätze alles andere als ein Seltenheitswert: Patrick Neumeister brillierte mit zwei Siegen und zwei zweiten Plätzen: „Es hat echt Spaß gemacht und der Turniersieg im Einzel und Doppel, der erste in dieser Art, war extrem lässig. Ich habe mich damit für das World Masters in Ungarn qualifiziert“, sagt Neumeister, der nichts davon hält, auf die „gegnerische Schrift zu schauen“.
Während Ortner von Rang eins bis drei alles einmal abräumte, klassierte sich das Doppel-Duo Philipp Mandl/Maximilian Wibmer auf Rang drei. Für Mandl ist auch klar, „dass ich irgendwann auf die große Bühne will“. Das starke Ergebnis aus Kärntner Sicht komplettierte in der U18 Dominik Staudacher als Dritter im Team. „Es ist so schön zu sehen, dass die ganze Arbeit jetzt auch Früchte trägt. Wir sind wirklich alle hart am Kämpfen, am Trainieren und wollen besser werden und dann tun solche Resultate natürlich richtig gut“, sagt Ortner, der die Challenge darin sieht, „äußere Faktoren auszublenden“.
„Wir reden von Sport und nicht nur von Kneipenspielerei“
Angesprochen auf den Dartsboom meint der 22-Jährige, „dass es immer mehr und mehr wird. In Kärnten gibt es zahlreiche Vereine, das wirkt sich auch auf die Qualität aus. Sich als Dartssportler, den Ruf zu erarbeiten, ist aber harte Arbeit. Wir reden von Sport und nicht nur von Kneipenspielerei. Wenn du vier bis fünfmal pro Woche sechs, sieben Stunden die Pfeile reinklopfst, geht das in die Knochen“, meint Ortner und fügt hinzu, „dass die ehemalige Kegelbahn Schrott mittlerweile unsere Dartssportzentrale ist.“ An diesem Schauplatz findet in drei Wochen das „Carinthian Youth Festival“ statt.
Dass beispielsweise der erst 18-jährige Superstar Luke Littler Menschenmassen in seinen Bann zieht, kann Ortner völlig nachvollziehen.
Gegen Littler spielte Ortner 2019, als der Brite erst zwölf Jahre alt gewesen ist. „Er hat mich damals quasi schon ausgezogen, aber wenn man sieht, wo er jetzt steht, war‘s okay“, grinst der Kärntner.