Ist Ferlach ein guter Ort, um sich scheiden zu lassen? Nicht nur ist die Anzahl der Scheidungen auffallend hoch, aus gut informierten Justizkreisen erfährt man auch, dass das Bezirksgericht in Ferlach für prominente Eheleute eine gute Wahl ist, um die Scheidung möglichst diskret und anonym durchzuführen. Von österreichweit bekannten Politikern oder Kabarettisten ist etwa die Rede. Namen dürfen nicht genannt werden.
„Wenn man nicht in der Öffentlichkeit stehen möchte, ist eine Scheidungsverhandlung am Bezirksgericht Ferlach günstiger als beispielsweise in Klagenfurt“, weiß Bernhard Fink, Präsident der Rechtsanwaltskammer für Kärnten. „Dass Promi-Paare sich nicht in ihrer Heimatgemeinde scheiden lassen, ist nicht unüblich. Bei uns haben sich auch schon Oberkärntner Politiker scheiden lassen und Klagenfurter Promis sind nach Unterkärnten ausgewandert“, berichtet Martina Löbel, Mediensprecherin des Bezirksgerichtes Klagenfurt.
Zahlen und Fakten
Die Statistik verrät Interessantes: Kärnten hat laut dem Österreichischen Institut für Familienforschung eine Scheidungsrate von 39,4 Prozent, der Österreichschnitt liegt bei 36,5 Prozent. Laut einer Statistik, erhoben vom Bundesministerium für Justiz, finden die häufigsten Scheidungen in Villach und Klagenfurt statt, das kleine Bezirksgericht Ferlach liegt allerdings bereits auf dem dritten Platz. 2025 haben 268 Paare in Villach, 253 Eheleute in Klagenfurt und 140 Paare in Ferlach am Bezirksgericht die Scheidungspapiere unterschrieben. In Ferlach lassen sich also halb so viele Paare wie in Klagenfurt scheiden und das obwohl rund 160.000 Einwohner dem Klagenfurter Bezirksgericht und knapp 12.000 Einwohner dem Ferlacher Bezirksgericht zugeordnet sind. Die Einwohner von Zell, Ferlach, Feistritz und St. Margareten finden in Ferlach eine Anlaufstelle, die restlichen Klagenfurt-Land-Gemeinden und die Landeshauptstadt fallen in den Zuständigkeitsbereich des Bezirksgerichtes Klagenfurt.
Kürzere Wartezeiten
Abgesehen von der größeren Anonymität, ist der Hauptgrund aber sicherlich die kürzere Wartezeit auf ein Scheidungsverfahren sowie die Nähe zur Landeshauptstadt. „Bei Paaren, die durch einen Anwalt vertreten sind, kommt es oft vor, dass diese die Zuständigkeit des Bezirksgerichtes Ferlach vereinbaren, weil sie hier recht schnell einen Termin bekommen. Bei Liegenschaftsvermögen, umfangreichen Unterhaltsregelungen oder komplizierten Obsorgeregelungen sind Anwälte oft froh, wenn eine Einigung erzielt werden kann. Daher wird ein rascher Verhandlungstermin angestrebt, bevor eine Partei ihre Meinung wieder ändert“, sagt Löbel. Fink dazu: „Die Belastung am Bezirksgericht Klagenfurt mit einem größeren Zuständigkeitsbereich ist natürlich höher, die Wartezeiten dementsprechend länger.“ Ferlachs Richter Johann Kogelnig darf sich zu Scheidungen nicht äußern, da es keine öffentlich geführten Verfahren sind.