Das Scheitern der Koalitionsverhandlungen zwischen FPÖ und ÖVP ist Mittwochnachmittag Gesprächsthema Nummer Eins in Gemeindeämtern, auf den Straßen und in Gasthäusern. Wie berichtet, hat FPÖ-Chef Herbert Kickl Bundespräsident Alexander Van der Bellen darüber informiert, dass die Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP gescheitert sind. Reaktionen der Oberkärntner zeigen, dass an Kompromissbereitschaft und Aufeinander-Zugehen kein Weg mehr vorbeiführen wird, um zu einer Regierung zu kommen.

„Ich denke, dass Österreich mit dem Platzen der Koalitionsverhandlungen einiges erspart geblieben ist. Jetzt ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren und die Situation zu beruhigen. Der Bundespräsident wird in Folge bekannt geben, wie es weitergeht“, sagt Marika Lagger-Pöllinger, Spittaler SPÖ-Bezirksparteiobfrau und Bürgermeisterin von Lendorf. Wie soll es jetzt weitergehen? „Es wäre wichtig, dass eine Art Expertenregierung gebildet wird, damit Beschlüsse gefasst werden können.“

SPÖ-Bezirksparteiobfrau und Bürgermeisterin von Lendorf Marika Lagger-Pöllinger
SPÖ-Bezirksparteiobfrau und Bürgermeisterin von Lendorf Marika Lagger-Pöllinger © KK/Privat

Leopold Astner (ÖVP), Bürgermeister von Hermagor, sagt: „Es hat mich nicht verwundert, dass die Koalitionsverhandlungen geplatzt sind. Herbert Kickl hat einfach zu hoch gepokert. Niemand versteht, warum Urteile, die vom Europäischen Gerichtshof getroffen wurden, plötzlich nicht mehr gelten. Das ist ein absolutes No-Go für alle Personen, die demokratische Prinzipien haben. Neuwahlen halte ich nicht für zielführend, da das ganze Prozedere viel zu lange dauert. Es muss eine Einigung angestrebt werden. Dazu ist die Bereitschaft zu Kompromissen nötig.“

Leopold Astner (ÖVP) war ob des Scheiterns nicht verwundert
Leopold Astner (ÖVP) war ob des Scheiterns nicht verwundert © Leopold Salcher

„Ich finde es sehr schade, es wäre für Österreich eine große Chance gewesen. Ich bin wirklich sprachlos“, kommentiert Barbara Plunger, FPÖ-Bezirksparteiobfrau das Scheitern der Koalitionsverhandlung. Wie es nun weitergehen soll? „Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, das werden wohl die großen Parteigremien entscheiden.“

Barbara Plunger, FPÖ-Bezirksparteiobfrau Hermagor
Barbara Plunger, FPÖ-Bezirksparteiobfrau Hermagor © KK/Privat

Die FPÖ habe der ÖVP ein faires Angebot unterbreitet, das nicht angenommen wurde, sagt FPÖ-Nationalratsabgeordnete Tina Angela Berger zu dem Aus. „Ich finde es auch gegenüber den Österreicherinnen und Österreichern nicht gerecht.“ Für Berger sei Bundespräsident Alexander Van der Bellen nun am Zug.

Tina Berger Nationalratswahl Kandidatin Wahlkreis 2C Kärnten West FPÖ
Tina Berger Nationalratswahl Kandidatin Wahlkreis 2C Kärnten West FPÖ © KK/FPÖ

Hermann Dertnig, Ortsparteiobmann der FPÖ in Stall im Mölltal, ist „traurig“: „Die FPÖ hat die Wahl gewonnen, war aber gegenüber der ÖVP, deren Stimmanteil nur unwesentlich geringer war, nicht kompromissbereit. Man hätte stärker auf den Partner eingehen müssen. Ich denke, dass es Christian Stocker besser als Karl Nehammer gelingen könnte, mit SPÖ und den Neos auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.“

Hermann Dertnig, Ortsparteiobmann der FPÖ in Stall im Mölltal, ist „traurig“
Hermann Dertnig, Ortsparteiobmann der FPÖ in Stall im Mölltal, ist „traurig“ © Michael Egger