Von den 623 eingeladenen Delegierten sind übrigens 607 auch wirklich gekommen und werden über Babler abstimmen. Gar nicht so schlecht, angesichts des strahlenden Wetters und der abgesagten Kampfabstimmung.

Nach einer Video-Grußbotschaft von Elly Schlein, der Vorsitzenden der italienischen Sozialdemokraten, berichtet Parteikassier Christoph Matznetter über die Finanzlage der SPÖ. Die Sanierung des maroden Parteibudgets sei auf gutem Weg. Ausgabendisziplin und Schuldenabbau lauten das Motto, beides laufe „nach Plan“, schließlich müsse man für künftige Wahlkämpfe liquide sein.

Viel 80er-Jahre Feeling zum Beginn des SPÖ-Parteitags: Unter den Klängen von „Burning Heart“ der US-Rockband Survivor zieht Andreas Babler mit dem roten Regierungsteam in die Wiener Messehalle ein. Das war bekanntlich der Song, mit dem sich Sly Stallone als Boxer in Rocky IV in die Herzen gesungen hat.

Zur Begrüßung ergreift Wiens Bürgermeister Michael Ludwig das Wort – und spricht seinen Genossen durchaus auch ins Gewissen. Er mahnt zu interner Geschlossenheit und mehr Zuhören. Ein klarer Hinweis, dass es bei der internen Kommunikation Verbesserungsbedarf gibt. Davon abgesehen bewirbt Ludwig die Bundeshauptstadt als „Role Model“ für sozialdemokratische Politik – insbesondere beim Wohnen. Abgesehen von ein paar Seitenhieben spielt die FPÖ in seiner Rede keine große Rolle. Und zum Abschluss wirbt der Wiener Bürgermeister bei den Delegierten noch für ein überzeugendes Ergebnis für Babler.

Vor Beginn ist der Stimmung bei den Delegierten relativ entspannt. „Die Luft ist draußen“, stellen viele im Gespräch mit der Kleinen Zeitung fest. Bekanntlich hatte Ex-Kanzler Christian Kern zwei Wochen vor dem Parteitag seine Kampfkandidatur abgeblasen. Die große Frage wird sein, wie gut Babler bei der Wiederwahl zum Parteivorsitzenden erhalten wird.

623 stimmberechtigte Delegierte und mehr als 1200 Gäste versammeln sich heute in der Wiener Messe zum 47. Bundesparteitag der SPÖ. Neben den künftigen inhaltlichen Schwerpunkten steht vor allem die Frage der Geschlossenheit der Partei im Fokus, nachdem eine Kampfkandidatur von Ex-Parteichef und Bundeskanzler a. D. Christian Kern erst auf den letzten Metern gescheitert war. Untere Messlatte für die Wahl Bablers zum Vorsitzenden sind jene 75 Prozent, die Vorgängerin Pamela Rendi-Wagner 2021 erhielt.

Mit ein Grund für die internen Verwerfungen sind die schlechten Umfragewerte der Partei. Seit 2022 verloren die Sozialdemokraten ein Drittel an Unterstützung. Von den 500.000 abtrünnigen Anhängern würden nach den Sonntagsfragen des Meinungsforschungsinstituts OGM über die Hälfte nun für Grüne oder FPÖ stimmen. Auch Neos, ÖVP und KPÖ könnten ehemalige Rot-Wähler überzeugen. Einbußen erfuhr die SPÖ bei Land- und Stadtbevölkerung sowie bei Berufstätigen und Pensionisten.