Zehntausende Urlauber sitzen in der Nahost-Krisenregion fest – nun läuft der Flugverkehr zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Deutschland langsam wieder an. Ein erstes Flugzeug der emiratischen Airline Emirates aus Dubai ist nach den vielen Flugausfällen nun in Frankfurt am Main gelandet. Der Linienflug landete um kurz nach 13.30 Uhr, wie ein dpa-Fotograf beobachtete. Die Airline äußerte sich zunächst nicht dazu, wie viele Passagiere an Bord waren.
Die Vereinigten Arabischen Emirate bieten nach den Stornierungen der vergangenen Tage Sonderflüge für gestrandete Passagiere an. Emirates erklärte, zunächst Reisende mit bestehenden Buchungen bevorzugt zu berücksichtigen. Umgebuchte Kundinnen und Kunden würden direkt informiert.
Eine Sondermaschine der Fluggesellschaft Emirates aus Dubai soll heute Abend am Münchner Flughafen ankommen. Der Flug „EK 8051“ soll gegen 19.30 Uhr in München landen, wie ein Flughafensprecher auf Anfrage mitteilte. An Bord sind nach Angaben eines Sprechers des Reisekonzerns TUI voraussichtlich rund 200 TUI-Gäste.
Erste Rückholflüge für Urlauber geplant
Gleichzeitig arbeiten deutsche Reiseveranstalter und die Regierung an der Rückreise festsitzender Urlauber. Aus Sicht der Branche kommt es vor allem darauf an, die Menschen vor Ort erreichbar zu halten und verlässlich zu informieren: „Es geht darum, die Gäste zu beruhigen, Sachlichkeit, transparente Kommunikation mit ihnen zu haben, damit eben keine Panik ausbricht“, sagte Anke Budde, Präsidentin der Allianz Selbstständiger Reiseunternehmen, im rbb-Inforadio. Derzeit werde ein großer Aufwand betrieben, um Reisende aus der Region wieder nach Hause zu holen. Zugleich warnte sie vor wirtschaftlichen Folgen, da mit Dubai und Doha wichtige internationale Drehkreuze ausfallen könnten. „Es herrscht eine große Unsicherheit.“
TUI rechnet damit, weitere im Nahen Osten festsitzende Kunden binnen einiger Tage zurückzuholen. Geplant sei, die Urlauber mit Partner-Airlines wie Qatar Airways, Etihad und eben Emirates nach Deutschland zurückzubringen, sagte Vorstandschef Sebastian Ebel bei n-tv. „Wir gehen aktuell davon aus, dass wir die ersten Flüge mit diesen Unternehmen und unseren Gästen heute durchführen können“, hatte Ebel gesagt, ehe der Konzern bekanntgab, dass die Emirates-Maschine mit TUI-Gästen am Abend in München landen würde. Weitere Maschinen seien nach München vorgesehen. Zudem stünden eigene TUI-Fly-Flugzeuge bereit, „sobald wir die Erlaubnis bekommen“.
Ebel zufolge steht TUI mit nahezu allen Betroffenen in Kontakt. „Wir sind mit fast 100 Prozent der Gäste über die App in Kontakt“, sagte er. Wie lange die Rückholung dauere, hänge von der Sicherheitslage ab. „Das ist heute seriös nicht genau vorherzusagen.“ Er rechne aber mit „einigen Tagen“.
Die Anzahl der TUI Österreich Gäste in den betroffenen Gebieten ist nach Angaben des Reiseveranstalters sehr gering. Diese würden vorrangig mit Fluggesellschaften zurückkehren, die im Rahmen ihrer Pauschalreise gebucht wurden. Zudem prüfe man Sonderflüge, hieß es seitens TUI Österreich gegenüber der APA.
Deutscher Reiseverband warnt vor Handeln auf eigene Faust
Auch der Deutsche Reiseverband (DRV) setzt auf enge Abstimmung mit Behörden. „Die Sicherheit der Reisenden und der Partner vor Ort hat stets oberste Priorität“, sagte DRV-Sprecher Thorsten Schäfer im Deutschlandfunk. Solange Lufträume gesperrt seien, gebe es „keine Möglichkeit, Flüge anzubieten“. Man stehe „im ständigen Kontakt mit den lokalen Partnern, mit den Sicherheitsbehörden und mit dem Auswärtigen Amt“. Pauschalreisende seien in ihren Hotels untergebracht - das sei „der Vorteil der Pauschalreise“. Schäfer bekräftigte die Empfehlung des Auswärtigen Amts, „im Hotel zu bleiben und sich nicht auf eigene Faust in ein anderes Land oder zum Flughafen zu begeben“.
Das Auswärtige Amt bereitet nach Angaben von Außenminister Johann Wadephul die Rückholung besonders schutzbedürftiger Personen aus der Region vor. Geplant sind demnach gecharterte Maschinen in die Hauptstädte Riad (Saudi-Arabien) und Maskat (Oman). Grundsätzlich sieht die Bundesregierung jedoch Reiseveranstalter und Fluglinien in der Pflicht, ihre Kunden zurückzubringen.
Wadephul sieht Reiseverkehrsunternehmen in der Pflicht
Das Bereitstellen von Flügen für besonders vulnerable Gruppen sei „das Mittel zweiter Wahl“, sagte Wadephul. „An allererster Stelle müssen natürlich die Reiseverkehrsunternehmen hier eintreten. Und an dritter Stelle, wenn all das nicht reichen sollte, dann würden wir gegebenenfalls auf die Bundeswehr zurückgreifen.“ Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums hatte zuvor erklärt, die Bundeswehr sei „wirklich das letzte Mittel der Wahl“.
Nach Angaben des DRV sind derzeit allein rund 30.000 Kunden deutscher Reiseveranstalter betroffen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts nannte dies „eine einigermaßen verlässliche Größe“. Seit der jüngsten Eskalation sitzen Zehntausende fest - weil Lufträume geschlossen wurden oder Flughäfen in der Region als Drehkreuze ausfallen.