Nach "Vollgas"-SMS Das Kreuz zwischen Kirche und ÖVP

Eine schwierige Beziehung ist in dieser Karwoche um eine Facette reicher: Die zwischen der katholischen Kirche und der ÖVP. Der Grund für die aktuelle Anspannung liegt zwei Jahre zurück. Doch das Verhältnis ist schon länger strapaziert.

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Bundeskanzler Sebastian Kurz mit Kardinal Christoph Schönborn im November 2020 in Wien. © (c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
 

Im Zuge der sichergestellten Handynachrichten von Thomas Schmid, dem heutigen Chef der Staatsholding Öbag, wurde öffentlich, was der im März 2019 vor einem Termin mit dem Generalsekretär der Bischofskonferenz mit Sebastian Kurz getextet hatte: „Heute ist die Kirche bei uns“, schrieb Schmid an Kurz: „Wir werden Ihnen ein ordentliches Package mitgeben.“ Und Kurz antwortete: „Ja super. Bitte Vollgas geben.“

Was genau bei dem Treffen passierte, ist nicht dokumentiert. Schmid rapportierte danach allerdings, dass man davon gesprochen hatte, Steuerprivilegien zu streichen und Förderungen zu kürzen. Der Kirchenmann „war zunächst rot dann blass dann zittrig“, schrieb Schmid. Der Kanzler bedankte sich: „Super danke vielmals!!!! Du Aufsichtsratssammler :)“

Ist die Kirche undankbar?

In der ÖVP erzählt man sich, dass man nicht daran dachte, der Kirche tatsächlich Privilegien zu nehmen. Es sei eher darum gegangen, „an die Vorteile zu erinnern“, sagt einer, der nahe dran ist. Beim betroffenen Kirchenvertreter hat sich Kurz dem Vernehmen nach persönlich entschuldigt. Für Caritas-Präsident Michael Landau geht das nicht weit genug. Er forderte am Freitag eine öffentliche Entschuldigung des Kanzlers.

Fakt ist: Keine Partei pflegt so enge Kontakte mit der katholischen Kirche, wie die ÖVP. Und auch unter Sebastian Kurz wird Wert darauf gelegt. Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka lädt jährlich zum gemeinsamen Beten im Parlament. Die Politische Akademie gab erst im Vorjahr den Sammelband ,,Christlich-soziale Signaturen“ heraus. Darin ist ausdrücklich festgehalten: „Die neue Volkspartei baut ihren Wertekosmos auf einem christlich-humanistischen Weltbild auf.“

Kritik an Asyl-, Sozial-, und Wirtschaftspolitik

In Teilen der Basis und auch unter hochrangigen Funktionären kommt das aber anders an. Der langjährige Raiffeisen-General und Flüchtlingskoordinator Christian Konrad sagte in der Kleinen Zeitung bereits vor drei Jahren: „Die Frage, die mir öfter gestellt wird: Ist das noch eine christlich-soziale Partei? Ich sehe das nicht so. Es gibt zwar nach Langem wieder einen Kanzler, der in seinem Büro ein Kreuz hängen hat. Die Politik zwingt ihn offenbar dazu, in Fragen der Humanität anders zu sein.“

Konrads Kritik an der Asyl- und Migrationspolitik der ÖVP war stets flankiert von Stimmen der Caritas. Die beschränkt sich mit ihrer Kritik aber nicht darauf. Am Freitag kritisierte Michael Landau etwa auch Österreichs Rolle bei der Impfstoffverteilung.

24 Mitglieder beteiligen sich an dem Solidaritätsausgleich für die ins Hintertreffen geratenen Staaten. Österreich ist...

Gepostet von Michael Landau am Donnerstag, 1. April 2021

Als die ÖVP im Jahr 2018 erwog, die Mindestsicherung zu kürzen, warnten die Caritas-Direktoren „eindringlich vor einer schrittweisen Demontage des Sozialstaates“. Kein Blatt vor den Mund nahm sich die Bischofskonferenz, als es um die Arbeitszeit-Reform ging. Sie sei ein „Eingriff in die Wochenend- und Feiertagsruhe“ und „eine Geringschätzung des Familienlebens mit gravierenden Auswirkungen auf die gesellschaftliche Ordnung“.

