Auch wenn das Wetter an manchen Juli-Tagen eher zum Neopren- denn zum Badeanzug animierte, herrscht weiter reges Treiben am Tristacher See. Neben eingefleischten Badenixen kommen täglich die Bewohner des benachbarten Campingplatzes dazu, aber auch der Gastbetrieb von Doris Pussnig, die heuer erstmals das Strandbad-Buffet gepachtet hat, zieht die Menschen an. „Wir sind sehr zufrieden, und in Anbetracht der Tatsache, dass alles recht kurzfristig war, freuen wir uns über eine gute erste Saison“, so Pächterin Doris Pussnig.

Im November vergangenen Jahres begab sich die Stadt Lienz, zu deren Bäderbetrieben der See auf Tristacher Gemeindegebiet gehört, auf die Suche nach „einem Pächter mit Leidenschaft“. Kurz vor Saisonbeginn schlug Pussnig zu, die mit ihrem Engagement am smaragdgrün schimmernden Wasser gastronomisches Neuland betrat. Bergsportler kennen sie nämlich aus Heiligenblut, wo die 57-Jährige auf rund 1800 Meter Höhe „Doris Fleißkuchl“ betreibt – im Großen Fleißtal, auch „Große Fleiß“ genannt,

Auch Berggeher und Spaziergänger schauen vorbei

Die Mutter zweier Kinder ist eine fixe gastronomische Größe im Oberkärntner Raum und seit mittlerweile über 40 Jahren in dieser Sparte tätig. „Mit 16 Jahren habe ich zu lernen begonnen und bin seitdem fast durchgehend für Gäste da“, erinnert sich die ehemalige Betreiberin von „Doris Imbissstube“ in Winklern (15 Jahre) und des „Lainacher Wirts“ (13 Jahre). Da die zweifache Großmutter aber nicht mehr abends und nachts arbeiten will, kam die Ausschreibung des Strandbadcafés gerade recht.

Der Tristacher See gehört zu den schönsten Plätzen Osttirols
Der Tristacher See gehört zu den schönsten Plätzen Osttirols © Karin Nagele

Dabei freut die Wirtin, dass der Tristacher See viel mehr ist als „nur“ ein Ort für Wasserratten. „Neben den Badegästen kommen auch viele Bergfreunde und speziell an nicht so schönen Tagen häufig Spaziergänger zu uns“, berichtet Pussnig, die ihren Betrieb bis Ende September offenhalten wird und unter anderem von ihrer Tochter Vanessa und Küchengehilfin Anna Wibmer aus Lavant unterstützt wird. „Das habe ich mit der Stadtgemeinde Lienz bereits abgeklärt.“ Insgesamt vier Mitarbeiterinnen dürfen sich über eine Saisonverlängerung freuen, die Kassa am Bad selbst ist ab dem 31. August zu. „Die Fleißkuchl wird auch ungefähr so lange offen haben. Allerdings nicht die ganze Woche durchgehend wie am See, da der Liftbetrieb in Heiligenblut nun auf Samstag bis Dienstag eingeschränkt ist“, informiert die Gastronomin, die nach so vielen Jahren immer noch mit großer Begeisterung bei der Sache ist.

Buffet und Umkleidetrakt vom anderen Seeufer aus gesehen
Buffet und Umkleidetrakt vom anderen Seeufer aus gesehen © Karin Nagele

Kuchen gebacken wird (noch) daheim

Exakt 38 Minuten braucht Pussnig von ihrem Wohnort zum Tristacher See, das Auto wird zu einer Art Firmenbus: „Auf dem Weg sammle ich alle Mitarbeiter ein und liefere sie nach Dienstschluss wieder ab.“ Apropos Feierabend, der ist am See wesentlich später als auf der Almhütte, wo um 16.30 Uhr aufgeräumt wird. Am Wasser kann man sich hingegen derzeit noch bis 19 Uhr kulinarisch verwöhnen lassen. Stets gefragt sind nicht nur die Klassiker Pommes und Wiener Schnitzel, auch Doris‘ selbst gebackene Kuchen stehen hoch im Kurs. Diese entstehen allerdings daheim, am späten Abend und in der Nacht, da am See die Backgelegenheit fehlt. Noch. „Das ändern wir nächstes Jahr, da kommt ein Backrohr her“, blickt die Seewirtin hochmotiviert in die kommende Saison.

Neben dem Buffet am Tristacher See betreibt Doris Pussnig auch „Doris Fleißkuchl“ auf 1800 Meter Höhe
Neben dem Buffet am Tristacher See betreibt Doris Pussnig auch „Doris Fleißkuchl“ auf 1800 Meter Höhe © KK / privat

Der Winter naht in der Fleiß

Bis Mitte Oktober wird zuvor an beiden Standorten geputzt, aufgeräumt und in der Fleißkuchl für die Wintersaison vorbereitet, da schwere Fahrzeuge nach Wintereinbruch nicht mehr zur Hütte gelangen. „Einen Großteil der Winterfassung liefern wir daher schon im Spätherbst“, erzählt die Oma von Marcel und Julian. Während Marcel der Techniker der beiden ist, zeigt Julian Interesse an der Gastronomie. „Meine Tochter und mein Enkel können gerne in meine Fußstapfen treten“, sagt Pussnig, die die wenigen arbeitsfreien Wochen zuhause im Mölltal verbringen wird, nicht ohne Stolz. Ihre betagten Eltern werden sich sicherlich über ein paar ruhige Stunden mit ihrer Doris freuen, dreht sich doch das Schihüttenkarussell ab Mitte Dezember doch wieder wie gewohnt.