„Wir müssen die Themen Technik, Informatik, Naturwissenschaften greifbarer machen und die Hemmnisse vor den oft als abstrakt empfundenen Bereichen abbauen.“ Mit diesen Worten eröffnete Bildungslandrätin Cornelia Hagele (ÖVP) das neue „MINT-Lab“ in der Tiroler Fachberufsschule Lienz (TFBS). „MINT“ steht dabei für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Die Schwerpunkte des in einem Raum der TFBS eingerichteten Labors liegen auf Cyber-Craft (Mix aus traditionellem Handwerk und digitalen Werkzeugen), Künstlicher Intelligenz (KI) und Mixed Reality (Kombination aus virtueller und physischer Umgebung).

Eröffneten das Labor in der Fachberufsschule in Lienz (von links nach rechts): Johann Kollreider (Wirtschaftskammer Lienz), Cornelia Hagele (Landrätin), Reinhard Lobenwein (INNOS) und Klaus Oberegger (Direktor TFBS)
Eröffneten das Labor in der Fachberufsschule in Lienz (von links nach rechts): Johann Kollreider (Wirtschaftskammer Lienz), Cornelia Hagele (Landrätin), Reinhard Lobenwein (INNOS) und Klaus Oberegger (Direktor TFBS) © André Schmidt

Hagele: „Wenn ich die Möglichkeit habe, Dinge einmal selber erleben und testen zu können, regt es das Interesse an, in diesem Themenfeld zu bleiben. Wir benötigen ganz dringend Fachkräfte in diesem Bereich, die wissen, was sie tun. Wir reden immer von KI und wo wir sie überall einsetzen wollen. Aber wenn wir niemanden haben, der dies anwenden kann, machen wir einen Fehler.“

Schüler und Lehrlinge werden zukunftsfit

Insgesamt wurden vor Ort rund 80.000 Euro investiert, wobei das „MINT-Lab“ nicht nur der Fachberufsschule, sondern allen Schulen des Bezirks zur Verfügung steht, wie Klaus Oberegger, Direktor der TFBS, betonte: „Es war uns ein Anliegen, diesen Raum zur Verfügung zu stellen, um Bildung und Wirtschaft zu verknüpfen. Osttiroler Schulen können jetzt hier Wissen erlernen und den Kontakt mit neuen Technologien erfahren. Parallel machen wir unsere Lehrlinge zukunftsfit.“ Die Mittel wurden vom Land, der Wirtschaftskammer Tirol, der INNOS GmbH, der Osttiroler Investment GmbH, dem Regionsmanagement Osttirol, der Bildungsdirektion Tirol sowie einem EU-geförderten Projekt zur Verfügung gestellt.

Auch Johann Kollreider von der Wirtschaftskammer Tirol Lienz freut sich über das Projekt: „Man möchte es nicht meinen, aber Osttirol ist der industriestärkste Bezirk in Tirol in Relation auf die Beschäftigten: 27 Prozent arbeiten in der Industrie. Automatisierung, Digitalisierung und KI-Einsatz in den Osttiroler Betrieben werden in Zukunft eine große Rolle spielen. Dazu benötigen wir gut ausgebildete Leute.“ Der Bezirksstellenleiter verwies zudem auf das Thema Abwanderung: „Wichtig ist, dass wir die Ausbildung vor Ort bewerkstelligen. Früher haben sich die jungen Leute auswärts weitergebildet und sind nicht mehr zurückgekommen.“

In diesem Raum befindet sich das neue Labor
In diesem Raum befindet sich das neue Labor © André Schmidt

Reinhard Lobenwein, Geschäftsführer der INNOS, die sich für das Projekt verantwortlich zeichnet, spannte den Bogen noch etwas weiter: „Die Osttiroler waren schon immer damit konfrontiert gewesen, schlaue technische Lösungen zu finden, etwa in der alpinen Landschaft. Diese Schlauheit, das technische Verständnis, das Improvisationstalent und der Erfindergeist sind in unserer DNA.“

Kindersommer-Uni wird fortgeführt

Allein im vergangenen Jahr stellte die Tiroler Landesregierung insgesamt 470.000 Euro für die „MINT“-Bildungsregionen bereit. Zudem wird der Ausbau der Infrastruktur durch die Förderung von Förderschecks weiter unterstützt, mit denen Schulen und Kinderbildungseinrichtungen bis zu 1000 Euro für Projekte beantragen können. Im Rahmen einer Offensive der Landesregierung soll Tirol 2025 zum „MINT“-Bundesland werden. Dafür werden Bildungsregionen ausgebaut und Labore wie Lienz flächendeckend in allen Bezirken initiiert Ein Leuchtturmprojekt in Osttirol war die Kindersommer-Uni 2024 mit 140 kleinen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die heuer weiter ausgebaut werden soll.