Manche Menschen Urlauben Jahr für Jahr am selben Ort. Das gibt ihnen Sicherheit. Sie entspannen in einem gewohnten Umfeld. Nicht so im Profi-Fußball. Bei Austria Klagenfurt wurde hingegen (fast) alles auf den Kopf gestellt. Und so müssen viele Akteure alles kennenlernen. Die Wege, die Kultur, die Atmosphäre, die Kollegen, die Trainer und Betreuer sowie ihren Arbeitsplatz. So bleibt ihnen nicht viel übrig, als auf ihre Qualität zu vertrauen.
Und exakt darauf scheinen die Waidmannsdorfer mit den Geschäftsführern Peer Jaekel und Günther Gorenzel abzuzielen, die aufgrund budgetärer Einschnitte auch dementsprechend in der Kaderplanung handeln mussten. „Wir haben junge, talentierte Spieler geholt. Sie erhalten die einzigartige Möglichkeit, ihre Karriere neu zu starten“, halten die Beiden fest. Andererseits werden bereits integrierte Akteure wie Jannik Robatsch mehr Verantwortung tragen. „Die Chance seine Lebens“, meint Gorenzel.
Es gilt für ihn, aber auch den Rest der Truppe große Fußstapfen nach Abgängen wie Philipp Menzel, Andy Irving, Sinan Karweina oder Nico Wimmer aufzufüllen. Gorenzel: „Wir konnten heuer nicht mehr über die finanziellen Mitteln der letzten Jahre verfügen. Andererseits: Unser Mannschaftsrat blieb unverändert, das bedeutet die Routiniers sind da. Sie haben genug Persönlichkeit, um den Jungen halt zu geben. Eine Verjüngung war angesichts des Budgets aber alternativlos.“ Und so lautet die Kernfrage: Wie schnell können die vielversprechende Talente wie Philipp Wydra oder Torhüter Simon Spari integriert werden.
Diesbezüglich wird Trainer Peter Pacult gefragt sein, der aber zugibt: „Es war ein radikaler Schnitt, das ist schon extrem und hart.“ In den nächsten Wochen wird er nicht nur gefordert sein, die Spieler physisch auf eine Linie zu bringen. „Manche sind Bundesliga-Profis, andere haben nur vier Mal die Woche trainiert. Uns bleibt sechs Wochen Zeit, dürfen sie nicht gleich zu Beginn verheizen.“ Sondern Pacult muss auch innerhalb der Mannschaft eine Ordnung herstellen, sodass sich alle an die zu den Namen passenden Gesichter schnell gewöhnen. „Wie müssen miteinander spielen, gegeneinander auch – es findet ja ein Kampfs ums Leiberl statt. Und es braucht gute Vorbereitungsspiele.“ Hinsichtlich Trainings-Planung warten allerdings ein paar Herausforderungen. So trainieren die Violetten derzeit im Stadion. Danach muss sogar zu Pädak übersiedelt und wegen des „Rammstein“-Konzerts wird es auch in der Kabine enger.
Routiniers geben Orientierung
Große Verantwortung gilt es also für Stützen wie Christopher Cvetko zu schultern, um die Entwicklung voranzutreiben. Bereits zum Auftakt dirigierte er die Reihen, fühlt sich in dieser Rolle sichtlich wohl und wird neben Thorsten Mahrer, Marco Knaller, Florian Jaritz, Kosmas Gezos oder Christopher Wernitznig zu jenen Spielern gehören, die Orientierung geben. „Jeder Spieler muss wissen, was wir wollen. Die Austria hat immer ausgezeichnet, dass wir als Mannschaft, als Einheit aufgetreten sind. Das war unsere Stärke, das wird heuer noch wichtiger sein.“
Abgeschlossen sei die Kaderplanung jedoch noch nicht, wie Gorenzel bekräftigt. Schließlich fängt die Saison der Leihgeschäfte, wovon die Austria immer wieder profitiert hatte, erst Mitte des Sommers. Sein Plan: „Links Außen und im defensiven Mittelfeld wollen wir noch mehr Kadertiefe erreichen.“ Erst am 5. September schließt sich das Transferfenster. Das Ziel sei klar: „Wir wollen einen Abstieg verhindern. Je früher das geschieht, desto besser“, so Peer Jaekel.
Hauptsponsor? Im Hintergrund wurde mit Hochdruck gearbeitet. „Die Dressen werden auf der Brust nicht blank bleiben“, verspricht Jaekel, der hinsichtlich Mannschaftsgefüge mit Gorenzel voll und ganz auf die magischen Fähigkeiten von Pacult vertraut. „Wenn das einer kann, dann er.“ Und als hätte es der Wiener geahnt, hat auch er in seinem Urlaub neue Wege beschritten. Nicht Griechenland, Italien oder Kroatien. Er hat die ruhige Zeit zu Hause verbracht.