Die Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen müssen in Tirol deutlich verkleinert werden. Höchstens 15 Klienten darf ein Haus der Lebenshilfe künftig aufnehmen. Thomas Baumgartner, Maler in der Kunstwerkstatt in Lienz, hat im Vorjahr im Interview verlangt, dass man Menschen mit Behinderungen viel mehr zutrauen muss. Baumgartner war Teil einer Fachexkursion rund um die Tiroler Inklusionslandesrätin Eva Pawlata (SPÖ) nach Schottland. „Dort ist man uns beim Thema Inklusion weit voraus, aber wir schaffen das auch“, zeigte sich der Künstler nach seiner Rückkehr nach Lienz zuversichtlich. „Uns geht es vor allem darum, allen Menschen mit Behinderungen alle Möglichkeit zur Selbstbestimmung zu bieten“, führte Thomas Niederwieser aus, Regionalleiter der Lebenshilfe in Lienz.
Verkleinerte Einrichtung in Sillian
Nicht nur in Lienz, auch für den Standort in Sillian bringt die Umsetzung des Tiroler Teilhabegesetzes große Veränderungen. Die Tischlerwerkstatt zieht aus dem Stammhaus aus, um die Zahl der Klienten zu verringern. Vier bis fünf Menschen mit Behinderungen und ein Facharbeiter richten sich eine neue Tischlerwerkstatt ein, und zwar in Räumlichkeiten in der Polytechnischen Schule. Im Juni sollen die ersten Werkstücke am neuen Standort angefertigt werden können. Insgesamt soll sich die Zahl der Menschen mit Behinderungen in der Sillianer Einrichtung von derzeit 25 auf 15 Klienten verringern.
Im Haus der Lebenshilfe zieht im Gegenzug mit Beginn des Schuljahres eine Gruppe des Osttiroler Kinderbetreuungszentrums (OK-Zentrum) ein. Im ersten Stock werden dafür Flächen im Ausmaß von insgesamt 75 Quadratmetern adaptiert. Außerdem gestaltet das OK-Zentrum einen Bewegungsraum, den auch die Klienten der Lebenshilfe nutzen können. Andrä Weiler, Lebenshilfe-Einrichtungsleiter in Sillian, betont, dass sich die Organisationen in der Vergangenheit regelmäßig begegnet sind: „Die Kinder haben uns immer zu Weihnachten und im Fasching besucht. Wir sind uns überhaupt nicht fremd.“ In ein paar Jahren soll dann auch die zweite Gruppe des Kinderbetreuungszentrums im Haus der Lebenshilfe unterkommen.
Generationenübergreifender Mittagstisch geplant
Die Küche der Lebenshilfe, in der Weiler selbst Dienst versieht, beliefert den Gemeindekindergarten und die Kinderkrippe des OK-Zentrums im Nebengebäude bereits seit vielen Jahren mit frisch gekochtem Mittagessen. Menschen mit Behinderungen stellen morgens in den Kindergruppen nicht nur das Tagesmenü vor, sondern nehmen auch die Bestellungen auf. Im Erdgeschoß, wo sich bisher die Lebenshilfe-Tischlerei befand, wird der Speiseraum vergrößert. Kinder und Menschen mit Behinderungen können zusammen Mittag essen. „Das ist praktische Inklusion und Teilhabe, wir schaffen Räume für Begegnungen“, erläutert Weiler. Dadurch könne auch ein Anliegen der Gemeindeführung umgesetzt werden.
Auch Paare können zusammenwohnen
„Wir blicken zuversichtlich in die Zukunft“, sagt der Einrichtungsleiter. „Es wird bestimmt nicht immer alles reibungslos ablaufen, aber wir sitzen zusammen und reden uns das aus.“ Ein wichtiger Aspekt ist das selbstständige Wohnen von Menschen mit Behinderungen. In der näheren Umgebung des Lebenshilfe-Hauses gibt es an die zehn Wohnungen, die geeignet sind. Möglich ist die Gründung von Wohngemeinschaften, nach Wunsch werden auch Paare zusammenwohnen. „Eine bedeutende Aufgabe für uns ist die Begleitung von Menschen mit Behinderungen im Alter“, führt Weiler aus. „Unser zukünftiger Mittagstisch kann weitergedacht werden: Es wäre schön, wenn Kinder und Senioren, mit oder ohne Behinderungen, gemeinsam essen.“