Ein klein wenig wirkte es wirklich wie eine improvisierte Amtsübergabe. Im unteren Stockwerk im Trainingszentrum des SK Sturm in St. Peter räumten gerade Cheftrainer Christian Ilzer und seine Co-Trainer Uwe Hölzl und Dominik Deutschl („Das fällt richtig schwer. Mit seiner eigenen Mannschaft, von der man von klein auf Fan ist, diese Erfolge zu feiern, ist auf ewig unvergesslich“) ihre Sachen aus und drehten eine letzte Runde an alter Wirkungsstätte. Bei der kolportierten Ablösesumme in Höhe von drei Millionen Euro für Ilzer, Hölzl und Deutschl, ist auch Marco Angeler inbegriffen. Der Athletiktrainer soll aber erst etwas später nach Hoffenheim wechseln. „Bei der Verabschiedung mit der Mannschaft sind schon Tränen geflossen“, meinte Hölzl, „ihr wisst, wie gut meine Beziehung zur Mannschaft ist“ – und die Augen wurden wieder glasig. Kein Wunder, verlässt der legendäre Honigdachs doch seinen schwarz-weißen Bau.

Oben, im Besprechungsraum, setzten sich derweil schon der neue Trainer der Schwarz-Weißen zusammen mit Präsident Christian Jauk und Wirtschafts-Geschäftsführer Thomas Tebbich an den Tisch: Jürgen Säumel, aktuell Trainer von Sturm II und Ex-Kapitän des SK Sturm, wird am Montag erstmals die Kampfmannschaft trainieren.

Dabei wurde der Abgang von Christian Ilzer in die deutsche Bundesliga zur TSG Hoffenheim, den die Kleine Zeitung schon am Donnerstag als fix vermeldete, erst später von beiden Seiten um 15 Uhr offiziell gemacht. Da packte Ilzer mit seiner Frau gerade jene drei Kartons ins Auto, die er aus Graz mitnimmt. „Ich wollte mir bei meinem Amtsantritt einen Platz in der Historie des SK Sturm erarbeiten. Ich hoffe, das ist mir gelungen“, richtete der mit einem Punktedurchschnitt von 1,85 in 195 Pflichtspielen erfolgreichste Sturm-Trainer den schwarz-weißen Fans in einer Videobotschaft zum Abschluss aus. Keine Überraschung.

Ganz überraschend kommt auch die Bestellung von Jürgen Säumel nicht. Ebenso wenig wie der Zusatz „interimistisch“. Denn: Sturm hat nun innerhalb von sechs Wochen beinahe die gesamte Spitze der sportlichen Kompetenz verloren. Aber ohne neuen Sport-Geschäftsführer kann man aktuell wohl kaum einen neuen Trainer verpflichten. Säumel hat sich bei Sturm II für höhere Weihen empfohlen. Mit seinem Team – der Ex-Sturm-Kapitän nimmt seinen „Co“ Michael Madl, einst ebenso Sturm-Kapitän, in die Bundesliga mit, dazu kommt Damen-Trainer Sargon Duran (Säumel: „Ein echter Taktik-Nerd für uns“).

Wie sich Säumel, der früher den in Graz gut bekannten Franco Foda und Markus Schopp assistierte, selbst beschreibt? „Man schaut sich von vielen Trainern etwas ab, man arbeitet im Detail, entwickelt sich als Trainer. Man gibt Gas, investiert viel, ich bin sehr ehrgeizig, ich freue mich über die Chance und will diese nützen, um mich weiter zu empfehlen.“ Dagegen hätte auch der Sturm-Präsident nichts. „Ich würde mir wünschen, dass Jürgen mit seiner Arbeit auch den künftigen Sport-Geschäftsführer überzeugen kann“, sagt Jauk.

Dass Säumel den aktuellen Bundesliga-Tabellenführer und regierenden Doublesieger übernimmt, ist auch für den Murtaler etwas Besonderes: „Es gibt sehr viele Dinge, die gut sind, die werden wir beibehalten. Wichtig ist, dass die Mannschaft hungrig ist, den Eindruck habe ich. Nach schwierigem Start und Vorjahr so eine Saison zu spielen, das ist nicht selbstverständlich.“