Alljährlich ermittelt das Internetportal International Living die weltweit attraktivsten Länder für die Pension. In der jetzt veröffentlichten Rangliste für 2026 schaffte ein Land den Sprung von Platz sieben im Vorjahr an die Spitze: Griechenland. Damit ließ es die bisherigen Favoriten Panama und Portugal hinter sich. Ausschlaggebend sind vor allem die moderaten Lebenshaltungskosten, erschwinglicher Wohnraum, eine gute Gesundheitsversorgung, das milde Küstenklima, steuerliche Vorteile und unkomplizierte Aufenthaltsregelungen.
Die Französin Marie-Béatrice Martin und ihr Mann Alain wagten diesen Schritt vor zwei Jahren. Heute leben sie im Küstenstädtchen Pylos an der Westküste der Halbinsel Peloponnes. Ihr 90 Quadratmeter großes Apartment am Stadtrand kostete 155.000 Euro. „An der französischen Mittelmeerküste hätten wir dafür mindestens das Doppelte bezahlt“, sagt Alain. Die beiden schätzen vor allem den entspannten Lebensstil in der griechischen Provinz. Eine Redewendung ist ihnen besonders ans Herz gewachsen: „siga-siga“ – langsam, langsam.
20 Prozent mehr Kaufkraft
Dass Griechenland in diesem Jahr Platz eins im Rentenindex erreicht hat, liegt auch an den stark gestiegenen Lebenshaltungskosten in anderen beliebten Ruhestandsländern wie Portugal, Italien oder Frankreich. Ein deutscher Pensionist etwa verfügt laut Eurostat in Griechenland mit seinem Einkommen über fast ein Fünftel mehr Kaufkraft als in Deutschland.
In Großstädten wie Athen oder Thessaloniki sind die Lebensmittelpreise in Supermärkten zwar oft vergleichbar mit denen in Österreich oder Deutschland, für ausländische Markenartikel teils sogar höher. Aber auf dem Land ist der Einkauf deutlich günstiger, vor allem, wenn man zu regionalen Produkten greift.
7 Prozent Einkommenssteuer für 15 Jahre
Griechenland punktet nicht nur mit moderaten Preisen, sondern wirbt auch gezielt mit steuerlichen Anreizen um ausländische Rentner. Wer seinen Steuerwohnsitz als Pensionist nach Griechenland verlegt, zahlt pauschal sieben Prozent Einkommensteuer – und zwar auf sämtliche im Ausland erzielten Einkünfte, nicht nur auf die Pension. Diese Regelung gilt für 15 Jahre ab Antragstellung und kann insbesondere für Bezieher hoher Renten attraktiv sein.
Das Programm ist gefragt. Nach Angaben der griechischen Finanzbehörde AADE sind bislang mehr als 8000 Anträge ausländischer Rentner eingegangen, allein 750 im ersten Halbjahr 2025. Voraussetzung ist ein Aufenthalt von mindestens 183 Tagen pro Jahr in Griechenland.
Billige Immobilien
Die Immobilienpreise in Griechenland sind seit dem Ende der Finanzkrise 2018 deutlich gestiegen, gelten international jedoch weiterhin als moderat. Die Spannbreite ist allerdings groß: Auf Inseln wie Mykonos, Paros oder Santorini sind Quadratmeterpreise von 10.000 bis 15.000 Euro keine Seltenheit. Abseits der Hotspots finden sich jedoch attraktive Objekte bereits für unter 3000 Euro pro Quadratmeter.
Viele ausländische Käufer stehen bei der Standortwahl vor einem Dilemma: Einerseits suchen sie Ruhe und Abgeschiedenheit vom Touristenrummel. Andererseits sind im Alter gute Erreichbarkeit und eine verlässliche medizinische Infrastruktur wichtig. Zudem wünschen sich viele ein ganzjähriges kulturelles und gastronomisches Angebot – etwas, das reine Ferieninseln oft nicht bieten. Als Kompromiss gelten Inseln in der Nähe Athens. Ägina etwa verbindet authentisches ägäisches Inselflair mit der Nähe zur Hauptstadt, die mit Katamaran-Fähren mehrmals täglich in nur 40 Minuten erreichbar ist.
„Philoxenia“
Egal für welchen Wohnort man sich entscheidet: Griechenland fasziniert mit einer landschaftlichen Vielfalt, wie sie kaum ein anderes Mittelmeerland bietet: Sandstrände und kristallklares Meer, Berge und Schluchten für Wanderfreunde, urige Tavernen ebenso wie schicke Restaurants. Hunderte antike Stätten zeugen von der jahrtausendealten Geschichte, fast 200 bewohnte Inseln warten darauf, entdeckt zu werden – jede mit ihrem eigenen, unverwechselbaren Charakter.
Seit drei Jahren verzeichnet Griechenland einen Reise-Rekord nach dem anderen. Für 2026 zeichnet sich bereits ein weiteres Plus ab. Der Tourismusboom hat viele Regionen verändert, nicht immer zum Guten. Unverändert geblieben ist jedoch „Philoxenia“, die sprichwörtliche griechische Gastfreundschaft. Man spürt sie überall.