Seit fast genau hundert Tagen fahren die Züge durch den Koralmtunnel. Immerhin der weltweit sechstlängste Eisenbahntunnel und Symbol für einen „neuen Mobilitätsraum im Süden Österreichs“, wie es gerne heißt.

In Graz treffen wir am Mittwoch auf ÖBB-Chef Andreas Matthä. Der Manager hat frische Nutzungszahlen im Gepäck und zeigt sich zufrieden damit. Täglich zählt die Bahn rund 7000 Koralmbahn-Fahrgäste, im Güterverkehr transportierten in den ersten hundert Tagen über 1000 Güterzüge mehr als eine Million Güter. Außerdem ist es Matthä ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass die ÖBB auch in Zeiten eines bundespolitischen Sparbudgets kräftig investieren. 552 Millionen Euro etwa sollen 2026 in die Steiermark fließen.

Werksbesuch bei Siemens Mobility: Kurt Maier (IV-Steiermark), Tanja Kienegger (Siemens Mobility), Landesrätin Claudia Holzer, Stefan Erlach (Siemens Mobility) und Andreas Matthä (ÖBB)
Werksbesuch bei Siemens Mobility: Kurt Maier (IV-Steiermark), Tanja Kienegger (Siemens Mobility), Landesrätin Claudia Holzer, Stefan Erlach (Siemens Mobility) und Andreas Matthä (ÖBB) © Foto Fischer

Derlei Zahlen nimmt freilich die ebenfalls anwesende Verkehrslandesrätin Claudia Holzer (FPÖ) wohlwollend entgegen. Große Infrastrukturprojekte würden nur „im Schulterschluss zwischen Land, Bund und ÖBB gelingen“, sagt sie, um im selben Atemzug ihre Kritik am – stark reduzierten – „Rahmenplan 2025 bis 2030“ der ÖBB zu erneuern. Schmerzhaft etwa sei, dass der Ausbau der Strecke von Werndorf nach Spielfeld aufgeschoben wurde.

Einen potenziellen „Engpass“ sieht Holzer im eingleisigen Abschnitt. „Erfreulich“, sagt die Landesrätin, sei der geplante, zweigleisige Neubau von Graz in Richtung Frohnleiten. Wenngleich man die „Erweiterung nach Bruck an der Mur“ dringend mitdenken müsste.

Flughafen als „multimodale Mobilitätsdrehscheibe“

Aufs Tapet wird in Graz abermals auch eine Koralm-Haltestelle am Grazer Flughafen gebracht. „Ich werde mich weiterhin dafür starkmachen“, sagt Holzer, die einst fälschlicherweise eine feste Verankerung im ÖBB-Rahmenplan ortete und später zurückrudern musste. Kurt Maier, Präsident der steirischen Industriellenvereinigung, will den ÖBB eine Haltestelle gar per neuem Konzept schmackhaft machen. Ihm schwebt der Flughafen als eine „multimodale Mobilitätsdrehscheibe für Südösterreich“ vor, sagt er.

Entstehen könnte diese, wenn die Flughafenhaltestelle mit einem „großen Park-&-Ride-Standort verbunden wird“. Der Umstieg auf die Bahn würde so „attraktiver, der Großraum Graz entlastet und die Region als Wirtschaftsstandort zusätzlich gestärkt“, sagt Maier.

7000 Fahrgäste pro Tag: Erste Bilanz der Koralmbahn
7000 Fahrgäste pro Tag: Erste Bilanz der Koralmbahn © ÖBB

„Die Haltestelle braucht‘s derzeit nicht“, antwortet indes Andreas Matthä auf Nachfrage der Kleinen Zeitung und mit Blick auf enge Taktnoten im Fernverkehr. Außerdem sei der Flughafen per S-Bahn „bereits heute gut erschlossen und in elf Minuten vom Hauptbahnhof erreichbar“. Aber: „Technisch-planerisch“ sei der Stopp am Grazer Flughafen vorgesehen und ist erst einmal der Semmering-Basistunnel in Betrieb, würden sich auch neue „Fahrzeitreserven“ auftun. Zeitlich befinden wir uns an dieser Stelle wohl voraussichtlich im Jahr 2030.

Ein Anliegen trägt am Mittwoch auch Tanja Kienegger, Gastgeberin und Chefin von Siemens Mobility in Österreich – Matthä adelt das Unternehmen als „bahnindustriellen Diamanten“ –, vor. Politisch würde der steuerliche Rahmen und die Voraussetzung für die Forschungsprämie in Österreich zurzeit deutlich verschärft. Das treffe vor allem die angewandte Forschung stark – was, so Kienegger, wiederum zu einem Problem für die Wettbewerbsfähigkeit am Standort werden könnte.