Die Debatte um das geplante Kraftwerksprojekt Kolbnitz nimmt erneut Fahrt auf. Seitens der Bürgerinitiative „Retten wir die Möll“ und des Vereins „Lebenswertes Mölltal“ rund um Obfrau Angelika Staats wurden offene Briefe an die zuständigen Landesräte Daniel Fellner und Peter Reichmann, beide SPÖ, geschickt. Während seitens der Kelag derzeit ergänzende Unterlagen zur Umweltverträglichkeitserklärung ausgearbeitet werden, fordert die Initiative ein Gespräch über die Zukunft des Projekts.
Bekanntlich plant der Energiedienstleister ein Schwallausgleichskraftwerk in Kolbnitz. Ziel des Projekts ist es, die sogenannten Schwall-Sunk-Schwankungen der Möll auszugleichen und gleichzeitig zusätzliche Energie aus Wasserkraft zu erzeugen. Diese abrupten Wasserstandsschwankungen entstehen durch das An- und Abschalten von Turbinen bestehender Kraftwerke und gelten als Belastung für das ökologische Gleichgewicht des Flusses. Kernstück des Projekts ist ein rund 17 Kilometer langer Druckstollen durch die Kreuzeckgruppe, der in ein neues Kraftwerk in Kolbnitz münden soll.
Kritik und Forderungen aus dem Mölltal
Seitens der Bürgerinitiative wird nun erneut der politische Dialog eingefordert. In den Briefen wird betont, dass die Wasserrechte beim Land Kärnten liegen und damit auch politische Verantwortung gegeben sei. „Die Politik entscheidet über die Zukunft des Mölltals, denn die Wasserrechte werden vom Land Kärnten vergeben“, heißt es. Die Initiative verweist außerdem auf ihre Petition mit 7474 Unterschriften, die bereits im Juli des vergangenen Jahres dem Petitionsausschuss des Landes übergeben wurde. „Da die Vergabe der Wasserrechte beim Land liegt, fordern wir die Politik auf, sorgsam damit umzugehen und dem Mölltal das Wasser zu sichern“, schreibt Staats.
Auch die Landespolitik bestätigt den Eingang der Schreiben. Aus den Büros von Fellner und Reichmann heißt es: „Ein gemeinsames Antwortschreiben soll demnächst versendet werden.“ Ob und in welcher Form ein Gespräch mit Vertretern der Initiative stattfinden wird, werde derzeit geprüft. Gleichzeitig wird darauf verwiesen, dass „die Auswirkungen des Projekts im Zuge des UVP-Verfahrens genau überprüft und beurteilt werden“. Ziel sei es, Lösungen zu finden, „die sowohl den Schutz unserer einzigartigen Natur als auch eine verantwortungsvolle Entwicklung des Landes Kärnten ermöglichen“.
Austausch mit der Bevölkerung
Seitens der Kelag befindet sich das Projekt weiterhin im behördlichen Verfahren. Die Umweltverträglichkeitserklärung wurde im Sommer 2025 eingereicht, derzeit arbeitet der Energiedienstleister an von der Behörde angeforderten Ergänzungen. „Im Anschluss ist eine erneute Prüfung auf Vollständigkeit vorgesehen. Danach beginnt die Umweltverträglichkeitsprüfung mit öffentlicher Auflage“, heißt es aus dem Unternehmen. In dieser Phase werden die Unterlagen öffentlich einsehbar sein und Bürgerinitiativen sowie Privatpersonen können Stellungnahmen abgeben.
Gleichzeitig verweist die Kelag auf den laufenden Austausch mit der Region. „Wir stehen seit Projektbeginn in einem regelmäßigen Austausch mit Gemeinden, Tourismus- und Fischereiverbänden sowie Bürgerinitiativen und Bevölkerung im Mölltal“, teilt das Unternehmen mit. Über den aktuellen Projektstand werde unter anderem auf der Projekthomepage sowie in den Gemeindezeitungen der betroffenen Gemeinden informiert, es gab auch Informationsveranstaltungen und den Austausch vor Ort.
Damit bleiben die Fronten im Mölltal klar: Die Kelag treibt das Verfahren weiter voran, die Bürgerinitiative erhöht den Druck auf die Politik, während das Land auf die Ergebnisse der UVP verweist. Entscheidend für den weiteren Verlauf wird nun das laufende Verfahren sein.