Von Sport über Kochen bis hin zum Bewerbungstraining – seit zehn Jahren bietet Ausbildungsfit (AFit) in Lienz ein breites Angebot, um jungen Menschen den Übergang von der Schule in die berufliche Ausbildung zu erleichtern. „AFit lässt sich nicht nur in Zahlen, Fakten und Kompetenzen beschreiben. Es ist Miteinander, es ist Vertrauen und es ist vor allem Entwicklung in ganz kleinen Schritten, die wir Tag für Tag mit den Jugendlichen erleben“, so Josef Luxenberger, Projektleiter in Osttirol bei der Jubiläumsfeier in den AFit-Räumen in der Mühlgasse: „Es ist für uns ein besonderer Tag, es ist viel passiert, wir haben Hürden überwunden, wir haben Erfolge gefeiert, neue Wege bestritten und wertvolle Beziehungen aufgebaut – zu den Jugendlichen, aber auch zu den Schulen und anderen Institutionen.“
Rund 140 Jugendliche wurden in Osttirol begleitet
Luxenberger: „Viele Jugendliche sehen die Welt inzwischen in Grautönen. Um dem entgegenzutreten, wollen wir ein buntes Licht geben.“ Rund 140 Jugendliche hat AFit zusammen mit dem später dazugekommenen, niedrigschwelligen Format namens Vormodul inzwischen in Osttirol betreut. „Die Programme geben jungen Menschen die Möglichkeit, in ihrem Tempo wichtige Kompetenzen zu erlernen, Berufsfelder auszuprobieren und Selbstvertrauen für ihren Weg zu tanken“, erklärte Luxenberger, der auch den Aufbau erläuterte. „Das Vormodul wurde als sanfter Einstieg für Jugendliche entwickelt, denen die Anforderungen einer dauerhaften Teilnahme an AFit mit mindestens 16 Wochenstunden noch zu hoch erscheinen.“ So ist der Besuch des Vormoduls flexibel geregelt sowie auf sechs Monate begrenzt.
AFit basiert auf den vier Säulen Sport, Training, Einzelcoaching und Wissenswerkstatt. Wobei es stets vom Kleinen zum Großen geht. Luxenberger: „Wir beginnen den Montag im Turnsaal. Bewegung ist ein zentraler Bereich, da gehört auch die Mitgestaltung des Sportprogramms durch die Jugendlichen dazu.“ Unter Training fallen allgemeine Lebensfähigkeiten, wie „etwas Kleines kochen oder die erste eigene Wohnung zu reinigen“, ehe es sich bei den weiteren Säulen um berufsspezifischere Ausbildung dreht.
Dietmar Lindebner, Projektkoordinator AFit, erinnerte sich an die Anfänge: „2013 haben wir bei der Lebenshilfe gemerkt, dass an den Übergängen zwischen Pflichtschule und weiterführender Ausbildung sehr viele Abbrüche passieren. Junge Menschen sind dann relativ lange aus dem System und brauchen viel Energie, Mut und Zuversicht, um zurückzukommen.“ Ein Jahr später wurden die Planungen konkretisiert und unter anderem vom Sozialministerium unterstützt. In ganz Tirol hilft AFit nun 450 Jugendlichen pro Jahr. „Als Lebenshilfe waren wir von Beginn an begeistert. Wenn wir Menschen dazu bewegen, einen höheren Bildungsabschluss zu machen, sind sie weniger von Arbeitslosigkeit betroffen Alles was man in dieser Zeit voranbringt, wirkt sich ein Leben lang aus“, erzählte Lindebner, der zudem erwähnte, dass die Marke Lebenshilfe bewusst in den Hintergrund gerückt wurde, um dem Projekt selbst hohe Aufmerksamkeit zu garantieren.
Hohe Bedeutung für den Arbeitsmarkt
Katharina Schneider vom Arbeitsmarktservice Lienz stellte die Wichtigkeit von AFit für den Arbeitsmarkt im Bezirk heraus: „Die Programme haben eine hohe Bedeutung speziell für Lienz. Wir beobachten, dass die Jugendarbeitslosigkeit in der Stadt wieder steigt, dass viele Jugendliche an Stabilität verlieren und Probleme etwa in der Schule auftauchen. Ausbildungsfit macht viel aus den jungen Menschen und erkennt deren Potenzial.“ Die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik wohnte der Feier ebenfalls bei: „Ein großes Danke für die Atmosphäre, die ihr hier schafft. Es sind die Räume, es sind aber vor allem die Menschen, die dafür verantwortlich sind. Schule ist immer herausfordernd, umso wichtiger sind Menschen, die dann die Stärken sehen. In der Schule bekommen wir oft nur unsere Schwächen mit dem Rotstift markiert.“
Auch digitale Kompetenzen rücken in den Fokus
Zum Abschluss gab Luxenberger einen Ausblick auf die kommenden Jahre, in denen der Fokus noch mehr auf ganzheitliche Unterstützung liegen soll: „Die Herausforderungen in der Begleitung junger Menschen werden nicht kleiner. Es braucht viel Kreativität, Fachwissen und ein starkes Netzwerk.“ Auch neue Berufsfelder will AFit erschließen, ebenso digitale Kompetenzen ausbauen und Nachhaltigkeitsthemen weiter stark behandeln. „Die Berufswelt verändert sich, da müssen wir mithalten. Dann können wir weiter sagen: ‚Wenn jemand von uns geht, dann geht ein guter Weg weiter.‘“