Ostern ist – vergleichbar mit dem Advent und Weihnachten – eine Zeit vielfältigen Brauchtums. In früheren Tagen waren die Karwoche und das damit verbundene Hingehen auf den Ostersonntag als höchsten Feiertag der katholischen Kirche noch enger mit Bräuchen verwoben als heute. Vieles davon ist in Vergessenheit geraten und kann nur mehr nachgelesen werden – etwa im „Volksleben in Kärnten“ von Georg Graber.

Die ersten drei Tage der Karwoche galten noch als reine Arbeitstage, während man ab dem Gründonnerstag schon von halben Feiertagen sprechen kann. An diesem Tag legten die Hennen die sogenannten Antlaßeier, denen besondere Wirkung nachgesagt wurde. So blieben sie angeblich ein ganzes Jahr frisch und wurden – als Abwehr von Unheil für Mensch und Tier, Blitz, Hagel, Überschwemmungen oder Feuer – nicht nur über das Haus geworfen, sondern auch in den Feldern vergraben.

"Karfreitiratschn"

Langschläfer waren in alter Zeit verpönt und wurden im Lavanttal mit inzwischen höchst lustig anmutenden Ausdrücken verhöhnt. Wer am Gründonnerstag morgens nicht rechtzeitig aus den Federn kam, hieß „Ggraggachgarrn“ (so nannte man den Karren für das Reisig des Osterhaufens), am Karfreitag wurde der, der am spätesten aufstand, „Karfreitiratschn“ gerufen, am Karsamstag „Taftegl“, also „Tauftiegel“. Diese Bezeichnung ist damit erklärbar, dass der Karsamstag auch Taufsamstag genannt wurde, da an diesem Tag das Taufwasser in den Kirchen geweiht wurde.

In Schönweg punktete dieser Bauer mit einer besonders langen Osterfackel
In Schönweg punktete dieser Bauer mit einer besonders langen Osterfackel © Graber „Volksleben in Kärnten“

Am Gründonnerstag begann sehr strenges Fasten, was von manchen Menschen so ausgelegt wurde, dass sie nicht nur auf Fleisch, sondern auch aufs Rauchen und Trinken – sogar von Wasser – verzichteten.

Fleischweihe 1900: Damals wurde der Weihkorb auf dem Kopf getragen
Fleischweihe 1900: Damals wurde der Weihkorb auf dem Kopf getragen © Werner Presser

Feuerschwämme segnen

Am Karsamstag liefen in Unterkärnten die Osterbettler von Haus zu Haus, um Eier, Geselchtes und Reindling zu erheischen. An diesem Tag wurde im Herd das geweihte Feuer entzündet, welches das ganze Jahr über nicht ausgehen durfte. Vor den Kirchen wurden Feuerschwämme gesegnet – ein Brauch, der im Lavanttal heute noch gilt. Vergessen ist jedoch, dass der Bub, der als erster das Feuer ins Haus brachte, eine Wurst bekam. Der zweite Überbringer wurde mit einem gefärbten Ei belohnt, später Kommende erhielten nichts.

In der Osternacht loderten auf den Hügeln die Feuer, wobei man manchmal mit extrem langen Fackeln prunken wollte, wie bei Graber ein Foto aus Schönweg in St. Andrä belegt. Ausgeprägt war im Lavanttal auch das „Kreuzbrennen“ auf den Anhöhen.

Speisensegnung und ein festliches Mahl gehörten dazu wie heute. Darüber hinaus besuchten die Taufpaten ihre Patenkinder und hatten einen Reindling mit dem „Gotl-Ei“ im Gepäck sowie ein Geldstück.

Und auch für Verliebte, die in diesem Jahr heiraten wollten, hatte Ostern eine besondere Bedeutung. Der Bräutigam erhielt von seiner Zukünftigen drei bunte Eier. Das garantierte eine lange, glückliche Ehe.