Schönborn sah diktatorische Verhältnisse

Kurz bevor die veröffentlichten Nachrichten verfasst wurden, wandte sich Kardinal Christoph Schönborn im März 2019 an die Öffentlichkeit. Türkis-Blau plante eine „Sicherungshaft“ für Asylwerber, der Kardinal fand scharfe Worte: „In allen Diktaturen der Welt werden Menschen aus bloßem Misstrauen in Haft genommen. Morgen könnte es auch dich und mich treffen. So weit darf es nicht kommen!“

Zwölf Tage später saß sein Generalsekretär mit Schmid zusammen.

Lopatka: "Solche Fragen" besprochen

In der ÖVP hüllt man sich in der Karwoche angesichts der veröffentlichten Kommunikation in Schweigen. Nur Reinhold Lopatka, Nationalratsabgeordneter und Theologe sagt: „Das Verhältnis zwischen ÖVP und Kirche war immer geprägt von Verständnis, aber auch von Erwartungen, die beide Seiten nicht erfüllen können.“ Er sei selbst, als er Staatssekretär im Finanzministerium war, zu Terminen beim Kardinal gewesen, auch da seinen „solche Fragen“ besprochen. „Einen Chat herauszunehmen und daraus abzuleiten, dass Druck erzeugt wurde, halte ich für übertrieben“, sagt Lopatka. Und: „.Wenn Kurz sich persönlich entschuldigt hat, ist das vom christlichen Standpunkt her das Richtige.“

Kommentare (41)
a4711
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Schon vergessen ??

Ben Fitzgerald. Juni 2019
Wiener Stadthalle.
Du wirst um die Welt herumreisen um zu predigen, und um zu verkündigen
„Vater wir danken dir so sehr für diesen Mann. Für die Weisheit, die du ihm gegeben hast..
Deswegen hat er mit der Kirche nichts am Hut !
Gott sei es gedankt nimmer lange.
Halleluja

future4you
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Herr Bundeskanzler

es häufen sich Peinlichkeiten die eines Staatsmannes einfach unwürdig sind!

freeman666
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Egal welche Religion einfache Menschen verführt,

alle Kirchen sind unter dem Vorwand der Nächstenliebe nur auf den eigenen Vorteil bedacht.
Generell sinkt der Einfluss aller Religionen, denn Bildung und Wissen ist seit jeher besser als Glauben.
Speziell Frauen sollten diesen Männerclubs den Rücken kehren, denn in den größten Religionen hat sich die Unterdrückung und Wertschätzung seit dem Mittelalter kaum geändert.
Jede Kürzung der Zuwendungen und Steuerbevorteilung wird verbissen von Seiten der Kirche bekämpft, wobei das unfassbare Milliardenvermögen der (noch) größten Kirche in Österreich gut getarnt und steuerschonend versteckt wird.
Frohe Ostern - da sprudeln wieder die Profite der 💒

Civium
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Beichten gehen und

alles ist wieder gut!!

3010273KOHL
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Kurz

Armes primitives Lebewesen. Rhetorisch super sonst nix.

ee243b6222590d8eb3bfb1bdfc4e3525
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Mit Gott verglichen, sind wir alles primitive Lebewesen.

Mit Gott verglichen, sind wir alles primitive Lebewesen.

rontin
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SMS Nachrichten öffentlich zerfledert ...

... unglaublich, dass diese Nachrichten so in die Öffentlichkeit gelangen und dann womöglich aus dem Zusammenhang gerissen interpretiert und vor allem kommentiert werden ... das ist nicht wirklich demokratisch ... von mir aus sollen die vor Gericht zur Sprache kommen, aber doch bitte nicht dauernd in den Zeitungen ....

Flogerl
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Wie Sie ...

... an Ihren Bewertungen erkennen können, hält die Mehrheit nicht viel von fairen unabhängigen Gerichtsverhandlungen ! Da würde Ihnen das vorverurteilen und schimpfen weniger leicht fallen !

Immerkritisch
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Lopatka

..........

pwebhofer
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Macht

Das sind zwei Machtblöcke. Die brauchen und erhalten sich gegenseitig. Ihr werdet sehen. Das alles hat keine Auswirkungen. Wetten.

