Die Arbeiten auf einer unglaublich material- und mitarbeiterintensiven Baustelle gehen zügig voran: Der seit 2008 diskutierte Radweg durch die Lieserschlucht zählt zu einer der aufsehenerregendsten Baustellen des Landes Kärnten. Dafür musste im Februar die Katschbergstraße (B99) zwischen Spittal und Seeboden für den Verkehr komplett gesperrt werden. „Die ersten 100 Meter Radweg sind geschafft, bis Ende Mai werden es 400 sein“, sagt Martin Steiner, Bauleiter der ausführenden Firma Steiner Bau GmbH mit Sitz in St. Paul im Lavanttal. Zwischen 40 und 50 Mitarbeiter setzen den Radweg, der auf Betonkragplatten oberhalb des Lieser-Flusses errichtet wird, um.

„Zentrale Elemente, welche die Kragplatten tragen, sind acht bis zehn Meter lange Pfähle, welche durch die Stützmauer in Abständen von zwei Metern in die Erde gebohrt werden. Sie sind von Leerrohren, die mit Feinkornbeton ausgegossen werden umhüllt“, schildert Steiner. Auf diesen Pfählen wird ein 30 bis 50 Zentimeter starker und bis zu 2,5 Meter breiter Stützmauerkopf aus Stahlbeton hergestellt. Er dient als Fundament für die Errichtung der Kragplatten.

Reinhard Schell, Volker Bidmon, Gerhard Köfer, Martin Gruber und Martin Steiner
Reinhard Schell, Volker Bidmon, Gerhard Köfer, Martin Gruber und Martin Steiner © KLZ / Leonie Katholnig

Weg ist Mitte 2028 fertig

Mit diesem aufwendigen Verfahren schafft man pro Woche nicht mehr als 50 Laufmeter Kragplatte. Weil die Baustelle nicht das ganze Jahr über aufrechterhalten wird, können pro Jahr 700 bis 800 Meter des insgesamt 2,4 Kilometer langen Wegs errichtet werden. Die Fertigstellung des Weges ist für Mitte 2028 anvisiert. Der zuständige Straßenbaureferent, Landeshauptmann-Stellvertreter Martin Gruber (ÖVP) versprach bei der Baustellenbesichtigung am Freitag, dass er die Strecke dann per Rad in Angriff nehmen werde: „Es handelt sich um ein Leuchtturmprojekt für Kärnten. Nicht nur für den Tourismus, sondern auch für die Bevölkerung, die einen komfortablen und sicheren Radweg erhalten wird.“

Die Breite der Auskragung beträgt zwischen 1,5 und 3,5 Meter
Die Breite der Auskragung beträgt zwischen 1,5 und 3,5 Meter © KLZ / Leonie Katholnig

Dieser ist für 21,3 Millionen Euro zu haben. Der Landesanteil beträgt 20,1 Millionen Euro, 8 Millionen Euro werden nach Fertigstellung über den Klimaaktivfonds refundiert. Der Anteil der Gemeinden Spittal und Seeboden beträgt gesamt 1,2 Millionen Euro. Gruber betont, dass das Projekt mehr als den Radweg umfasst. „Inkludiert sind die bereits erfolgte Sicherung der Ertlwand, die Sanierung der Ufer-Stützmauern, die Sanierung der Katschbergstraße zwischen Spittal und Seeboden sowie die Errichtung eines neuen Entwässerungsprojekts für die anfallenden Oberflächenwässer. All diese Maßnahmen garantieren, dass die Erhaltungskosten nach Fertigstellung über einen längeren Zeitraum gering sein werden.“

So wird der Radweg von unten aussehen. Die Lieser wird auf einer Länge von rund 1,7 Kilometern mit Kragplatten „überbaut“
So wird der Radweg von unten aussehen. Die Lieser wird auf einer Länge von rund 1,7 Kilometern mit Kragplatten „überbaut“ © Büro Martin Gruber

Volker Bidmon, Leiter der Straßenbauabteilung des Landes, wies auf den hohen Materialbedarf hin: „Für den gesamten Radweg werden 6500 Kubikmeter Beton, rund 680 Tonnen Stahl und 7950 Laufmeter Mikropfähle benötigt. Die Breite der Auskragung wird zwischen 1,5 und 3,5 Meter betragen.“

So sieht der 2,5 Meter breite Stützmauerkopf aus Stahlbeton aus
So sieht der 2,5 Meter breite Stützmauerkopf aus Stahlbeton aus © KLZ / Leonie Katholnig

Bidom erklärte, dass die Einbindung des Radweges in die Stadt Spittal über eine Rampe in Richtung Fußgängerbrücke im Norden des Volpini-Areals erfolgen wird. „Von hier aus gelangt man an den Drauradweg oder in das Stadtzentrum.“ Spittals Bürgermeister Gerhard Köfer (TK), der sich vom Baufortschritt beeindruckt zeigte, sprach die derzeit unbefriedigende Situation des provisorischen Kreisverkehrs an der Nordeinfahrt an. „Für Verkehrsteilnehmer ist er sehr unübersichtlich. Wäre es möglich, dieses Baulos vorzuziehen?“, fragte er Gruber. Dieser betonte, dass man den Kreisverkehr erst nachdem der Radweg fertig ist, in Angriff nehmen werde.

In Geduld werden sich auch die Verkehrsteilnehmer üben müssen. Es wird im Oktober und November sowie in den kommenden Jahren zu weiteren Totalsperren kommen. Auch die Anrainer der Fratresstraße, die während der Totalsperren als Umleitungsstrecke dient, werden sich ein gutes Nervenkostüm zulegen müssen.