Artjom Kriger stand im Februar 2022 bei den ersten Moskauer Protesten gegen Putins Ukraine-Feldzug vor der Kamera. „Sehen Sie, die Leute haben eine Kette gebildet. Sie skandieren weiter“, kommentierte er live. „Die Polizeibeamten wollen die Menschenkette sprengen“. Kriger studierte damals noch Sport, erzählte lächelnd, er mühe sich um möglichst viel Objektivität, wie bei einer Fußballübertragung. Aber vor der Kamera zu agieren, war schon damals tollkühn, Kriger wurde mehrfach widerrechtlich festgenommen, im September 2022 landete er nach einer Kundgebung gegen die Teilmobilmachung für fünf Tage in einer Arrestzelle.
Am Dienstag hat das Nagatinsker Bezirksgericht in Moskau Artjom Kriger sowie seine drei Kollegen Konstantin Gabow, Antonina Faworskaja und Sergej Karelin als Teilnehmer an einer extremistischen Vereinigung zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Anklage hatte den vier Journalisten vorgeworfen, sie hätten den Online-Medien des toten Aleksej Nawalnys und seiner Stiftung zum Kampf gegen die Korruption (russisch kurz FBK) Videos geliefert. Die FBK war 2021 zur extremistischen Organisation erklärt worden.
Russland
Ein Schuldspruch als Warnung an alle kritischen Journalisten
Analyse.
In Moskau wurden vier junge Journalisten als Extremisten angeklagt und zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Der Schuldspruch gilt als Strafe dafür, dass sie versuchten, unzensiert und objektiv über Russlands Wirklichkeit zu berichten.
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