Wer Christian Gamsler erreichen möchte, braucht Glück. Der 58-Jährige durchlebt derzeit Wochen, die ihn zwar mit Arbeit überladen, ihm aber sehr lange und sehr gut in Erinnerung bleiben werden. Mit Monatsbeginn stieg Gamsler in der Abteilung 3 des Amts der Kärntner Landesregierung zum Unterabteilungsleiter auf. 16 Tage später übernimmt er vermutlich das Bürgermeisteramt in Ferlach.
Vermutlich, weil die Zustimmung des Gemeinderats noch fehlt. Bis es so weit ist, bleibt Gamsler vorsichtig – trotz absoluter Mehrheit seiner SPÖ. „Ich habe schon viel erlebt“, sagt der 58-Jährige, der am Dienstagabend die Nachfolge von Ingo Appé antreten soll. An Erfahrung wird es nicht scheitern: Seit 36 Jahren sitzt er im Ferlacher Gemeinderat, seit vier Perioden sogar als Vizebürgermeister. Und trotzdem geht Gamsler einen Weg, den er ursprünglich meiden wollte.
Partei und Familie machten ihm Mut
Schon 2021 stand parteiintern fest, dass Appé ein Jahr vor der nächsten Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl das Amt übergeben wird. An Appés Schritt zurück wollte sich auch der stellvertretende Katastrophenschutzbeauftragte des Landes anhängen. Gamsler machte die Rechnung aber ohne die Partei sowie seine Familie. Beide Seiten machten ihm Mut. Und es half: Alle Selbstzweifel verpufften und Gamsler sagte zu. Es fühlt sich richtig an, meint der Vater von drei Töchtern heute.
Schenkt ihm auch der Gemeinderat das Vertrauen, führt zumindest bis zur Wahl im Frühjahr 2027 ein gebürtiger Steirer die 7500 Bürger fassende Stadtgemeinde an. Dort lebt Gamsler seit dem Jahr 1972, als seine Familie den Weg von Köflach nach Ferlach fand. Der Vater arbeitete im Bergbau, war engagierter Gewerkschafter, musste berufsbedingt aber den Standort wechseln. Zur Wahl standen Wien oder Ferlach. Die prototypische SPÖ-Arbeiterfamilie der 1970er-Jahre entschied sich für Kärnten.
Sprachliche Unterschiede sind kein Problem
Nur sprachlich gelang Gamsler der Umzug nicht, ist seine Herkunft noch heute unüberhörbar ein Teil von ihm. „Vermutlich, weil im Wohnhaus und im Kindergarten ebenfalls nur Steirer waren“, glaubt Gamsler. Geschadet hätte ihm das in der Ferlacher Bevölkerung aber nicht. Genauso wenig wie seine fehlenden Slowenischkenntnisse: „Das war nie ein Thema“, sagt Gamsler, der heuer ohnehin lieber über andere Themen sprechen möchte.
Wie die zusätzliche Schaffung von leistbarem Wohnraum, von attraktiveren Bedingungen für Unternehmen oder neuen Angeboten in der Elementarpädagogik. „Es gibt bei uns mehr als nur den Wörthersee“, meint Gamsler, der das Rosental und Bodental auf der touristischen Landkarte für alle sichtbar machen möchte. Was er nicht machen möchte, aber manchmal muss, ist Nein sagen. Alles kann eine Gemeinde heutzutage nicht mehr leisten, weiß der Finanzreferent. Wie man durch die Krisensituation kommt? „In aller Ruhe und freundschaftlich.“ Im Optimalfall mit allen anderen Fraktionen des Gemeinderats. So wie es sein Vorgänger gelebt hat.