Keine 100 Einwohner zählt die Ortschaft Lebmach in der Gemeinde Liebenfels. Meistens geht das Dorfleben ruhig vonstatten. Aktuell scheint dem allerdings nicht so, wie ein Bewohner, der nicht namentlich genannt werden möchte, der Kleinen Zeitung vor Ort erzählt. Der Grund sind Wege- und Parkbeschränkungen durch ein Wiener Grundbesitzer-Ehepaar, das ebenfalls namentlich nicht genannt werden möchte.

Kirche sorgt für Streit

„Überall im ganzen Ort werden ‚Parken verboten‘- oder ‚Betreten verboten‘-Schilder aufgestellt und aufgehängt, obwohl es diese Wege seit bestimmt 100 Jahren gibt“, klagt der Dorfbewohner. „Sie werden unter anderem von Fußgängern genutzt.“ Besonders die Lage bei der Kirche in Lebmach sei nicht mehr vertretbar. „Am Fuße der Kirche, auf der Wiese, haben die Leute immer geparkt, um zur Messe zu kommen“, schildert der Anrainer. „Vor etwa vier oder fünf Jahren wurde da erstmals ein Zaun hingestellt.“

Die Situation habe sich nun verschlimmert, aktuell gebe es bei der Kirche keine Parkmöglichkeiten. „Das wird sich zwar demnächst ändern, weil die Gemeinde dort die Straße verbreitern wird, aber optimal ist das nicht.“ Dann habe man zumindest ein paar Möglichkeiten, wo man seinen Wagen längs abstellen könne.

Eigentümer wehren sich

Den Vorwurf, es gebe derzeit keine Parkmöglichkeiten, weisen die Grundbesitzer von sich. „Die Wiese am Fuße der Kirche steht in unserem Privateigentum und wird landwirtschaftlich genutzt. Zudem ist sie verpachtet“, betonen sie auf Anfrage der Kleinen Zeitung. Aus Gründen der Haftung, der Verkehrssicherheit und der Rücksichtnahme auf ihre Pächter sei ein Parken in diesem Bereich nicht vorgesehen.

Daher sei der Zaun in Abstimmung mit der Gemeinde Liebenfels errichtet worden. Außerdem habe man für alternative Parkplätze gesorgt: „Diese gibt es unmittelbar daneben im Bereich unserer Werkstätte“, betonen die Eigentümer. 100 bis 150 Meter ist dieser Bereich von der Kirche entfernt. „Die genannten Parkmöglichkeiten gelten im Rahmen von Gottesdiensten, Grabbesuchen oder Feierlichkeiten, bis auf Widerruf und auf eigene Gefahr“, heißt es weiter.

Hier befinden sich, so die Eigentümer, die alternativen Parkmöglichkeiten
Hier befinden sich, so die Eigentümer, die alternativen Parkmöglichkeiten © KLZ / Andreas Hoi

Entsorgung ein Problem

Ein weiteres Streitthema sei die Entsorgung des Grünschnitts beim Friedhof. Bisher konnte man das immer durch die Zufahrt über die oben erwähnte Wiese erledigen. Das sei nun allerdings nicht mehr möglich. „Seit einigen Monaten haben sie ein Schloss am Zauntor angebracht, der Weg ist versperrt“, klagt der Bewohner.

Dafür haben sich die Eigentümer zwar eine Lösung einfallen lassen, diese hält der Anrainer allerdings für inakzeptabel. „Wir sollen von oben anfahren, dafür haben sie laut eigener Aussage einen Weg durch den Wald freimachen lassen. Aber dieser Weg ist unbefahrbar.“

Abholung sei in Abstimmung möglich

Auch diesen Vorwurf weisen die Grundbesitzer zurück: „Die Abholung des Grünschnitts mit Pkw und Anhänger erfolgt in größeren Abständen in Abstimmung mit uns“, betonen sie. Dafür werde die Zufahrt über die Wiese von unten freigegeben, wodurch in der Regel keine nennenswerten Beeinträchtigungen entstehen würden.

Auf Unverständnis stößt außerdem ein „Betreten verboten“-Schild auf einem Weg neben dem Gasthaus „Glantalerhof“. Dort wird auch auf eine Videoüberwachung aufmerksam gemacht. Hierzu heißt es von den Eigentümern: „Diese Wegführung wird intensiv landwirtschaftlich genutzt und befindet sich auf Privatgrund. Zur Vermeidung von Gefährdung wurde darauf hingewiesen.“

Ein „Betreten verboten“-Schild, das für Unverständnis sorgt. Es befindet sich auf einem Weg neben dem Gasthaus „Glantalerhof“
Ein „Betreten verboten“-Schild, das für Unverständnis sorgt. Es befindet sich auf einem Weg neben dem Gasthaus „Glantalerhof“ © KLZ / Andreas Hoi

Die Besitzer betonen, dass ihnen eine „sachliche und kooperative Lösung im Sinne der Dorfgemeinschaft, der Gemeinde Liebenfels, der Pfarre Pulst sowie unserer Pächter wichtig ist“.

Köchl will vermitteln

Zwischen den Stühlen steht Bürgermeister Klaus Köchl (SPÖ), der in der Angelegenheit schon seit einiger Zeit zu vermitteln versucht. „Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo in der Mitte“, sagt der Gemeindechef. „Die Grundbesitzer machen nichts Ungesetzliches. Sie bestehen sehr auf ihre Ansprüche als Eigentümer, das ist auch ihr gutes Recht.“ In naher Zukunft möchte Köchl weitere vermittelnde Gespräche führen.

Köchl bemühe sich um eine Lösung durch vermittelnde Gespräche
Köchl bemühe sich um eine Lösung durch vermittelnde Gespräche © Gert Köstinger