Wenn sich Teig schließt, öffnen sich Welten. Es sind Speisen wie die Teigtasche, die das kulinarische Gedächtnis prägen – regional verankert, aber global verwandt. In Kärnten nennt man sie Kasnudeln, liebevoll gekrendelt und butterzart serviert. In Nepal heißen sie Momos – gedämpft, gewürzt und in großer Höhe geboren.
Video – Momos & Co.: Erster Alpen-Höhenweg mit veganer Verpflegung
Manchmal wandern diese Köstlichkeiten auch in unseren Breitengraden auf den Teller. Wie etwa auf einer Hütte im Gesäuse. „Momos sind im Prinzip nepalesische Teigtaschen – so ähnlich wie Dim Sum oder Gyoza“, erzählt Gottfried Härtel, Hüttenwirt des Admonter Hauses. Seit sechs Sommern bewirtschaftet er die höchstgelegene Hütte im Gesäuse – und serviert dort Gerichte, wie man sie eher in Kathmandu als in der Obersteiermark vermuten würde.
Gleich nachkochen!
Möglich macht das auch ein besonderer Zufall: „Bei mir im Sommer arbeiten zwei Nepali – Angehörige der Sherpa-Volksgruppe. Die haben ihre authentischen Rezepte und Gewürze mitgebracht.“ Vegane Momos gibt es dort also nicht als Gag, sondern als logische Konsequenz einer sich wandelnden Küche in der Höhe. „Wer aufmerksam beobachtet, sieht schnell, dass die Nachfrage nach vegetarischer Kost inzwischen sehr hoch ist – zum Teil fast schon die Mehrheit“, sagt Härtel. Vegan sei längst kein Trend mehr, sondern eine Notwendigkeit.
Und Momos? „Sie sind einfach praktisch, nährstoffreich und lassen sich super vegan zubereiten.“ Härtel schätzt regionale Bodenständigkeit, denkt aber weiter. „Natürlich versuchen wir, veganen Gästen gerecht zu werden – aber ohne dabei den Fokus auf das zu verlieren, was viele auch erwarten: nämlich eine traditionelle, zum Teil sehr fleischlastige alpine Küche. Beides lässt sich aber durchaus gut verbinden.“
Im Dämpfer – oder dem „Momobot“, wie ihn Härtel nennt – gelingt die Fusion. Der Topf sieht aus wie eine Milchkanne, ist aber ein Klassiker aus nepalesischen Küchen. „Bei den Sherpa ist er meist etwas schwärzer, weil er über offenem Feuer verwendet wird – aber die Funktion ist dieselbe“, lacht er. Und dazu gibt’s: Momo-Sauce. „Tomaten, Nüsse, Zwiebeln, Knoblauch – und Momo-Masala, eine besondere Gewürzmischung. Kennt man so bei uns kaum.“
Wer Härtels Momos kosten will, muss sich anstrengen. Rund 850 Höhenmeter sind es vom Buchauer Sattel bis zum Admonter Haus. Und für ganz Motivierte: Die Gesäuse Hüttenrunde führt in sieben Tagen von Hütte zu Hütte quer durch die Ennstaler Alpen. Auf dieser Weitwanderung kann man seit kurzem durchgehend vegan speisen.