Die sportlichen Ziele sind das eine, die Entwicklungsziele das andere und eigentlich noch wichtigere. Beide Säulen von Sturm II ließen sich in der Vorsaison positiv abhaken. Als Achter spielte die schwarz-weiße Zweitvertretung in der 2. Liga eine solide Rolle. Der Pfeil von Aktien wie Leon Grgic, Jacob Hödl, Matteo Bignetti und Belmin Beganovic zeigte vereinsintern nach oben, Konstantin Schopp (Mainz) und Oliver Sorg (Augsburg) erlagen Lockrufen aus dem Ausland.
„Der Output war letzte Saison richtig gut. Das war in der Vergangenheit ein optimierungswürdiges Thema“, sagt Trainer Christoph Wurm. Bereits zwei Jahre nach einer recht deutlichen Verjüngung des Kaders lassen sich bei den jungen „Blackies“ Fortschritte erkennen und Früchte ernten. Eine Entwicklung, die weiter vorangetrieben werden soll.
Basis dafür ist das Erreichen des Mindestziels Klassenerhalt, um den eigenen Talenten überhaupt weiterhin Zweitliga-Fußball als Plattform bieten zu können. Und solche gibt es immer mehr. „Die Breite des Kaders ist interessanter und qualitativ besser geworden“, findet Wurm, der Anfang Jänner aus der Akademie in St. Pölten den Weg nach Graz fand. Gesteigerter Konkurrenzkampf bedeutet die Notwendigkeit, sich noch mehr strecken zu müssen, um sich durchzusetzen. In der Folge oben bei der Einser anzuklopfen, ist wieder ein anderes Thema.
„Es liegt in der Natur der Sache, dass es alle wollen, aber nicht alle schaffen werden. Da machen wir den Spielern auch nichts vor. Denkt man an eine Pyramide, wird an der Spitze die Luft immer dünner“, erläutert Wurm. Dieser Verdrängungswettbewerb greift umso mehr, wenn man für den österreichischen Meister ausbildet. Entsprechend hält der 32-Jährige potenzielle Umwege über andere Bundesligisten oder ambitionierte Zweitligisten als gute Alternativen. Nichts hält er von der Vorgabe, dass es so oder so viele Talente pro Jahr nach oben schaffen müssen: „Quotenregelungen sind sehr limitierend. Dafür ist die Thematik auch zu komplex.“ Kein Trainer werde jedoch wegschauen, wenn sich ein Spieler aufdrängt.
Zwei Talente aus Frankreich
Sturm verfolgt bei der „Zweier“ weiter die Strategie, neben internen auch auf externe Talente zu setzen. „Werden Talente aus dem Ausland geholt, muss natürlich die Fantasie da sein, dass sie bei uns Karriere machen“, sagt Wurm, der in dieser Saison mit Wisler Lazarre und Ismael Jabateh zwei Juwelen aus Frankreich schleifen soll. „Das wird mindestens ein Jahr dauern“, glaubt der Trainer, „es wird davon abhängen, wie schnell sie unseren Spielstil annehmen und wie gut es ihnen gelingt, sich zu integrieren.“ Ersteres ist für Neuzugänge in Graz immer wieder eine Herausforderung, in Sachen Ankommen in der Wahlheimat versucht der Verein so gut wie möglich zu helfen.
Während Jabateh als Innenverteidiger physisch sehr gute Voraussetzungen mitbringt, sieht Wurm in Lazarre einen hochveranlagten Achter/Zehner: „Aber er kommt aus dem Jugendfußball, da muss er in den nächsten Wochen und Monaten adaptieren. Aber vom Skillset bringt er richtig viel mit.“
Bereits über Erfahrung im Erwachsenenfußball verfügen mit Kristjan Bendra und Luca Morgenstern zwei weitere Neuzugänge. Morgenstern weist mit nur 17 Jahren bereits 50 Spiele für den FC Lendorf in der Kärntner Liga auf. „Mit seiner Körpergröße von 1,99 Metern ist er mit seinem markanten Profil sofort ins Auge gestochen“, meint Wurm über den defensiven Mittelfeldspieler, „auch menschlich bringt er sehr viel mit, ist sehr fokussiert und enorm ehrgeizig.“
Rechtsverteidiger Bendra setzt die Tradition von Liefering-Spielern bei Sturm fort. „Da er in Salzburg ausgebildet wurde, passt er sehr gut zu unserer Spielidee. Die hohe Laufrate, das Arbeitspensum, das Vorwärtsverteidigen und das Gegenpressing sind bei ihm in Fleisch und Blut übergegangen“, lobt Wurm, der mit Jakob Ploner einen weiteren Salzburg-Youngster (ohne Liefering-Erfahrung) willkommen heißt. Mit Tormann Nils Donat rundet ein früherer Schützling aus St. Pölten den Talente-Import ab.
Ein deutscher Routinier
Dazu gesellt sich mit dem Deutschen Barne Pernot ein 26-jähriger Deutscher, der im Kader als ein Häuptling vorangehen soll. „Barne füllt diese Rolle bisher richtig gut aus“, berichtet Wurm und unterstreicht: „Jeder will Profi sein, aber du musst erst einmal Profi werden. Dazu gehört von der professionellen Trainingsvorbereitung und -nachbereitung, genügend Schlaf, der richtigen Ernährung oder dem Auftreten viel dazu.“
Der Übergang in den Erwachsenenfußball ist generell eine Herausforderung. Soll es fernab der Heimat und versehen mit dem Label, eine kolportierte Ablöse von einer Million Euro gekostet zu haben, gelingen, kann es umso diffiziler werden. Man denke an Winter-Neuzugang Daniel Sumbu, der sich in seinen ersten drei Monaten bei Sturm II trotz seines Triplepacks gegen die Vienna nicht wie erhofft entwickelt hat. Mittlerweile sei der Stürmer in der Spielidee angekommen: „Man erkennt immer wieder lichte und richtig spannende Momente, aber noch zu selten und nicht konstant genug.“ Vom Thema Ablöse müssten sich Spieler lösen, weil sie darauf ohnehin keinen Einfluss hätten: „Was sie beeinflussen können, ist die tägliche Arbeit am Platz. Da müssen sie ans Maximum gehen.“
Dabei helfen soll der routinierteste „Neuzugang“. Der langjährige Publikumsliebling Jakob Jantscher bringt als Co-Trainer bislang fehlende Profiperspektive in den Betreuerstab ein. Zudem arbeitet der 36-Jährige mit den Stürmern und an den Standards. „Da merkt man seinen Impact schon nach kurzer Zeit“, schildert Wurm, der generell schwärmt: „Ich glaube, dass wir mit Jakob das letzte Puzzlestück gefunden haben, um das Optimum im Sinne der Spielerentwicklung rauszuholen.“ Und genau darum geht es ja bei Sturm II.