Am 28. Februar starteten die USA und Israel eine großangelegte Militäroperation gegen den Iran; dabei wurde der oberste Führer Ajatollah Ali Khamenei getötet. Noch am selben Tag wurden die ersten Einschläge und Explosionen am späten Nachmittag in Dubai, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), gemeldet. Die Regierung im Iran setzte so zum Gegenschlag an. Mittendrin befindet sich auch Alexandra Osep aus Ruden, die bereits seit sieben Jahren in Dubai lebt und als persönliche Assistentin beziehungsweise Assistentin der Geschäftsführung für die oberste Schicht arbeitet – wir berichteten.

Osep und ihr doch verängstigter Hund am ersten Tag der Abwehr
Osep und ihr doch verängstigter Hund am ersten Tag der Abwehr © KK/Privat

„Ich war zufällig auf Facebook, als jemand unmittelbar gepostet hat, dass die erste Attacke auf Abu Dhabi als Reaktion auf den Angriff im Iran begonnen hatte. Ab diesem Moment wusste ich, dass es ernst wird“, berichtet die 31-Jährige. Für sie selbst war der erste Tag der schwierigste, vor allem wegen der Ungewissheit. „Wir sind hier keine Kriegsgeräusche gewohnt. Als Drohnen und Raketen abgefangen wurden, klang das für viele von uns – besonders für Österreicher oder Deutsche – zunächst wie Einschläge. Denn es hört und fühlt sich tatsächlich so an, wenn diese durch das Abwehrsystem über einem zertrümmert werden. Danach wurde es ruhiger, weil man gemerkt hat, dass die VAE die Lage im Griff haben und das Abwehrsystem funktioniert", sagt Osep.

Treffen mit Freunden am ersten Tag „zur Ablenkung“
Treffen mit Freunden am ersten Tag „zur Ablenkung“ © Kk/privat

Geholfen hat ihr auch die kulturelle Vielfalt in den Emiraten. „Menschen aus dem Libanon, Syrien oder der Ukraine, die leider Kriegserfahrung haben, konnten uns relativ schnell erklären, dass diese Geräusche vom Abfangen stammen und nicht von Einschlägen. Diese gegenseitige Unterstützung hat mir persönlich sehr geholfen“, betont Osep, die auch aufgrund der Nähe zu ihrer Wohnung den Drohnenangriff auf das US-Konsulat in der Nacht auf den 4. März mitbekommen hat.

Doch auch weitere Vorgehensweisen helfen ihr in der aktuellen Situation: „Die Kommunikation war sehr strukturiert und ruhig. Es gab keine Panikbotschaften, sondern sachliche und klare Updates. Das schafft Vertrauen.“ Denn auch wenn ihre Gefühle zwischen Sorge und Nachdenklichkeit schwanken, steht für die Völkermarkterin vor allem das Gefühl der Verbundenheit im Vordergrund. „Mich beeindruckt der Zusammenhalt der Menschen, egal woher man kommt. Ich lebe seit sieben Jahren hier. Das ist für mich kein Urlaubsort, sondern mein Zuhause“, so Osep, die dadurch in den VAE nicht nur einen Wirtschaftsstandort, sondern auch die echte Gemeinschaft sieht.

Absolute Panik habe sie vor allem bei Touristen wahrgenommen: „Das ist für mich natürlich verständlich, denn diese möchten einfach zurück in ihre Heimatländer. Doch neben Einheimischen merke ich auch bei wohlhabenderen oder einflussreicheren Personen keine überstürzten Reaktionen. Es werden keine hektischen Ausreisen organisiert.“ Mit der Kommunikation der Regierung ist sie durchaus zufrieden. „Es verläuft sehr strukturiert. Wir erhalten Warnmeldungen aufs Handy, wenn wir vorsorglich zu Hause bleiben sollen. Ich persönlich merke, dass das Krisenmanagement hier nicht improvisiert wird, sondern vorbereitet ist. Die Abläufe wirken eingespielt und professionell. In so einem überschaubaren Land lassen sich die Ereignisse ohnehin nicht verbergen“, erklärt die Auswanderin, die aktuell versucht, Autofahrten zu vermeiden und mit ihren Hunden eher kürzere Spaziergänge zu erledigen.

Damit spielt Osep auch oft die manchmal falsche Berichterstattung der Medien außerhalb der VAE an. „Von außen wird die Situation oft sehr zugespitzt und emotional dargestellt. Vor Ort erleben wir jedoch Struktur, Stabilität und Zusammenhalt. Viele vergessen, dass hier ganz normale Menschen leben, arbeiten und ihre Familien haben. Es geht nicht um Schlagzeilen, sondern um Alltag und Sicherheit“, klärt sie auf.

So kursieren mehrere Fake News im Internet, darunter auch, dass Burj Khalifa getroffen worden sei. „Das stimmt alles nicht. Dubai hat auch Gesetze, dass Fake News nicht verbreitet werden dürfen, weil so noch mehr Panik ausbrechen würde, was ich persönlich gut finde“, sagt Osep, die auch Bekannte in Bahrain und Katar hat und berichtet, dass auch dort keine Panik herrsche. Das sei nur ein Grund, weshalb man aktuell keine Bilder und Videos vor Ort teilen sollte: „Dazu zählen beispielsweise auch Aufnahmen von Abwehrschüssen, weil es dann verraten würde, wo die Systeme stationiert sind.“

Auch wenn sich Osep in Dubai sicher fühlt, zeigt sich ihre Familie in Österreich natürlich besorgt. „Wir telefonieren regelmäßig und dadurch merken sie selbst, dass es mir gut geht“, erklärt die Völkermarkterin. Eine Rückkehr nach Österreich ist für die 31-Jährige aktuell keine Option: „Wenn es so bleibt wie es aktuell ist, sehe ich keinen Grund. Auch wegen meiner Hunde, die ich niemals zurücklassen würde, ginge eine sofortige Ausreise nicht. Denn egal ob Krisensituation oder nicht – es gibt bestimmte Bedingungen in Flugzeugen für Tiere“, und ergänzt: „Die Art und Weise der Kommunikation gibt mir Vertrauen, denn ich fühle mich informiert und geschützt.“

Für in Dubai gestrandete Touristen könnte es am Donnerstag, dem 5. März, erstmals wieder einen Flug nach Österreich geben. Ob dieser tatsächlich stattfinden wird, ist jedoch unsicher.