Passend zur Stimmung im Ort weht am Mittwoch zur Mittagszeit ein kalter, rauer Wind durch Aflenz. Der Ärger in der obersteirischen Gemeinde ist groß: Internen Plänen der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) zufolge, soll das örtliche Reha-Zentrum mit jenem in St. Radegund zusammengelegt werden.

Beschlossen ist das laut PVA noch nicht, dennoch sind die Sorgen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort groß. Das brachten sie am Mittwoch im Zuge einer Mitarbeiterversammlung auch lautstark zum Ausdruck.

Protest auf der Straße

Pünktlich um 13 Uhr zogen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgestattet mit Trillerpfeifen, Ratschen und Plakaten aus dem Reha-Zentrum aus und marschierten von dort zum Festsaal. „Aflenz kämpft, wir halten stand, Reha retten Hand in Hand“, skandierten die Frauen und Männer ihre Parolen auf dem Weg dorthin, begleitet von schrillen Pfiffen und Kuhglocken.

„Bei uns ist diese Nachricht niedergegangen wie eine Bombe“, erzählt Betriebsratskassierin Eveline Moik, „Viele können das noch immer nicht glauben.“ Dem stimmt auch Diana Kretschmer zu: „Die letzten Tage waren für uns alle sehr aufwühlend.“ Sie spricht damit einigen ihrer Kolleginnen und Kollegen aus der Seele.

„Das ist unpackbar“

Nachdem die PVA ihre Überlegungen mittels E-Mail kommuniziert hat, gingen die Wogen hoch. Fast alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten ihren Lebensmittelpunkt in der Region. Manche seien dafür vor vielen Jahren deswegen extra hergezogen. Ein Wechsel nach St. Radegund sei nicht vorstellbar.

Mit Schildern wurde gegen eine mögliche Schließung protestiert
Mit Schildern wurde gegen eine mögliche Schließung protestiert © KLZ / Markus Lösel

„Das ist unpackbar. Wir können nicht jeden Tag drei Stunden für den Arbeitsweg aufwenden. Bei uns arbeiten viele junge Mütter mit Familie zuhause“, erklärt Moik. Große Sorgen machen sich auch Mitarbeiterinnen mit mehr Lebenserfahrung. „Soll ich mir mit 62 noch einen neuen Job suchen“, fragt sich eine Dame.

Unterstützung von Patienten und Politik

Emotional wurden auch einige Patientinnen und Patienten der Reha, die den Protestmarsch klatschend und mit ermutigenden Worten beim Festsaal empfingen. „Aflenz ohne Reha? Das ist nicht vorstellbar. Die Mitarbeiter hier sind die besten.“ Einer ergänzt: „Es ist alles familiär, es wird auf einen eingegangen. Ich hab es der Reha zu verdanken, vieles an Lebensqualität zurückbekommen zu haben.“

In ein ähnliches Horn stießen auch die politischen Funktionäre, die der Mitarbeiterversammlung im Festsaal beiwohnten. Zuvor war ihnen untersagt worden, das Gelände ohne Zustimmung der PVA zu betreten.

Viele Patientinnen und Patienten unterstützten den Protestmarsch vom Straßenrand
Viele Patientinnen und Patienten unterstützten den Protestmarsch vom Straßenrand © KLZ / Moritz Prettenhofer

Neben den Bürgermeistern Hubert Lenger (ÖVP, Aflenz), Stefan Hofer (SPÖ, Turnau) und Christian Polaschek (SPÖ, Thörl), hatten sich auch Landtagsabgeordneter Philipp Könighofer (FPÖ) und der steirische SPÖ-Chef Max Lercher eingefunden, um sich dort die Sorgen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anzuhören.

„Es war ein klarer Schulterschluss aller Parteien. Wir sind nicht blauäugig und werden darum kämpfen“, sagt Lenger. Auch Hofer gibt sich kämpferisch und bezeichnet die mögliche Schließung als „massiven Anschlag“ auf Mitarbeiter und Region.

„Es war beeindruckend. Der Saal hat gebebt“, berichtet Betriebsratsvorsitzende Eva Hirschmanner nach der Versammlung, „Es wird jede Fraktion ihr Möglichstes tun, um den Standort zu retten.“ Im Hintergrund laufen unterdessen bereits die Vorbereitungen für die große Solidaritätsbekundung am 28. März auf Hochtouren. Und eines ist jetzt schon klar: „Da wird es noch lauter“, so Hubert Lenger.