Es wird fleißig gemörtelt, getischlert, gemalt und gepflastert. Fliesen werden verlegt, ein Kamin gebaut, Schaltkreise erforscht, eine Fußbodenheizung installiert und ein Dachstuhl gezimmert. Noch bis morgen macht die „Erlebniswelt Baustelle“ – eine mobile Mitmachaustellung für Volks- und Mittelschülerinnen und -schüler im Alter von sechs bis zwölf Jahren – Station an der Wirtschaftskammer Lienz. Organisiert wird die „wandernde Baustelle“ von der Tiroler Bauwirtschaft in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftskammer Tirol und der EEC-Bildungswerkstatt Innsbruck. Mehr als 55.000 Schüler waren in den vergangenen Jahren in ganz Tirol bereits dabei, in Osttirol sind es diesmal rund 400. Und es könnten noch mehr sein: „Wir haben inzwischen sogar eine Warteliste“, so Stefan Elmer von der Bildungswerkstatt. „Wir schauen, dass die Schulen, die heuer nicht dabei sein können, einen Platz im kommenden Jahr erhalten.“
In 14 Stationen vom Tiefbau bis zur Elektrik
Apropos: Bereits zum achten Mal gastiert die Erlebniswelt in Lienz, dieses Jahr sind neun Volksschulen und zwei Mittelschulen aus dem ganzen Bezirk dabei. Michaela Hysek-Unterweger, Obfrau der Wirtschaftskammer Lienz: „Es ist einfach was los bei uns im Haus, und das ist schön so. Die Kinder sind voll motiviert und diszipliniert. Viele treten danach mit dem Wunsch an die Lehrerin oder den Lehrer heran, im nächsten Jahr wiederzukommen.“ 14 aufwändige Stationen hat Elmer zusammen mit seinem Team errichtet, wo die Kids typische Bauberufe wie Maler, Maurer, Installateur, Spengler oder Glaserer kennenlernen. Von Station zu Station geht es – natürlich mit Helm und Arbeitskleidung – dann Schritt für Schritt vom Tiefbau bis zur finalen Elektrik. Quasi ein kompletter Hausbau in rund zwei Stunden.
„Erlebniswelt Baustelle“ als eines von vier Projekten
Elmer: „Es ist ein niedrigschwelliges Projekt, der allererste Einstieg in die Berufsorientierung. Die Kinder können sich ausprobieren und so die Berufsbilder grob kennenlernen. Vor allem sollen sie durch das eigene Wirken merken, dass es Spaß macht, handwerklich tätig zu sein – und das vielleicht als Berufswahl in Erwägung ziehen.“ Daher richtet sich die Erlebniswelt auch vornehmlich an Volksschulen und nicht etwa an Gymnasien. Die „Erlebniswelt Baustelle“ ist dabei eines von vier ähnlich gelagerten Projekten, die heuer wieder bereits stattgefunden haben oder noch stattfinden werden. So gab es im Februar ebenfalls in der Wirtschaftskammer den „Kinder-Erlebnis-Raum Energie“ (KiERa) zu bestaunen, es folgen „Kinder entdecken Wirtschaft“ (KiWi) und der „Haustierpark“.
Handwerk soll den Stellenwert bekommen, den es verdient
Hysek-Unterweger betont, wie gut diese Angebote auch von den Lehrpersonen angeboten und umgesetzt werden: „Die Kinder kommen immer sehr gut vorbereitet und bereits interessiert hierher. Man merkt, dass die Themen im Voraus in der Schule behandelt wurden.“ Zurück auf der Baustelle erklärt Ebner: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass alle, die hier mit Spaß mitgemacht haben, es auch später immer lässig finden, handwerklich tätig zu sein. Auch, wenn sie einen ganz anderen Beruf ergriffen haben.“ Das Verständnis für Lehrberufe würde damit ebenfalls steigen: „Das ist unser zweites Ziel: gesellschaftlich daran zu arbeiten, dass Handwerksberufe den Stellenwert bekommen, den sie verdienen.“ Hysek-Unterweger: „Wir sind in Osttirol ja noch am Land, dennoch haben nicht mehr so viele Kinder die Möglichkeit, Handwerk daheim mit dem Papa, dem Onkel oder der Mama auszuprobieren.“