Ein Folientunnel reiht sich in Kötschmanngraben in Ludersdorf an den anderen. Rupert Hütter baut hier Gemüse aller Art an. Darunter Tomaten, Paprika, Melanzani, Salate, Fenchel, Kohlgemüse oder Erdäpfel. Letztere musste er kürzlich bewässern, was – wie er erzählt – besonders untypisch ist. „Die Erdäpfel mussten wir noch nie bewässern.“
Das Wasser für die Beregnung schöpft er aus einem Tiefbrunnen und einem Hausbrunnen. „Die Menge ist da, doch seit Wochen beregnen wir seit 24 Stunden durch“, erzählt Hütter. Dazu komme der Wind, der die Trockenheit aktuell nur noch befeuert.
Ein Blick auf seine Felder am Donnerstag zeigt, die Lage ist ernst. Hütter zeigt mit seinem Finger auf ein Feld. „Die Kräuter da. Da zahlt sich eine Bewässerung nicht mehr aus.“
Der letzte nennenswerte Niederschlag, so Hütter, sei als Schnee im Februar gefallen. „Du kannst das Jahr einfach nicht mehr planen. Im Winter gab es Schnee, im Frühjahr Regen. Das ist jetzt nicht mehr so.“ Obwohl es in den vergangenen Jahren große Herausforderungen gab (Starkregen, Überschwemmungen, Hagel, Frost, Orkan) bleibt der oststeirische Landwirt zuversichtlich: „In diesem Job muss man Optimist sein.“
Und tatsächlich: Am Donnerstagnachmittag zogen dunkle Wolken in der Oststeiermark auf. Regen fiel. Doch machte der etwas aus? „Besser wie Nichts“, sagt Rupert Hütter. Drei bis vier Liter hat es in Ludersdorf geregnet. „Wir haben gezittert, dass kein Hagel kommt. Wir sind verschont geblieben und sind für jeden Tropfen dankbar“, erzählt der Landwirt erleichtert.
Hohe Temperaturen beschleunigen Entwicklung
„Im Vergleich zu anderen Kulturen dürfen wir uns überhaupt nicht beklagen“, meint Sigrid Sorger, Winzerin am Weinhof Sorger in Tieschen. Nachdem die Weinreben Tiefwurzler sind und bei Trockenheit noch tiefer Richtung Grundwasser wachsen, ist die Weinlese, die ja auch erst im Herbst stattfindet, derzeit nicht gefährdet.
„Jüngere Anlagen, die man heuer gesetzt hat, muss man aber gießen, das ist auf jeden Fall ein Mehraufwand“, betont Sorger. Da sind die fünf Liter Regen, die am Donnerstagabend gefallen sind, nur ein schwacher Trost: „Das ist eine halbe Gießkanne auf den Quadratmeter.“ Von Hagel blieb Tieschen verschont.
Die hohen Temperaturen für April und Mai sind nicht optimal für die Weinbauern: „Grundsätzlich hätten wir gerne, dass es noch ein bisschen kühler bleibt, damit die Entwicklung verzögert wird.“ Zu kalt dürfe es aber auch nicht mehr werden, Stichwort Spätfrost. Bei einigen Weinsorten sei man aber noch weit vor der Blüte.
Keine Bewässerung trotz Trockenheit
„Muats trocken“ ist es auch auf Raidl‘s Kernölhof in Aschbach bei Fürstenfeld. „Ich bin 67 Jahre alt und mache schon lange Kürbisanbau, aber so etwas wie heuer haben wir noch nie gehabt“, erzählt Helga Raidl. „Seit dem letzten Schnee hatten wir kaum Regen.“
Manche Pflanzen seien am Feld zwar schon angewachsen, andere aber noch nicht – zu viel habe man generell bisher nicht anbauen wollen, da die Eisheiligen noch bevorstehen. „Wenn der Kürbis Frost bekommt, ist er sofort kaputt“, so Raidl. Die Trockenheit macht den jungen Pflanzen aber auch zu schaffen. „Sie brauchen Wasser, damit sie aus dem Kern herauswachsen können“, erklärt die Landwirtin.
Erst wenn sich ein Kürbis geformt hat, bevorzugt die Pflanze eher Sonne. An Bewässerung denkt man auf Raidl‘s Kernölhof aber trotz der Trockenheit nicht. „Wir haben auch Schweine. Da müssen wir Wasser sparen“, so Raidl. Ob der Regen am Donnerstag ausreichte für eine Verbesserung der Situation, werde sich in den nächsten Tagen zeigen.