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Bau-Boom in den Kärntner BergenBreite Front gegen Chalet-Dörfer: „Kalte Betten sind der Tod der Gemeinden“

Der Bau-Boom in den Kärntner Bergen sorgte im Livestream der Kleinen Zeitung für heftige Diskussionen. Die Gegner überwiegen - es gibt aber auch Befürworter weiterer Bauten in den Bergen.

 

Vor 20 Jahren waren es die Kärntner Seen, jetzt haben Immobilien-Investoren die heimische Bergwelt entdeckt. Rund 400 Chalets sind derzeit auf den Kärntner Bergen geplant. Vorhaben, die auf Widerstand, aber auch Zuspruch stoßen. Unter der Leitung von Thomas Cik diskutiertenen heute Raumordnungsreferent Daniel Fellner (SPÖ), Hans-Jörg Kerschbaumer, Bürgermeister der Gemeinde Stockenboi unterhalb des Goldecks, Raumplanerin Gaby Krasemann, Architektin Sonja Gasparin und Erwin Berger, Geschäftsführer und Eigentümer des Hotels Feuerberg auf der Gerlitzen.

Kommentare (12)
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mahue
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Manfred Hütter: Ferienwohnungen und Beton

Ich halte den Bauboom von Ferienwohnungen am Berg oder Meer für kurzfristiges Profitdenken. Haben die Gemeindechef` `s schon nachgedacht wie hoch die Erschließungskosten und die Folgekosten für die Gemeindekasse sind. Die meisten Gemeinden kratzen ohnehin schon jeden Groschen oder Förderungen zusammen, um überleben zu können, da sind die Gebühreneinnahmen von Zweitwohnsitzbesitzer in exponierter Lage viel zu gering, und kein Gewinn für die Gemeindekasse. Bürgermeister, die die Errichtung gutheißen, sind wahrscheinlich selbst an solchen Projekten privat beteiligt. Ich bin gegen das zubetonieren von Berglandschaft, und am Meer das meist unkontrollierte Ablassen von Schmutzwasser in die Meere.

Hingeschaut18
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Gesetze brechen? Kein Problem!

Aufhorchen ließ mich in der sehr interessanten Diskussion: Hotelier Herr Berger bemängelte, dass es keine Sanktionen gibt, wenn Grund bebaut und dann entgegen der erteilten Widmung genutzt wird - Beispiel: Gewerbenutzung vorgeschrieben, in der Realität dann Wohnungen, kalte Betten. - Was antwortete Herr LR Fellner: Ja, Sie haben Recht, da können wir nichts machen. Wenn einmal gewidmet ist, haben wir auf alles, was danach passiert, keinen kontrollierenden oder sanktionierenden Zugriff mehr.

Ich frage mich: Wo leben wir? Unsere Bodenressourcen sind begrenzt, und dieses Eingeständnis - letztlich: Widmung egal, Investor tut eh was er will - führt kommunalpolitisches Ringen um gute Raumordnung ("sparsamer Umgang mit Grund und Boden") ad absurdum. Gemeinderäte werden auf die Gesetze angelobt - um anschließend hilflos zuschauen zu müssen, wenn viel Geld ins Spiel kommt und ebendiese Gesetze lächelnd umgangen oder fröhlich gebrochen werden.

Schoko12
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Parifizierung

1. Bgm Kerschbaumer behauptet ein Verkauf von Chalets am Goldeck ist nicht möglich. Begründung: Es wird keine Grundstücksteilung innhalb des Chaletdorfes erteilt.
Irrglaube: Mit einer Parifizierung lässt sich Wohnungseigentum schaffen und dann sind Wohneinheiten AUCH innerhalb eines Chaletdorfes möglich. Und dabei hat die Gde Null Mitspracherecht. Auch nicht bei einem Verkauf von Wohnungseigentum. Und wenn dann ein FZW entsteht: Null Mitsprache. Nur evtl ZWAG Einnahme.

2. Berger behautet selbiges innerhalb seiner Reinem Kurgebiet Widmung am Feuerberggelände! Stimmt ebenfalls nicht. Bei der Parifizierung ist die Widmung quasi Wurscht. Es entsteht Wohnungseigentum. Und wenn Berger eine parif. Wohnung verkaufen würde mögen... dann wär das rechtlich legal. Auch wenn er es eh wohl nich tut, sagt er. Aber können würde er dürfen, und das ist ein großer Unterschied.

mahue
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Manfred Hütter: Unterschied

Soweit ich nicht falsch liege, gibt es zwei getrennte Begriffe.
1.) Umwidmung von einzelnen Grundstücken
und
2.) Flächenwidmung
Was wird bei eine Errichtung eines Feriendorfes benötigt, und wer entscheidet letztendlich bei so einem Antrag Gemeinde oder Land.
Frage ans Forum?