SoundofThunder
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😏

Es wird niemanden gelingen vom Thema abzulenken.

PetraChri
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Der Impfvordrängler Landau

braucht sich nicht zur Impfstoffverteilung aufregen!

Lodengrün
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Ist Kurz

schon geimpft?

Flogerl
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Nein.

Er drängt sich im Vergleich zu Landau nicht vor !

helmutmayr
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Christlich-soziale Signaturen

Man darf gespannt sein, wie lange es noch dauert bis es die ÖVP zerreißt. Da die türkisen Korrupteure die sich im "Selbedienungsladen ohne Kasse" holen was ihnen nicht zusteht. Inhuman und gierig.
Auf der andern Seite die alten christlich sozialen. Auf Dauer wird das nicht zusammen gehen.

himmel17
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Arbeiten abnehmen macht sich bezahlt

Hätte die Kirche in Österreich der Politik nicht unzählige Arbeiten und Verpflichtungen ständig abgenommen (Win-win-Situation) , wäre eine lupenreine Trennung zwischen Kirche und Staat - wie in Frankreich üblich - längst passiert. Privilegien werden aufgerechnet.

X22
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Stimme ihnen zu, nur der Vergleich mit Frankreich hinkt

In Frankreich ist für die Erhaltung der kirchlichen Einrichtungen (die vor 1905 errichtet wurden), die den Gemeinden kostenlos zur Verfügung gestellt werden, der Staat verantwortlich. Außerdem wurden im Laufe der Zeit, nach der Einführung des Laizismus, der Kirche steuerliche Begünstigungen gewährt.

himmel17
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Arbeit abnehmen macht sich bezahlt

Hätte die Kirche in Österreich der Politik nicht unzählige Arbeiten und Verpflichtungen ständig abgenommen (Win-win-Situation) , wäre eine lupenreine Trennung zwischen Kirche und Staat - wie in Frankreich üblich - längst passiert. Privilegien werden aufgerechnet.

SoundofThunder
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🤔

Die Katholiken sind die seltsamerweise diejenigen die die Scheinkatholische Heidenpartei wählen. Und Kritik kann Kurz nicht aushalten,das hat er mit Orban,Putin und Erdogan gemeinsam. Ordentliches Package eben. Parierst du nicht streichen wir deine Privilegien.

Pelikan22
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Und sie sind anscheinend ....

der liebe Gott und deshalb unfehlbar!

jg4186
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Die Katholiken wählen ...

Eine interessante Verallgemeinerung! Und diese sind immer schlecht. Pauschalurteile dieser Art sollte man nie machen. Weil Verallgemeinerungen dieser Art nie stimmen können.

Landbomeranze
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Sound

eben.

UHBP
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In der ÖVP erzählt man sich, dass man nicht daran dachte, der Kirche tatsächlich Privilegien zu nehmen. Es sei eher darum gegangen, „an die Vorteile zu erinnern“, sagt einer, der nahe dran ist.

Wahrscheinlich wollte man nur, dass die Kirche Basti heilig spricht.

Immerkritisch
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Ist

er das nicht schon?????

Pelikan22
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Das geht aber nicht zu Lebzeiten!

Nur Geduld! Er wird noch manches überleben!

iMissionar
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Vorsicht, liebe Kleine

Ebensowenig wie man euch - auf Basis des „Katholischen Pressvereins“ - unterstellen möchte, ein tägliches Sonntagsblatt mit besserer Auflage zu sein, sollte man skurrile Mutmaßungen in Meinungsartikel packen. Es ist wohl legitim in einem säkularisierten Land alle Vorteile, die Religionsgemeinschaften genießen, periodisch einer Überprüfung zu unterziehen. Dass sich vor allem Caritas und ihr aktueller Leiter gerne als „Präsident“ und einzig moralische Instanz präsentieren, ist eine Blamage die sie selbst zu verantworten haben. Es ist mir als finanzieller Unterstützer von Caritas-Projekten ein Gräuel, dass sie seit 2015ff zunehmend als parteipolitische Partei agitieren. Wer sich als politischer Akteur sieht, kann sich nicht nach Belieben auf die Position einer christlichen Hilfsorganisation zurückziehen - das ist eine Unredlichkeit, die ich leider vermehrt missbilligend betrachten muss.

 
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