Neue Zürcher Zeitung (Schweiz):
„Von Verhandlungen konnte man schon länger nicht mehr sprechen. Obwohl das Ringen von FPÖ und ÖVP um eine gemeinsame Koalition seit einer Woche vor dem Kollaps stand und Österreich noch nie zuvor so lange keine ordentliche Regierung hatte, sprachen die beiden Parteispitzen kaum noch miteinander. Am Dienstag sollen sich der FPÖ-Chef Herbert Kickl und der designierte ÖVP-Vorsitzende Christian Stocker gerade einmal für zwanzig Minuten getroffen haben, um danach dem Bundespräsidenten auszurichten, man wolle dennoch weitermachen. (...) Die gegenseitig ausgerichteten Gehässigkeiten machten das fehlende Vertrauen zwischen den Parteien für die ganze Republik sichtbar. (...) Damit deutete alles auf einen baldigen Abbruch hin. Dieser ist tatsächlich vor allem ein Scheitern von Kickl, der mit Blick auf die guten Umfragewerte seiner Partei offenbar zu hoch gepokert hat.
Süddeutsche Zeitung (Deutschland):
„In den vergangenen Wochen wurde immer deutlicher, wie groß die inhaltlichen Gräben zwischen den Parteien sind. Was die Europa- und Sicherheitspolitik betrifft, die Rolle von Kultur und Medien und das Verständnis von Demokratie ganz allgemein. Sichtbarer wurde auch, wie radikal Herbert Kickls FPÖ ist. Nicht nur liefen seine Forderungen auf ein sich abschottendes, gesellschaftlich rückwärtsgewandtes Land hinaus. Kickl stellte auch Selbstverständlichkeiten infrage, wie die Unabhängigkeit der Medien oder die Tatsache, dass Österreich Urteile des Europäischen Gerichtshofs als bindend anerkennt.
In den vergangenen Tagen wurde aus dem Theater schließlich ein unwürdiges Schauspiel. Da richteten sich FPÖ und ÖVP über die Medien Forderungen aus oder wiesen diese zurück. Man attackierte sich öffentlich, schob einander wechselseitig die Schuld zu und zögerte den Moment, zuzugeben, dass es eine solche Koalition nicht geben wird, so lange wie möglich hinaus. Die Lage in Österreich könnte nicht prekärer sein: Nicht nur gibt es 136 Tage nach der Nationalratswahl noch immer keine Regierung, ÖVP und FPÖ haben auch ein verbreitetes Vorurteil gegenüber der Politik bestätigt – nämlich, dass es nicht um Kompromisse geht, sondern nur um die eigenen Interessen.“
Frankfurter Allgemeine (Deutschland):
„Es war von Anfang an ein heikles Unterfangen, sich auf Koalitionsverhandlungen mit der rechten FPÖ unter Herbert Kickl einzulassen. Kickl ist genau jener Mann, vor dem die konservative ÖVP im Wahlkampf noch in aller Dringlichkeit gewarnt hatte – und mit dem der damalige ÖVP-Bundeskanzler Karl Nehammer eine Zusammenarbeit strikt ausschloss. Dennoch war es angesichts der verfahrenen Lage in Österreich richtig, diesen schwierigen Schritt zu gehen – genauso richtig, wie es nun war, die Reißleine zu ziehen. Denn Kickl hat in den Gesprächen genau jenen Wesenszug offenbart, vor dem seine Gegner mit gutem Grund warnen: seine radikale Kompromisslosigkeit.“
Die Zeit (Deutschland):
„Man hat sich in den vergangenen Jahren eigentlich daran gewöhnt, dass Österreich immer noch einen auf Lager hat. Aber wie die Koalitionsverhandlungen zwischen der rechten FPÖ und der konservativen ÖVP endgültig in die Brüche gingen, das war dann doch wieder ein atemberaubendes Schauspiel.“
Corriere della Sera (Italien):
„Der Vorsitzende der rechtsextremen österreichischen Partei FPÖ, Herbert Kickl, erklärte, dass die Gespräche zur Bildung einer Koalitionsregierung mit der konservativen ÖVP gescheitert seien.
(...) Die Gespräche mit der konservativen Österreichischen Volkspartei gestalteten sich in den letzten Tagen jedoch immer schwieriger, da es immer wieder zu Auseinandersetzungen und einem Streit über die Verteilung der Ministerien kam.
Österreich befindet sich nun in einer noch nie dagewesenen politischen Situation und eine Rückkehr zu den Wahlurnen ist nicht ausgeschlossen.“