Schoko12
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FLÄWI

1. Es sind eigtl keine getrennten Begriffe. Sowohl einzelne, kleinere Grdstke können grdstzl. in Bauland gewidmet werden, wiewohl auch weitaus größere Flächen. Im Fall eines neu zu erricht. Chaletdorfes wird natrl. eine große Fläche zu widmen sein... zB 5.000 bis 10.000 m2, oder noch größer (siehe Diskussionsrunde).
2. Die Widmung wird vermtl. Bauland Reines Kurgebiet lauten!? Dann wäre eine ausschl. gewerbliche Nutzung seeehr wahrschl. Aber auch nicht 100% gesichert (siehe Bsp. Diskussion). Wenn das Land mitspielt, gibts evtl sogar eine Widmung Appartmentanlage!? In dem Fall aber wäre wohl fix Feuer frei für Zweitwohnsitze.
Widmung beschließt Gemeinderat (nach Kundmachung) und der Beschluss bedarf dann der Genehmigung der Landesregierung (fachlich und rechtlich).

mahue
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Manfred Hütter: an Schoko12

Alles klar (ein Teil unseres Teams im FA hatte die EW-Bescheide zu erlassen), jetzt aber zum Ablauf. den ich auf Gemeinde-Landesebene auch aus Genehmigungen kenne.
Mir stellt sich rechtlich folgende Frage: Kauft der Investor von den meist Land- und Forstwirten bereits umgewidmete Flächen oder Land-Forstwirtschaftliche Flächen in notwendig großer Fläche für ein Chaletdorf und beantragt dann die Umwidmung mit gewaltiger Wertsteigerung.
Müsste er nicht schon beim Antrag bei der Gemeinde klipp und klar sagen, ich errichte ein Hotel oder Wellnesshotel, oder sofort ich errichte Almeinfamilienhäuser (natürlich Ferienhäuser), die ich mit gutem Profit und Vorverträgen mit potentiellen Käufern dann errichte, und sich danach vertschüsst. Typisches Anlegermodel.

Schoko12
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FLÄWI

Es gibt bei Widmungsverfahren (von Grünland in Bauland...) auch die Möglichkeit bzw. die Pflicht bei größeren Flächen ein sog. "Integriertes Umwidmungsverfahren" abzuwickeln. In einem solchen Verfahren - da haben Sie Recht - ist bereits vorab die ganz konkrete Bebauung der umzuwidmenden Fläche sowie die Nutzung (Hotel, Chalet, Wohneinheiten...) festzulegen. Hier können auch konkrete Regelungen wie Gebäudehöhen, Bebauungsweise, Erschließungen usw. getroffen werden. Das gesamte Widmungsverfahren wird mitsamt aller Verordnungsteile beschlossen und ebenfalls dem Land zur Genehmigung vorgelegt. Das ist ein relativ komplexer Ablauf aber eigentlich die einzig wirkliche Möglichkeit konkrete Festlegungen zu treffen.
Was aber dennoch (leider) immer bleibt ist das ohnedies auch in der Diskussion angesprochene "Eigentumsrecht" des Grundbesitzers. Also es können sicherlich vorab Verträge über die Nutzung abgeschlossen werden (Zeitraum über zB 15 Jahre) aber eine evtl. spätere Parifizierung (so sind zuletzt ja auch beim Wörthersee unzählige Zweitwohnsitze entstanden) lässt sich nie zu 100% verhindern. Und mit dieser Möglichkeit ist die Tür für ZW geöffnet. Und das kann dann weder GDE noch Land verhindern. Diese Machtlosigkeit hat LR Fellner ohnedies treffend angesprochen und wird wohl auch in dem mit 1.1.2022 neu in Kraft tretenden Raumordnungsgesetz weiterhin so bleiben.

mahue
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Manfred Hütter: an Schoko12

Danke für die profunde Auskunft, wieder etwas dazugelernt.
MfG Manfred Hütter

mahue
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Manfred Hütter: Zusatz

2.) Änderung der Flächenwidmung (z . B. von Land- und Forstwirtschaftlichen Flächen in Bauland)

Hingeschaut18
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Bravo!

Hallo Schoko12!
Was Bürgermeister Kerschbaumer von sich gab, sind "Rechtsmeinungen", die in Teilen der Kärntner Landesregierung kursieren, den Bauamtsleitern und Bürgermeistern in die gespitzten Ohren geträufelt werden - und die tatsächlich falsch sind. Ergab zufällig ein Check beim Stellvertreter von Dr. Sturm, Leitung Abt. 3 Landesregierung.
Also: Bravo, Sie sind richtig informiert!

Schoko12
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Ok

Soweit mir bekannt ist, hat Sturm eine StellvertreterIn, aber egal!

Peterkarl Moscher
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Sauerei Hoch 4

Die Seen sind schon weg, wenn man jetzt beginnt die Berge zu verscherbeln
dann Gute Nacht. Die Preisgestaltung ist schon so nobel ausgelegt das
Einheimische es sich nicht leiten können. Alle Kärntner sollten sich dagegen
wehren, noch sind wir das Volk !!!!!