„Wir wollen hier raus.“ Mit diesen Worten meldete sich Michael Gamper, Geschäftsführer der Getränkewelt in Nußdorf-Debant am Dienstag bei der Kleinen Zeitung. Er, Helmut Lanzer aus Nikolsdorf und 30 weitere Tiroler sind am vergangenen Samstag in die Kriegswirren im Nahen Osten geraten. Heimflug war an diesem Tag angesagt, nach einer Woche erholsamen Urlaubs mit Sonne, Sand, Meer und Sightseeing in der Tourismusmetropole Dubai. Sie hatten sich bereits am Flughafen des Emirats eingefunden. Und dann ging nichts mehr. Der Luftraum wurde gesperrt, und an Abflug war nicht mehr zu denken. Der Ausbruch des Iran-Kriegs führte zum größten globalen Flugchaos seit Beginn der Corona-Pandemie. Tausende Reisende aller Nationalitäten sitzen in einer Krisenregion fest, die zudem unter Irans Raketenbeschuss steht.

Die Anzeigetafeln am Flughafen sind leer
Die Anzeigetafeln am Flughafen sind leer © Gamper

Nach Stunden im Gewusel eines völlig überlasteten Flughafens, wo hunderte Urlauber gestrandet sind, wurden Gamper, Lanzer und die übrigen Tiroler in ein Hotel in der Nähe der berühmten Palmeninsel gebracht. Dort verbrachten sie drei Nächte. Am Dienstagvormittag stand die Gruppe wieder am Flughafen, wo die Anzeigen für Abflüge leer sind, kaum Personal unterwegs ist und keine Ansagen erfolgen. Gamper: „Wir haben uns beim Auswärtigen Amt gemeldet, für meine Begriffe geschieht da aber nichts. Bitte helft uns!“

Zwischen Airport und Hotel-Hopping

Dann gab es aber doch wieder Bewegung. Mittels der Fluglinie Emirates wurde die Tiroler Gruppe zu einem neuen Hotel transportiert. Diesmal nur zehn Minuten vom Flughafen entfernt. Gamper: „Damit wir schnell dort sind, wenn es einen Flug gibt“. Der Flughafen von Dubai ist inzwischen zeitweise wieder in Betrieb. Vereinzelte Maschinen haben dort am Dienstagnachmittag bereits Richtung Europa abgehoben. „Emirates Airline bemüht sich sehr um uns, wir werden bestens versorgt“, lobt Gamper. Die Vereinigten Arabischen Emirate übernehmen nach Behördenangaben angesichts der Eskalation zwischen Israel, den USA und dem Iran die Kosten für Unterkünfte von gestrandeten Passagieren im Land.

Als noch alles in Ordnung war: Michael Gamper beim Ausblick aus dem Burj Khalifa, dem höchsten Gebäude der Welt
Als noch alles in Ordnung war: Michael Gamper beim Ausblick aus dem Burj Khalifa, dem höchsten Gebäude der Welt © Gamper

Gamper: „Wir müssen schauen, dass wir hier wegkommen, bevor die Amerikaner weiter Iran angreifen und die Iraner wieder Vergeltungsschläge starten. Das macht den Rückflug zu einer Herausforderung.“ Angst, sagt Gamper, habe er keine. Die habe er auch in den letzten Tagen nicht gespürt. Vieles, das im Internet kursiere, sei totaler Blödsinn. „Natürlich gab es Explosionen, die zu hören waren. Am Montag sei die Luftabwehr von Dubai zu sehen und zu hören gewesen. Aber wir fühlen uns sicher.“

Auch die Koffer türmen sich am Flughafen
Auch die Koffer türmen sich am Flughafen © Gamper

Ruhe und Kraft sind wichtig

Gamper lässt auch wissen, dass er nicht zum ersten Mal in eine derartige Situation geraten ist. „1997 in Israel, da gab es einen Anschlag auf die Klagemauer in Jerusalem. Danach herrschte Ausnahmezustand und vier Tage Hotelzimmer waren angesagt.“ Aus Erfahrung heraus seien Ruhe und Kraft wichtig – und dass die Gruppe immer zusammenbleibe. Im Hotel wird die Wartezeit derzeit mit Lesen, Schwimmen, Kraft tanken, Karten spielen und vielen Gesprächen mit den Reisenden überbrückt. „Als Unternehmer bin ich es gewohnt, zu motivieren, sowie ruhig und überlegt zu handeln“, lässt Gamper wissen.  Das Gebäude darf aber nicht verlassen werden.

München ist der vorgesehene Flughafen für den Rückflug. „Wien ist aber auch eine Möglichkeit oder eine andere europäische Destination“. Es gilt: Hauptsache raus. Dahin, wo man sicher zu landen kommt und danach zurück nach Osttirol kann.