„So groß waren wir noch nie.“ Mit kurzen, stolzen Worten leitete Manfred Hainzl, Geschäftsführer beim Museum und Archäologiepark Aguntum, das Pressegespräch zur Kinder-Sommer-Uni Osttirol ein. Ein Rückblick zeigt, warum: Neu gestartet war die Kinder-Uni vor drei Jahren mit einem einwöchigen Programm, im Vorjahr waren es zwei Wochen, heuer gehen die Workshops vom 11. Juli bis zum 26. August – also über sechs Wochen, wobei nicht an jedem Tag Programm ist. Rund 50 Workshops werden angeboten, zu denen die Organisatoren mindestens 500 Kinder erwarten. 2024 waren es „nur“ 350 wissbegierige Kids.

Kinder-Sommer-Uni hat sich in Osttirol toll entwickelt

Silvia Prock, Leiterin der maßgeblich an der Organisation beteiligten Jungen Uni an der Universität Innsbruck, erläuterte die Motivation: „Sinn und Zweck ist es, Kinder und Jugendliche für Wissenschaft, Bildung und Kultur zu begeistern.“ Dabei sollen die Kinder natürlich mit viel Spaß bei der Sache sein, Prock betonte aber einen gewissen Anspruch: „Sie müssen sich auch mit Dingen auseinandersetzen, vor allem was die Region Osttirol betrifft.“ Sorgen macht sich Prock in der Hinsicht keine: „Mich freut es extrem, wie toll sich das in Osttirol entwickelt hat, wie hoch die Nachfrage ist.“ Manuela Gritzer vom Projektpartner Innos GmbH, ergänzte: „Wir wollen, dass der Sommer wirklich interessant wird, die Kinder eine Freude haben, aber auch lernen.“

In Vanni‘s Vogelwelt in Oberdrauburg wird die Tierwelt des Himmels erforscht
In Vanni‘s Vogelwelt in Oberdrauburg wird die Tierwelt des Himmels erforscht © Osttiroler Kulturnetzwerk / R. Unterguggenberger

Neben Uni, Innos und Aguntum sind das Kulturnetzwerk Osttirol, das Haus des Wassers sowie Natopia als Partner dabei, die Räumlichkeiten stellen unter anderem der Campus Lienz, die Tiroler Fachberufsschule und die Private Höhere Technische Lehranstalt. Dazu kommen führende Unternehmen, welche die Innos über ganz Osttirol verteilt gewinnen konnte: von iDM in Matrei bis zur Raiffeisen Bank in Sillian. Gritzer: „Wir sprechen die Firmen gezielt an: Wie können wir zeigen, was in uns steckt? Wie können wir junge Menschen für uns begeistern?“ So dürfen Jugendliche bei Loacker eigene Waffeln kreieren, bei der Fashionmarke Bobs lernen Kinder eine Woche lang, wie man Modedesigner wird, und die Druckerei Greenprint zeigt die Veredelung mit Blattgold. In der Energiewerkstatt (bei iDM, der Innos und der Raika) werden Minikraftwerke aus Legosteinen gebaut, und in der Wirtschaftskammer Lienz erkunden Kinder das Programmieren („Coding4Kids“).

„In so einem Alter nicht alltäglich“

„Gerade im MINT-Bereich sind spannende Dinge dabei, wie das Arbeiten mit einem Lasercutter, Robotik oder das Erstellen mechatronischer Bauteile – alles in so einem Alter nicht alltäglich“, so Tamara Gander, Projektleiterin bei der Innos, die ebenso die Vielschichtigkeit betonte: „Wir sind sehr breit aufgestellt, was die Thematiken und die Altersgruppen betrifft.“ So gibt es erste Angebote für Kids ab sechs Jahren, der Reigen reicht bis zum 18. Lebensjahr, wobei in der Regel die Jüngeren bis zwölf Jahre und die Älteren ab 13 Jahren in Gruppen zusammengefasst sind.

