Ob die Betreuungsstunde in Tirol künftig einheitlich einen Euro, zwei oder drei Euro kosten wird, steht noch nicht fest. „Die Verhandlungen laufen und die zuständigen Stellen rechnen intensiv“, erklärt die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik (SPÖ), zugleich Landtagsabgeordnete und stellvertretende Präsidentin des Tiroler Landtages. Im Bezirk Lienz sind aktuell 32 der insgesamt 33 Gemeinden Mitglieder im Verein für das Osttiroler Kinderbetreuungszentrum (OKZ) organisiert. Nur Prägraten hat den Verein verlassen und kümmert sich seit dem Vorjahr selbst um alle notwendigen Angebote für den Nachwuchs.

Osttirol ist Pilotregion bei der Kinderbetreuung

Der Planungsverband 36, Talboden Lienz und Umgebung, dient derzeit als eine von drei Pilotregionen in Tirol, um das künftige Angebot bestmöglich auf den Bedarf abzustimmen und dabei zu vereinheitlichen. Bei der Kinderbetreuung bauen in Osttirol also 32 Gemeinden auf das Angebot des Kinderbetreuungszentrums. Es bietet in acht Zweigstellen, die über den Bezirk verteilt sind, Kinderkrippen, Schülerhorte sowie Ganztags- und Sommerbetreuungsmodelle.

Auch die Betreuung in Tessenberg organisiert das OKZ
Auch die Betreuung in Tessenberg organisiert das OKZ © KK/Osttiroler Kinderbetreuungszentrum

Das OKZ bietet seine Dienste bereits seit 27 Jahren an. Vor allem der Abhol- und Bringdienst mit Autos in der Stadt Lienz sowie im Umland ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Der Betrieb erhielt auch schon Bundesauszeichnungen. Und der Betreuungsbedarf steigt von Jahr zu Jahr. Geschäftsführerin Sabine Bodner hat vor acht Jahren die Verantwortung übernommen. Fast alle Zweigstellen mussten seither entweder umziehen, vergrößert oder überhaupt neu errichtet werden.

Die Kosten für die Kinderbetreuung steigen um Dutzende Millionen

Großes Interesse an den Abläufen im Osttiroler Kinderbetreuungszentrum hat derzeit das Land Tirol. Die jährlichen Ausgaben für Kinderbetreuung liegen im Bundesland bei 144 Millionen Euro. Für drei Jahre, bis 2026, stehen 20 zusätzliche Millionen Euro für den Ausbau von Kinderbildungs- und Kinderbetreuungseinrichtungen zur Verfügung. Und die Kosten werden weiter deutlich steigen.

Zukünftig soll für alle Familien in Tirol ein Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung eingeführt werden. Voraussetzung dafür sind wohnortnahe Kinderkrippen und Kindergärten, die entweder geschaffen, modernisiert oder erweitert werden müssen. Als zumutbare Entfernung hat das Land eine Fahrzeit von 15 Minuten festgelegt. Für die Einführung des Rechtsanspruchs stellte die Landesregierung in einem ersten Schritt 50 Millionen Euro zusätzlich bereit, unter anderem, um damit Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu den Einrichtungen zu ermöglichen.

Das Osttiroler Kinderbetreuungszentrum platzt aus allen Nähten

„Wir platzen aus allen Nähten“, sagt Bodner und meint damit das Kolpinghaus in Lienz, wo die Hauptniederlassung des OKZ eingemietet ist. In der Küche wird jeden Tag frisch gekocht und sogar ausgeliefert. Bodner: „Notwendig wäre bei der Anzahl an Portionen eine Gastroküche, unsere ist nur haushaltsüblich. Wir haben zusätzliche Räume im Erdgeschoß angemietet, stoßen aber längst an Grenzen.“ Es steigt nicht nur die Anzahl der Kinder in Betreuung, sondern wesentlich auch die Zahl an Betreuungsstunden pro betreutem Kind. Sollte der tirolweit künftig einheitliche Stundentarif besonders günstig angesetzt werden, fürchten die betroffenen Einrichtungen, dass sie dem Ansturm nicht gerecht werden könnten.