Mexiko war das einzige Land der Welt, das 1938 beim Völkerbund, dem „Vorgänger“ der UNO, schriftlichen Protest gegen den „Anschluss“ Österreichs an Deutschland einbrachte. Doch der Völkerbund blieb untätig. Die britische und die französische Regierung drückten am 11. März „a protest in the strongest terms“ bzw. „la protestation la plus énergique“ gegenüber dem deutschen Außenminister aus. Am Tag darauf folgte eine Protestnote, ebenso durch die französische Regierung. Doch die Proteste waren halbherzig – in London und Paris hatte man insgeheim akzeptiert, dass Österreicher eigentlich Deutsche seien und der „Anschluss“ als ein Akt der Vollziehung des Selbstbestimmungsrechtes der Völker gesehen werden kann. Die „Times“ schrieb, auch Schottland hätte sich vor 200 Jahren England angeschlossen. Die neutralen Vereinigten Staaten von Amerika verfolgten noch eine isolationistische Politik, erkannten den „Anschluss“ zwar de jure nicht an, de facto aber schon.
1938
Halbherziger Protest gegen den „Anschluss“
Nur Mexiko hat beim Völkerbund Protest gegen den „Anschluss“
Österreichs eingebracht. Die Reaktionen der anderen Länder, vor allem jene Russlands, waren taktisch motiviert.
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