Zehn Jahre lang war Iris Thosolds mittlerweile verstorbene Mutter an Demenz erkrankt. „Ich habe zwei Geschwister, wir waren zu dritt im Dauereinsatz, mussten auch unseren Vater stützen. Meine Mama hat das Bügeleisen angelassen, ist fortgelaufen, hat psychotische Probleme gehabt. Sie hat Menschen gesehen, die sie getreten haben, ist in der Nacht aufgestanden“, erzählt die ehemalige Weizer Vizebürgermeisterin.

24-Stunden-Betreuung kostet monatlich 3000 Euro aufwärts, so Thosold. „Wer kann sich das leisten? Erst ab Pflegestufe drei gibt es eine Förderung vom Bund. Für einen Heimplatz braucht es heute Pflegestufe vier. Wenn man alt und krank ist, hat man das Recht, die Unterstützung zu bekommen, die einem gebührt. Meine Mutter hat drei Kinder großgezogen, sieben Enkel betreut und zwei Menschen bis zu ihrem Tod gepflegt.“

Emotional schilderte Thosold die Erkrankung ihrer Mutter und den Kampf um das Pflegegeld.
Emotional schilderte Thosold die Erkrankung ihrer Mutter und den Kampf um das Pflegegeld. © KLZ / Nicole Stranzl

Deswegen beantragte sie Pflegegeld bei der Pensionsversicherungsanstalt (PVA). Dabei habe sie jedoch mehrfach negative Erfahrungen gemacht. Über diese sprach sie bei einer von ihr ins Leben gerufenen Veranstaltung im Hannes-Schwarz-Saal in Kunsthaus Weiz am Dienstagabend. Das Interesse war groß, der Saal war berstend voll.

Um Pflegegeld gekämpft

Bei der ersten Begutachtung für das Pflegegeld waren Thosolds Eltern allein zu Hause. „Wir haben 20 Stunden bewilligt bekommen“, zeigt sie sich heute noch fassungslos. Sie reichte eine Klage ein. „Der zweite Gutachter hat 69 Pflegestunden mehr befunden.“

Innerhalb von eineinhalb Jahren und mit mehreren Klagen bekam Thosolds Mutter die Stufe sechs zugesprochen. „Ihr Zustand hat sich dabei nicht viel verändert. Ich bezeichne das als Willkür“, resümmiert die ehemalige Vizebürgermeisterin und heißt das Publikum an: „Scheuen Sie sich nicht, einen Pflegegeldantrag zu stellen. Es geht um viel Geld.“

Zu der Veranstaltung lud Thosold die auch PVA ein, doch diese sagte ab. Dafür anwesend war mit Yvonne Pöschl-Stimitz eine Juristin der Arbeiterkammer, die unter anderem folgende Fragen beantwortete: Was ist Pflegegeld? Wem steht es zu? Wie beantragt man es?

Weitere Vortragende des Abends ist Edith Fuchsbichler, Frauensekretärin des Österreichischen Gewerkschaftsbunds (ÖGB), die – passend zum Weltfrauentag am 8. März – die Probleme benennt, mit denen Frauen zu kämpfen haben. Immer noch übernehmen sie einen großen Teil der Pflege von Angehörigen, so die Expertin, und somit die „ungesehene und unbezahlte Arbeit“.

Mehr Männerbeteiligung gefordert

Fuchsbichler fordert bessere Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte, einen Ausbau der Pflegeinfrastruktur sowie höheres Pflegegeld. „Es braucht auch einen gesellschaftlichen Wandel und mehr Männerbeteiligung, das Aufheben von traditionellen Rollenbildern.“ Denn solange Frauen überwiegend die Sorgearbeit übernehmen, sei es bei Kindern oder zu pflegenden Personen, werden sie stets finanzielle Einbußen erfahren, sei es durch Teilzeitarbeit oder durch Einschläge in der Pension, so Fuchsbichler.

Das Publikum beteiligt sich rege in der Diskussionsrunde. Thosold gibt noch mit auf den Weg: „Am besten ist, man schreibt sämtliche Pflegetätigkeiten mit.“

Aus dem Publikum kamen einige Fragen.
Aus dem Publikum kamen einige Fragen. © KLZ / Nicole Stranzl