„Plötzlich kam das weiße Auto auf uns zu, scherte auf unsere Spur herüber. Ich sagte noch zu meinem Mann: ‚Ist der wahnsinnig?‘ Dann wurden wir über die Böschung geschleudert.“
Bei der darauffolgenden verheerenden Frontalkollision auf der B 74 in Kaindorf an der Sulm wurde das Ehepaar schwer verletzt. Sowohl Lenker als auch Beifahrerin kämpfen noch heute mit Spätfolgen.
Mit zwei Promille gefahren
Verursacht hat den Unfall im Juni eine 49-jährige Südsteirerin. Mit zwei Promille am Steuer, wie der Gutachter berechnet hat. Angeklagt wegen fahrlässiger Körperverletzung nimmt die Hausfrau nun zur strafrechtlichen Aufarbeitung vor Richter Andreas Rom in Graz Platz. „Wie viel haben Sie konsumiert?“, will der Vorsitzende wissen. – „Vier Bier hab‘ ich daheim getrunken“, sagt die Unglückslenkerin, „dann hab‘ ich mich hingelegt“. Hintergrund seien private Probleme gewesen. „Und Sie haben gedacht, diese Probleme können Sie mit dem Alkohol betäuben?“, hinterfragt der Richter. – „Ja.“
Kein Grund für die Autofahrt
Warum die Frau ins Auto gestiegen ist? „Ich hatte eigentlich keinen Grund wegzufahren. Ich weiß es nicht.“ Als ihr Fotos des Unfalls präsentiert werden, dreht sich die Frau rasch weg: „Bitte nicht. Ich kann das nicht mehr anschauen“, sagt sie. – „Sie haben das aber verursacht“, meint die Staatsanwältin. „Es war Glück, dass Sie mit dem Unfall nicht zwei Menschenleben ausgelöscht haben“, ergänzt der Richter.
„Am ersten Tag nach meinem Spitalsaufenthalt hab ich den Mann sofort angerufen“, erklärt die Angeklagte. Das Unfallopfer gibt sich damit nicht zufrieden: „Sie fragte mich, wie‘s mir geht. Na wie soll‘s mir mit einem Lendenwirbelbruch gehen? Dann sagte sie nur, dass sie beim Unfall stockbesoffen war.“
„Viele Schutzengel“
Das Ehepaar weiß: Glück habe man gehabt, dass das Auto so stabil gewesen sei. „Erst als mich die Feuerwehr aus dem Auto schnitt, war ich wieder bei Bewusstsein“, schildert der verunglückte Niederösterreicher. „Überlebt haben wir natürlich auch dank der vielen, vielen Schutzengel“, fügt seine Gattin hinzu. „Mich holte eine Passantin raus, ich war in einem Schockzustand und bekam keine Luft.“
Weil noch Fragen zum exakten Unfallhergang geklärt werden müssen, wird der Prozess für die Einvernahme der Polizisten vertagt.