Im Bereich der MINT-Fächer lässt sich wie in den Vorjahren besonders viel entdecken, erforschen und erleben
Im Bereich der MINT-Fächer lässt sich wie in den Vorjahren besonders viel entdecken, erforschen und erleben © Innos / Wolfgang Retter

Im Fokus des Kulturnetzwerkes steht laut Geschäftsführer Christof Schett, „den Kindern und Jugendlichen die Kultur, aber auch die Natur Osttirols näher zu bringen.“ In den Workshops lassen sich in Vanni‘s-Vogelwelt in Oberdrauburg Vögel erkunden und im Schloss Bruck die kreative Geschichte des Mosaiks sowie im wiedereröffneten Glocknerhaus Kals die Welt der Mineralien erleben. Ein Highlight bietet die Burg Heinfels: Hier können die Kleinen hautnah Wüstenbussarde und Sakerfalken beobachten. Beim Programm der Natopia geht es zum Beispiel um die Erforschung der Isel und das Backen eigenen Brots.

Die Pop-up-Uni fährt auch im Dolomitenbad vor, um die Welt der Wissenschaft allen Menschen zugänglich zu machen
Die Pop-up-Uni fährt auch im Dolomitenbad vor, um die Welt der Wissenschaft allen Menschen zugänglich zu machen © Junge Uni Innsbruck

Im Aguntum gibt es neben archäologischen Themen sogar Steinzeitmusik zu bestaunen. Besonders spannend dürfte die Pop-up-Uni werden. Claudia Moser vom Museum Aguntum: „Das ist ein Bus samt Anhänger mit sämtlichen Werkzeugen und Materialien, um Mineralien zu erforschen.“ Damit das Wissen wirklich zu den Menschen kommt, macht die Pop-up-Uni vormittags im Aguntum und nachmittags mitten im Dolomitenbad Station.

Im Archäologischen Park Aguntum stehen natürlich auch Schaugrabungen im Angebot
Im Archäologischen Park Aguntum stehen natürlich auch Schaugrabungen im Angebot © Museum Aguntum

Bei der Kinder-Sommer-Uni sind alle willkommen

In diesem Zusammenhang verwies Uni-Leiterin Prock darauf, dass „alle Kinder willkommen sind, auch mit Behinderungen, mit Migrationshintergrund oder einfach solche, die sonst kaum Kontakt zu Kultur, Technik und Wissenschaft haben.“ Apropos: Die Anmeldung erfolgt etwas umständlich über eine untergeordnete Seite des Uni-Internetauftritts und dann per Mail. Möglich ist die Anmeldung ab dem 20. Mai, sollten Workshops bereits voll sein, wird es Wartelisten geben.

Freuen sich auf die Kinder-Sommer-Uni (von Links nach Rechts): Christof Schett (Kulturnetzwerk), Claudia Moser (Aguntum), Tamara Gander (Innos), Silvia Prock (Junge Uni Innsbruck) und Manuela Gritzer (Innos)
Freuen sich auf die Kinder-Sommer-Uni (von Links nach Rechts): Christof Schett (Kulturnetzwerk), Claudia Moser (Aguntum), Tamara Gander (Innos), Silvia Prock (Junge Uni Innsbruck) und Manuela Gritzer (Innos) © André Schmidt

Pro Workshop werden nur 5 Euro fällig. Die Helfer sind ehrenamtlich, für die übergreifenden Kosten bemühen die Partner ihre Förderprogramme von Land und Bund wie das Leader-Programm des Regionmanagements, auf das die Innos zurückgreift. Gritzer: „Ohne die Freiwilligkeit der Partner und die Förderungen wäre so ein Programm unfinanzierbar. Zumal es nicht unser Anspruch ist, eine Kinderbetreuung anzubieten, sondern Wissen zu vermitteln.“ Dazu Prock abschließend: „Angebote für Kinder sind einfach wertvoll und weisen stets in die Zukunft.“