Ich bin mit der Wildsau groß geworden. So könnte man kurz und knackig die kulinarische Sozialisation in meinem Elternhaus zusammenfassen. Die Mutter tolle Köchin. Der Vater Jäger. Das Wort „Convenience Food“ war bei uns ungefähr so tabu wie Tiefkühlpizza in der Sterneküche. Stattdessen: alles hausgemacht. Und am besten frisch erlegt. Obelix hätte beim doch sehr regelmäßigen Wildschweingenuss seine wahre Freude gehabt.
Video – So schnell geht herrlicher Wildgenuss
Wildfleisch erlebt gerade ein verdientes Comeback – nicht nur auf den Tellern der Küchenelite, sondern auch bei bewussten Genussmenschen, die Wert auf Nachhaltigkeit, Gesundheit und authentischen Geschmack legen. Aber was macht Wild so besonders?
Gleich nachkochen!
„Wildtiere leben frei in der Natur – ohne Massentierhaltung, Transportstress oder Futtermittelimporte. Sie ernähren sich natürlich, im Rhythmus der Jahreszeiten, und ihre Bestände werden durch die Jagd reguliert – im Einklang mit ökologischen Prinzipien“, erklärt der Grazer Gastronom Toni Legenstein.
Legenstein ist selbst leidenschaftlicher Jäger und betreibt das traditionelle, beinahe legendäre Landgasthof „Häuserl im Wald“. Im Innenbereich finden rund 300 Gäste Platz, ergänzt durch weitere 200 Sitzgelegenheiten im idyllischen Garten. Kein Wunder also, dass da täglich einige Kilometer zusammenkommen. Nach dem Abschluss seines Studiums in Tourismus und Wirtschaft ist er nun bereits seit 27 Jahren ein fester Bestandteil des Familienunternehmens. Darüber hinaus bringt man mit „Legenstein Event“ frischen Wind in die Gastroszene.
Und natürlich immer wieder Wildspecials, denn: „Wer Wildfleisch isst, unterstützt eine Form der Fleischgewinnung, die den ökologischen Fußabdruck auf ein Minimum reduziert. Außerdem wird Wild meist regional bezogen – oft direkt vom Jäger oder über kurze Vertriebswege. Das spart nicht nur CO₂, sondern stärkt auch die lokale Wertschöpfung“, verdeutlicht der Gastronom die nicht nur geschmacklichen Vorzüge.
Der Geschmack ist intensiv, aber nicht aufdringlich. Er erinnert an Wald, Kräuter, Freiheit. Und Legenstein betont: „Jedes Stück hat Charakter. Und je nach Wildart – ob feines Rehfilet, kräftiges Wildschweingulasch oder zartes Hirschragout – bietet Wild eine enorme geschmackliche Vielfalt.“
Einfach in der Zubereitung, mit frischen Kräutern, knackigem Gemüse oder auch am Grill, wird Wild zu einem kulinarischen Erlebnis, das jeden Gaumen begeistert. Und das nicht nur im Herbst.