Israel und die USA haben sich mit ihren modernen Streitkräften innerhalb weniger Tage die Lufthoheit über dem Iran gesichert und können nach Belieben ihre Ziele bombardieren. Auf iranischer Seite gibt es Hunderte Tote, darunter hohe Offiziere, und schwere Zerstörungen der militärischen und zivilen Infrastruktur. Trotzdem schlägt der Iran so wirksam zurück, dass Amerika zusätzliche Verstärkung in den Nahen Osten verlegen muss. Die Iraner haben ihre sogenannte Mosaik-Taktik aktiviert.
Beide Seiten verbreiten Propaganda. Teheran droht mit „noch nie dagewesenen“ Militärschlägen, von denen bisher aber nichts zu sehen ist. US-Präsident Donald Trump erklärte, sein Militär habe seine wirklichen Stärken noch nicht ausgespielt. „Die große Welle“ von Angriffen stehe noch bevor.
Iran war besser vorbereitet
Schon jetzt steht fest, dass der Iran besser auf die Angriffe vorbereitet war als auf den Krieg vom Juni vergangenen Jahres. Sein Land habe aus dem Scheitern der US-Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan in den vergangenen Jahrzehnten gelernt, erklärte der iranische Außenminister Abbas Araghchi.
Die Islamische Republik will den Krieg in andere Länder tragen, um so politischen Druck auf Trump zu erzeugen, den Feldzug schnell wieder abzublasen. Bisher setzt der Iran sein großes Raketenarsenal sparsam ein und feuert viele – relativ billige – Kampfdrohnen ab, um die Munitionsvorräte der Flugabwehr von Israel, USA und arabischen Staaten zu dezimieren.
Asymmetrischen Abnutzungskrieg
Der Iran führe einen „asymmetrischen Abnutzungskrieg“, analysierte die US-Denkfabrik Soufan Center: einen Konflikt gegen einen militärisch überlegenen Gegner mit dem Ziel, ihn zum Aufgeben zu zwingen. Erfolg bestehe für das Regime nicht in einem Sieg auf dem Schlachtfeld, „sondern im Durchhalten und Überleben“. Entscheidend ist für den Iran demnach, dass die Bereitschaft, den Krieg fortzusetzen, „in Jerusalem und Washington früher zu Ende geht als in Teheran“.
Deshalb zielt der Iran mit seinen Raketen und Drohnen auf Flughäfen, Hotels, Häfen und Stützpunkte in den arabischen Golf-Staaten. Drohnen schlugen auch im EU-Staat Zypern und in den US-Botschaften in Saudi-Arabien und Kuwait ein; beide Vertretungen wurden geschlossen. Zudem zog Amerika einen Teil seines diplomatischen Personals aus dem Nahen Osten ab.
Wirtschaft als Faktor
Irans Revolutionsgarde verkündete zudem, sie habe den für die Weltwirtschaft wichtigen Tankerverkehr in der Meerenge von Hormus gestoppt. Der Ölpreis, der seit dem Wochenende bereits kräftig zugelegt hat, werde von 84 Dollar auf 200 Dollar pro Barrel (159 Liter) steigen, prophezeite Ebrahim Dschabari, ein Berater der Garde-Führung. Die Kurse an den internationalen Börsen stürzten ab. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg haben Katar und die VAE die US-Regierung hinter verschlossenen Türen bereits gebeten, den Krieg wegen der wirtschaftlichen Schäden kurz zu halten.
Trump rechnet nach eigenen Worten mit einer Kriegsdauer von vier bis fünf Wochen. In dieser Zeit will er das iranische Raketenprogramm und die Kriegsmarine des Gegners zerstören, den Bau einer iranischen Atombombe unmöglich machen und die Unterstützung aus Teheran für pro-iranische Gruppen wie die Hisbollah im Libanon und die Huthis im Jemen beenden. Die Hisbollah greift seit Montag auf der Seite des Iran in den Krieg ein und provoziert damit israelische Luftangriffe auf den Libanon. Israel schickte zudem Bodentruppen ins Nachbarland. Aus iranischer Sicht könnte die neue Front im Libanon eine Entlastung bringen.
Geht die Taktik aus?
Irans Außenminister Araghchi spielt die Offensiven der Gegner herunter. Teheran anzugreifen, bringe Israel und den USA überhaupt nichts, schrieb er auf der Plattform X. Der Iran behalte dank seiner „Dezentralisierten Mosaik-Verteidigung“ die Initiative in dem Konflikt. Das Bild des Mosaiks soll eine Verteidigungsstruktur veranschaulichen, in der einzelne Einheiten weitgehende Autonomie genießen und nicht auf Befehle aus Teheran warten müssen, um etwa eine Drohne loszuschicken.
Die Revolutionsgarde habe bereits vor 20 Jahren damit angefangen, das „Mosaik“ aufzubauen, schrieb Oral Toga vom türkischen Iran-Institut Iram in einer Analyse. Die Garde habe in allen 31 Provinzen des Iran weitgehend autonome Verteidigungseinheiten geschaffen. Kurz nach Kriegsbeginn am Samstag wurde das „Mosaik“ aktiviert. Israel nennt das iranische System den „Oktopus“.
Der Iran wird den Krieg nicht dank des „Mosaiks“ gewinnen können, dafür ist die Übermacht Israels und der Vereinigten Staaten zu groß. Für die Islamische Republik ist die militärische Dezentralisierung aber trotzdem unverzichtbar, wie der Sicherheitsexperte Robert Pape von der Universität Chicago auf X schrieb: „Sie macht einen Regimewechsel aus der Luft so gut wie unmöglich.“