Es war nur ein Bruchteil einer Sekunde. Doch er brachte Tod, Schmerz, Trauer und Verzweiflung über eine steirische Familie.

In den Morgenstunden des 18. Juni 2021 kam es auf der Autobahnabfahrt Bad St. Leonhard im Lavanttal zu einem folgenschweren Unfall: Ein 23-jähriger Kärntner, er wurde mittlerweile verurteilt, fuhr infolge Sekundenschlafs frontal gegen ein entgegenkommendes Auto. Dieses wurde von einer Steirerin (heute 17) gelenkt, die gemeinsam mit ihrer Schwester (heute 33) auf L17-Ausbildungsfahrt war. Auf dem Rücksitz saß, vorschriftsmäßig angeschnallt, die Tochter der 32-Jährigen. Das fünfjährige Mädchen wurde bei dem Unfall so schwer verletzt, dass es im LKH Graz verstorben ist.

Geweint, geschrien, gezittert

"Es gibt seitdem keine Sekunde, in der ich nicht an meine Tochter denke. Es ist nichts mehr wie vor dem Unfall", sagt die 33-Jährige. "Ich habe es bis heute noch nicht begriffen, dass es so ist, wie es ist." Unzählige Male habe sie sich gedacht, "das kann ja einfach nicht sein". Sie habe geweint und geschrien und gezittert. Aber das ändere leider nichts, so die Frau. Ihre Tochter sei "das Einzige für mich gewesen", sagt die Murtalerin. "Für sie war ich immer da, für sie war ich stark." Sie habe sich vor dem Unfall nie denken können, "so etwas überstehen zu können". "Und ohne meinen Lebensgefährten, hätte ich es auch nicht überstanden. Ohne ihn hätte ich nichts mehr, was mich hier hält", sagt die 33-Jährige.

Sie selbst wurde bei dem Unfall schwer verletzt. Mehrere Wirbel waren gebrochen und gesplittert, ihre Lunge verletzt. Die Steirerin musste notoperiert werden und leidet noch heute unter den körperlichen Folgen des Unfalls: "Ich habe nach wie vor Schmerzen, muss Schmerzmittel nehmen. Auf dem Bauch liegen geht gar nicht", sagt sie. Vom Lendenwirbel-Bereich bis zum Kreuzbein sei sie versteift worden. "Im März habe ich wieder einen Termin im Krankenhaus. Da wird entschieden, wann die Metallplatten aus meinem Rücken entfernt werden", erzählt die Murtalerin. Dazu kommen starke Nervenschmerzen im ebenfalls beim Unfall verletzten linken Fuß. "Ich bin noch immer im Krankenstand." Eine Rückkehr in ihren Beruf ist derzeit kein Thema. "Ich glaube auch nicht, dass das so bald wieder klappt."

Enorme Hilfsbereitschaft

Dass sie trotz ihres unglaublichen Schicksalsschlages noch Hoffnung hat, sei auch ein Verdienst von Steirern helfen Steirern und deren Spendern. "Die Hilfsbereitschaft nach dem Unfall war riesig. Ich bin den Menschen so unglaublich dankbar für ihre Hilfe", sagt die Frau. Neben der Kostenübernahme für Therapien und Heilbehelfe konnte sie sich auch ein Auto kaufen. "Ein etwas höheres, weil mit meinen Verletzungen das Ein- und Aussteigen und das Sitzen jetzt schwieriger ist." Sie sei auf ein Auto angewiesen, um überhaupt mobil zu sein. Auch, weil sie längere Strecken derzeit nicht zu Fuß bewältigen kann. "Beim Einkaufen brauche ich ein Wagerl, um mich abstützen zu können."

Doch jede Autofahrt ist eine Herausforderung. Jetzt noch mehr als die Monate nach dem Unglück, als sie wieder Autofahren konnte. "Ich sehe den Unfall immer wieder. Manchmal habe ich zum Beispiel Angst, dass ich beim Überholen jemanden übersehe", sagt sie. Manche Strecken kann die 33-Jährige gar nicht mehr mit dem Auto fahren. Etwa jene zu dem Haus, in dem sie mit ihrer Tochter und ihrer Familie gelebt hat. "Ich bin da zweimal nach dem Tod meiner Tochter hingefahren und habe zum Schreien angefangen. Ich konnte fast nicht mehr weiterfahren." Inzwischen ist sie aus dem Haus ausgezogen, in einen anderen Ort.

Starke, "kleine" Schwester

Auf ihre "kleine" Schwester sei sie sehr stolz. Die heute 17-Jährige erlitt bei dem Unfall zahlreiche Brüche und einen Leberriss. Körperlich habe sie sich gut erholt und vor einem Monat hat sie ihren Führerschein gemacht. "Sie ist wirklich eine starke junge Frau", sagt die 33-Jährige.

Die Unterstützung von Steirer helfen Steirern habe ihr und ihrer Familie nicht nur materiell geholfen, sondern auch psychisch. "Diese Anteilnahme, die vielen tröstenden Worte und Gesten geben uns sehr viel Kraft. Kraft, dass ich mich auch manchmal wieder freuen kann", sagt die Murtalerin.