„Es zieht mir die Schlapf´n aus“, rang die frischgebackene Bachmannpreis-Trägerin Natascha Gangl (25.000 Euro) Sonntagmittag im Interview mit Cecile Schortmann (3sat) um Worte. Um Worte nicht verlegen hatte sie sich drei Tage zuvor bei ihrer Lesung im Kärntner ORF-Landesstudio gezeigt. Da performte sie ihren experimentellen Text „Der Sta“ (der Stein) mit zahlreichen Mundartausdrücken derart eindringlich, dass die Jury ganz hingerissen war. Den Umgang eines Ortes in der südoststeirischen Grenzregion mit seiner Geschichte machte sie so simpel wie raffiniert mit einem sprachlichen Kniff deutlich: „Wou gheast´n du hi?“ deutet sie mit „Wou hearst denn du hi?“ um und inspirierte damit Laudatorin Brigitte Schwens-Harrant, die sie eingeladen hatte, zur Erinnerung an den kürzlich verstorbenen Autor Martin Pollack, der von der „kontaminierten Landschaft“ geschrieben hatte: „Worauf leben wir, in welchen Sprachen leben wir?“ (Schwens-Harrant) In der Jurydiskussion hatte Klaus Kastberger gemeint: „Der Text geht direkt ins Hirn und ins Herz.“ und der Schweizer Thomas Strässle hatte gelobt: „Der Text geht weit über lokale Brisanz hinaus.“ Das würdigte nicht nur die Experten-Jury, sondern auch das Publikum via Online-Voting, denn der BKS-Publikumspreis (7.000 Euro) ging ebenfalls an die in Wien lebende Steirerin.
Bachmann-Preis
Natascha Gangl: Sieg mit einem experimentellen Text
Die steirische Autorin Natascha Gangl gewann den 49. Ingeborg-Bachmann-Preis. Ein Triumph der experimentellen Poesie.
© Johannes Puch