„16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“ – so heißt eine momentan laufende, international aufgezogene Kampagne, die jedes Jahr vom 25. November bis 10. Dezember über die Bühne geht. Der Zeitraum ist nicht zufällig gewählt, er erstreckt sich vom internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen (25. November) bis zum internationalen Tag der Menschenrechte (10. Dezember). Fraueninitiativen auf der ganzen Welt nützen diese Phase, um auf die Probleme aufmerksam zu machen und das Recht auf ein gewaltfreies Leben hervorzuheben. Seit 1992 nimmt Österreich an dieser Kampagne teil.

Zahl der Gewaltdelikte in Feldkirchen sank 2024

Auch der Bezirk Feldkirchen setzt in diesen Tagen seinen Schwerpunkt auf dieses so wichtige Thema. Dazu gab es am Dienstag, 3. Dezember, eine Informationsveranstaltung des Bezirkspolizeikommandos. Im Rahmen dieser wurden auch verschiedene Vorträge gehalten, unter anderem vom Gewaltschutzzentrum Kärnten, das über seine Arbeit referierte und Punkte wie Gewaltdynamik und Problematik von digitaler Gewalt angesprochen hat.

Über 40 Fälle an Gewalt gegen Frauen gab es bisher in diesem Jahr in Feldkirchen, das berichtet Johannes Wurzer, Chefinspektor des Bezirkes. „Im Vergleich zu 2023 ist diese Zahl stark gesunken, damals waren es sogar rund 70 Fälle“, betont er. Am ehesten gefährdet sind Frauen laut ihm in den eigenen vier Wänden. „Das große Problem liegt nicht draußen, sondern vor allem im sozialen Nahbereich“, schildert Wurzer.

„Beratungsangebot sichtbar machen“

Um die Zahl derartiger Verbrechen zu minimieren und zu verhindern, setzt die Exekutive auf Präventionsmaßnahmen. Der Gang an die Öffentlichkeit sei hierbei ein entscheidender Faktor. „Wir versuchen, mit Veranstaltungen nach außen zu treten“, erklärt Wurzer. „Nur so kann man das Beratungsangebot für Betroffene sichtbarer machen.“ Die Tür der Polizei sowie auch anderen Vereinen, stehe immer offen.

Koordinator des Peer Supports Kärnten
Johannes Wurzer: „Die Fälle von Gewalt an Frauen sind in diesem Jahr zurückgegangen“ © Privat

Einen weiteren essenziellen Punkt sieht der Chefinspektor in der Kooperation mit anderen Institutionen, wie zum Beispiel mit dem oben erwähnten Gewaltschutzzentrum. In Feldkirchen gibt es außerdem noch den Verein Lichtblick, der Mädchen-, Frauen- und Familienberatung anbietet. Wurzer: „Es ist wichtig für die Betroffenen, dass sie Anlaufstellen haben, an die sie sich anonym wenden können.“ So werden die Opfer auch gegenseitig weitervermittelt.

Thema ist weiterhin sehr tabuisiert

Die Tabuisierung der Thematik konnte allerdings immer noch nicht in zufriedenstellendem Maße eingedämmt werden, bestätigt Wurzer. Das sei ein großes Problem. „Es ist leider nach wie vor ein Tabuthema. Alles, was in den eigenen vier Wänden passiert, ist Familiensache. Die Betroffenen entwickeln eine Scham nach außen hin, wollen die Situation nicht wahrhaben und kundtun.“ Zudem gebe es auch Fälle des Stockholm-Syndroms. „Manche Opfer denken, dass sie es schon verdient haben – was natürlich falsch ist.“

Man bemühe sich, dieses Dilemma zu lösen. „Aus meiner Sicht wird viel dafür getan“, bekräftigt der Polizist. „Ich kann nur für die Polizei sprechen, aber auch das Gewaltschutzzentrum und die Ministerien bemühen sich. Jeder Femizid wird nach außen getragen. Die vielen öffentlichen Veranstaltungen sollen dabei helfen.“