Pünktlich zu den ersten warmen Tagen in Osttirol läutet der Nationalpark Hohe Tauern die Sommersaison ein. Am 13. Mai starten im mit 1856 Quadratkilometern größten Nationalpark der Ostalpen die geführten Wanderungen und Touren. „Wir haben ein umfangreiches Programm unter dem Motto ‚spüre den Sommer im Nationalpark‘ ausgearbeitet“, so Nationalparkdirektor Hermann Stotter. Im Mittelpunkt stehen das ausgerufene Jahr der Isel sowie das EU-Jahr des Gletscherschutzes. „Unsere Angebote sind zu einem großen Teil auf diese Schwerpunkte ausgerichtet. So gibt es spezifische, aber auch allgemein naturkundliche Wanderungen zum Gletscher oder entlang der Isel bis zum Umbalkees.“
Zwei Ausstellungen rund um die Isel
Zudem wird es laut Stotter, der im nächsten Jänner nach rund 35 Jahren aus seinem Amt ausscheiden wird, eine exklusive und kostenlose Wanderung für die einheimische Bevölkerung zum Iselursprung angeboten. Dem einzigartigen Gletscherfluss ist des Weiteren eine Sonderausstellung im Nationalparkhaus Matrei gewidmet sowie eine Ausstellung der Osttiroler Kunstprofessorin Hannelore Nenning.
Eine Namensänderung gibt es im Kinderprogramm, aus den „Umweltspürnasen“ werden die „Nationalparkstieglitze“. Stotter: „Der Stieglitz ist ein Singvogel, der nicht unbedingt im Schutzgebiet lebt, und die Kinderprogramme finden in der Regel ebenfalls im Vorfeld, in Kals, Matrei oder im Lienzer Talboden, statt.“ Das Angebot für die Kleinsten umfasst etwa Fotosafaris, Fledermausnächte oder Murmeltiersuche. „Ziel ist es, Kinder zu animieren und zu motivieren, in die Natur einzutauchen und sie zu reflektieren.“
„Nationalpark für alle“ ist das Leitbild
Das wohl wichtigste Projekt für die kommenden Jahre stellte Stotter zusammen mit Christine Brugger, Obfrau der Lebenshilfe Osttirol, im Rahmen einer Pressekonferenz in Lienz zu einer Besucherbefragung vor. „Wir wollen das Projekt ‚Nationalpark für alle‘ weiterentwickeln. Der Park soll für alle Bevölkerungsgruppen, für alle Zielgruppen zugänglicher werden.“ Begonnen wurde bereits in den beiden Vorjahren, so sind der Themenweg Glocknerspur in Kals sowie der Rundweg über die Oberhausalm in St. Jakob inzwischen barrierefrei, außerdem stehen „Swiss-Tracs“ und E-Scooter kostenlos zur Verfügung. Stotter: „Diese Wege werden weiter optimiert, zum Beispiel mit Taststationen sowie mit weiteren Sprachversionen an den Infotafeln. Das geht bis zu einer Version in einfacher Sprache – für Menschen, die Probleme haben, komplexe Texte zu erfassen.“
Die Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Osttirol begann im Jänner, im März fanden erste Begegnungen zwischen den Nationalpark-Rangern und den Klienten der Lebenshilfe statt. Dazu Obfrau Brugger: „Inklusion heißt, Teilhabe für alle Menschen an allen Bereichen des öffentlichen Lebens. Dazu gehören nicht nur Reisen, die Arbeit oder der Besuch im Restaurant, dazu gehört auch, die Natur zu entdecken.“ Die spannende Frage, die sich Brugger und Stotter dabei stellen, ist, was Menschen mit Beeinträchtigungen wirklich benötigen: „Ist es die Erreichbarkeit? Sind es Rast- und Umkehrmöglichkeiten? Wichtig ist, dass wir das gemeinsam entwickeln“, erklärte Brugger, die den Posten als Obfrau vor einem Jahr übernahm.
Das Bachl ist interessanter als der Glockner
Als Beispiel nannte Brugger eine Wanderung mit Kindern, die weniger am zwei Stunden entfernten Glocknerblick interessiert seien, sondern vielmehr „am Bachl nebenan, denn da würde man gerne spielen.“ Grundsätzlich wird es bei den beiden bestehenden barrierefreien Wegen bleiben. Geplant ist vielmehr, bei weiteren gemeinsamen Ausflügen „Hotspots“, also für Menschen mit Beeinträchtigungen interessante Orte, zu identifizieren. Stotter: „Da geht es vielleicht um einen besseren Zugang zum Bach, um Tafeln für Sehbehinderte oder eine weitere Rastmöglichkeit.“
In Zukunft sollen solche Bereiche dann mit einer Art Prüfsiegel versehen werden. Begleitet wird das Ganze von einem Projekt der Kunstwerkstatt der Lebenshilfe, das die Aktion mit Fotos, Videos und weiteren Installationen dokumentiert. „Unsere Klienten lernen mehr über den Nationalpark, die Ranger mehr über den Umgang mit Menschen mit Behinderung“, fasste Brugger zusammen.
Auch Landesrat Zumtobel lobt
Landesrat René Zumtobel (SPÖ), der bei der Veranstaltung im Campus Lienz anwesend war, lobte das Projekt und verwies auf das Beispiel der Burgruine Ehrenberg bei Reutte, deren Besichtigung von unten bis oben komplett barrierefrei möglich ist. „Wenn man sieht, was die Menschen für eine Freude haben, wenn sie solche Plätze wie alle anderen besuchen können, da bekommt man richtige Glücksgefühle. Von daher ist das hier ein wunderschönes Projekt.“