Waldbrandexperte fordert Löschteiche in steirischen Wäldern
Immer häufiger müssen Feuerwehren zu Waldbränden ausrücken. Waldbrandexperte Harald Schaden fordert nun Löschteiche, um schneller an Löschwasser zu kommen.
Es ist Feuer am Dach – oder besser gesagt, im Wald. Und das nicht nur metaphorisch, sondern wörtlich. Der ausbleibende Niederschlag, die Dürre, all das ist in der Natur mittlerweile sichtbar. In tiefen Rissen in der Erde und hohen Rauchsäulen über Wäldern. Denn die Feuerwehren mussten heuer schon zu etlichen Waldbränden ausrücken. Der einprägsamste: jener in Eisbach-Rein.
Die Flammen sind mittlerweile gelöscht. Zumindest überirdisch. Unter der Erde lodern sie weiter. Werden für die Einsatzkräfte zu einer Schnitzeljagd des Grauens. Denn die Gefahr ist erst gebannt, wenn jedes Glutnest gefunden und gelöscht ist. Wann das der Fall sein wird, kann auch eine Woche nach dem Ausbruch niemand sagen.
Videocredit: Christoph Pirstinger
Löschteiche in den Wäldern für schnellere Wasserversorgung
Wenn der Wald erst einmal brennt, stellt sich schnell die Frage nach der Wasserzufuhr. Harald Schaden, Waldbrandexperte der Feuerwehr, wagt nun einen Vorstoß und fordert Löschwasserteiche in Wäldern. Der Vorteil liegt auf der Hand. Das Wasser wäre in großen Mengen sofort verfügbar. Sehen die Verantwortlichen also vor lauter Wald die Bäume nicht?

Löschteiche bräuchten Gesetzesänderung
Ganz so einfach ist es nicht. Denn man kann nicht einfach eine Grube in einem Waldgebiet ausheben und diese mit Wasser befüllen. „Das wird wahrscheinlich nicht schnell umzusetzen sein, bis es zu einer Gesetzgebung diesbezüglich kommt", sagt Schaden. In Tschechien gibt es ein derartiges Gesetz laut Schaden bereits.
Wie viele Löschwasserteiche es in der Steiermark bräuchte, kann man nicht so einfach sagen. Jedes Waldgebiet ist anders. Der Bewuchs, die Hangneigung, all das müsste mit einberechnet werden. Schaden schwebt eine Regelung ähnlich jener beim vorbeugenden Brandschutz im Baugesetz vor. Fest steht für ihn: Das Anlegen der Löschteiche müsste verpflichtend sein. Eine reine Freiwilligkeit reiche nicht aus.
Es wird nötig sein, ein Stück des Waldes zu opfern, um den Restwald zu schützen
— Harald Schaden, Experte
Teiche sollen zum Großteil über natürliche Quellen befüllt werden
Dass für die Teiche in vielen Fällen wohl auch Bäume gefällt werden müssten, sieht er pragmatisch: „Es wird nötig sein, ein Stück des Waldes zu opfern, um den Restwald zu schützen.“ Beim Standort müsse zudem bedacht werden, dass die Teiche auch mit Wasser versorgt werden müssen. Im Normalfall soll das über einen Bach oder eine Quelle natürlich erfolgen.
Bei fixen Behältern wäre auch ein Befüllen durch den Waldbesitzer in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr für Schaden denkbar. Wichtig für die Funktionalität der Teiche sei aber, dass sie gut zufahrbar sind und so angelegt sind, dass auch Hubschrauber daraus Wasser entnehmen können.
Steirische Wälder mit gutem Wegenetz ausgestattet
Die Zufahrt ist laut Schaden kein Problem. Denn in den steirischen Wäldern gibt es ein sehr gut ausgebautes Wegenetz. Zudem wurden in der Steiermark kleine Löschfahrzeuge in Form von Pickups angeschafft, die Wasser von den großen Tanklöschfahrzeugen in den Wald bringen können.
Eine eingespielte Synergie zwischen zwei Fahrzeugtypen. „In der Steiermark haben wir in den letzten Jahren sehr viel in der Waldbrandbekämpfung umgesetzt. Die Schulungen wurden adaptiert und auch diese Kleinlöschgeräte wurden bereits angeschafft, aber das heißt nicht, dass das jetzt ausreicht", sagt Schaden.
Es würde eigentlich reichen, wenn die Bevölkerung nachdenkt, einen Hausverstand spielen lässt, dass es gar nicht zu Waldbränden kommt
— Harald Schaden, Experte
Löschteiche freiwillig bereits im Einsatz
Auf komplettem Neuland bewegt man sich auch mit Löschteichen nicht. Denn laut Schaden sind diese in einigen Forstbetrieben bereits Realität. Zudem fordert er sogenannte Wundstreifen. Das sind unbewachsene Streifen, die sich durch den Wald ziehen, die im Ernstfall als eine Art Brandschutzmauer agieren. Sowie ein großzügigeres Ausschneiden von Stromleitungen.
Appell für mehr Hausverstand
Was aber bereits jetzt und ganz ohne Gesetzesänderung umzusetzen wäre: „Es würde eigentlich reichen, wenn die Bevölkerung nachdenkt, einen Hausverstand spielen lässt, dass es gar nicht zu Waldbränden kommt“, appelliert Schaden.

