Als Dienstagmittag Passanten und Einkäufer über den Feldbacher Hauptplatz spazierten, dürfte der eine oder andere verdutzt vor der Mariensäule stehen geblieben sein. Denn eigentlich sollte sich die Marienstatute in orange Tücher gewickelt präsentieren. Versehen mit weißen Bannern mit dem Schriftzug „Gewalt. Verhalten. Ändern.“ sollte sie für zwei Wochen ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen setzen, wie es auch eine danebenstehende Tafel erklärt. Doch von der Verhüllung war am Dienstag nichts mehr zu sehen.
Aktion der Artgenossen abrupt beendet
Erst am 27. November wurde die Kunstinstallation der Artgenossen Vulkanland eingerichtet und sollte anlässlich der internationalen Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ bis zum 10. Dezember stehenbleiben, um auf die zahlreichen Femizide und anderen Gewalttaten in Österreich aufmerksam zu machen. „Am Wochenende bekamen wir dann die Info, dass die Statue enthüllt wurde – nur die Banner blieben stehen. Nachdem wir bis heute keine Kenntnis zu den Hintergründen haben, haben wir uns jetzt entschlossen, alles zu entfernen“, sagt Anton Schnurrer, der gemeinsam mit weiteren Mitgliedern der Artgenossen die „Art Attacke“ (so nennt die Kunstgemeinschaft einige ihrer Aktionen) konzipiert hatte.
Beweggründe unbekannt
Die Kunstaktion fußt auf einem breiten Konsens in der Stadtgemeinde, wurde von der Stadt Feldbach, dem Zontaclub Feldbach und Pfarrer Markus Schöck begleitet beziehungsweise unterstützt. Sehr bewusst entschied man sich für den Ort und die Marienfigur: „Maria gilt als Schutzheilige und bietet sich für eine derart aussagekräftige Kunstaktion bestens an.“ Dass die Kunstaktion nun zerstört wurde, sei unabhängig der Beweggründe vor allem eines: „Das war ein schwerer Schlag gegen uns, die Kunst und das Thema an sich“, so Schnurrer.
Eine Anzeige werden die Mitglieder der Kunstgemeinschaft Artgenossen Vulkanland nicht erstatten, man möchte das Thema nicht noch weiter eskalieren lassen – bereits die letzte Art-Attacke in Straden, bei der die Artgenossen auf die vielen Gewaltfälle gegen Frauen aufmerksam machten, sorgte für Kritik und sogar Drohungen. Nun sei ihnen gar die Essenz ihres Protests gestohlen worden, so Schnurrer und seine „Artgenossin“ Karin Hauenstein-Schnurrer ergänzt: „Die Art-Attacke war offiziell mit einer exakten Darstellung der Verhüllung genehmigt. Was jetzt passiert ist, macht mich sprachlos und traurig.“
Vor allem auch welche negativen Auswirkungen diese Vorkommnisse für künftige Veranstaltungen oder Kunstinstallationen zum Protest gegen Gewalt an Frauen haben könnten, gibt Anton Schnurrer zu bedenken: „Wenn jemand noch einmal so etwas machen möchte wie wir, wird er es sich zweimal überlegen.“